Rückschritte im Kampf gegen Malaria und Tuberkulose
Berlin: (hib/JOH) Experten haben am Mittwochnachmittag im im Entwicklungsausschuss vor Rückschritten bei der Bekämpfung von Tuberkulose (TB) und Malaria gewarnt. Zwar habe die Staatengemeinschaft hierbei in den vergangenen zwei Jahrzehnten große Erfolge erzielt, sagten die Deutschland-Direktorin der Entwicklungsorganisation ONE, Lisa Ditlman, und der Präsident und Vorstandsvorsitzende der Global Alliance for TB Drug Development (TB Alliance), Melvin Spigelman in der nichtöffentlichen Sitzung. Doch sie würden durch Kürzungen bei der Entwicklungshilfe, globale Krisen, klimatische Veränderungen und zunehmende Resistenzen gegen Pestizide und Arzneimittel bedroht.
ONE ist eine gemeinnützige Organisation, die sich unter anderem für ein Ende vermeidbarer Krankheiten einsetzt. Die ebenfalls nicht-profitorientierte TB Alliance widmet sich der Erforschung, Entwicklung und Bereitstellung von besseren, schneller wirkenden und erschwinglichen Medikamenten gegen Tuberkulose. Ihr Ziel ist es, die - besonders für kleine Kinder - oft tödliche Infektionskrankheit langfristig auszurotten.
Spigelman zufolge steht die Welt tatsächlich kurz davor, Tuberkulose zu eliminieren. So sei es gelungen, die Behandlung von akuter TB erheblich zu verkürzen und die Kosten dafür drastisch zu senken. Auch für Kinder seien spezielle, kindergerecht zu verabreichende Medikamente entwickelt worden. Wirkstoffkandidaten und Behandlungsschemata für die so genannte latente Tuberkulose seien in Entwicklung, um das Potenzial zukünftiger Fälle zu bekämpfen.
Dafür seien jedoch höhere Investitionen notwendig, betonte Spigelman. Dass die Fördermittel, vor allem für den Globalen Fonds zur Bekämpfung von HIV, Tuberkulose und Malaria stattdessen gekürzt würden, führe dazu, dass seine Organisation hart entscheiden müsse, was machbar sei und was nicht. Spigelman fügte hinzu, dass der private Sektor bisher kaum zur Entwicklung neuer Medikamente und Impfstoffe beigetragen habe. Da Tuberkulose größtenteils die „Ärmsten der Armen“ treffe, könnten Unternehmen damit keinen Profit machen.
Von der AfD-Fraktion gefragt, wie die TB Alliance in Entwicklungsländern die Verteilung der hochkomplexen Medikamenten sicherstelle, führte Spigelman aus, seine Organisation arbeite von Beginn an an Lösungen, die in den betreffenden Ländern mit ihren Strukturen funktionierten. So würden ausschließlich Medikamente entwickelt, die nicht auf eine Kühlkette angewiesen seien. Auch Trainings für das Gesundheitspersonal gehörten dazu.
Ditlman nahm die Rolle Deutschlands in den Blick. Das zähle zwar nach den USA weiterhin zu den größten Geberstaaten des Globalen Fonds. Doch mit seiner Zusage, für die Jahre 2026 bis 2028 eine Milliarde Euro beizusteuern, falle es wie viele andere Geber unter das Niveau der Vorjahre. Die Arbeit sei aber noch nicht erledigt, sagte Ditlman und verwies darauf, dass Infektionskrankheiten ein globales Problem seien. Auch in Deutschland würden immer wieder therapieresistente Tuberkulosefälle auftreten, deren Behandlung sehr viel kostspieliger sei als deren Prävention.
In der anschließenden Fragerunde thematisierten auch die Abgeordneten von CDU/CSU, SPD, Bündnis 90/Die Grünen und Linken die Kürzungen im Etat des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ). Mehrfach nach deren Auswirkungen gefragt, versicherte Johann Saathoff (SPD), Parlamentarischer Staatssekretär im BMZ, die Bundesregierung werde in ihren Anstrengungen für die Bekämpfung von Malaria und Tuberkulose nicht nachlassen. Dies sei nicht nur eine gesundheitspolitische Aufgabe, sondern auch eine Frage von Armutsbekämpfung, sozialer Gerechtigkeit und nachhaltiger Entwicklung. Deutschland bleibe nicht nur einer der größten staatlichen Geber beim Globalen Fonds, versicherte Saathoff, sondern habe seit 2006 auch die Globale Impfallianz (GAVI) mit mehr als drei Milliarden Euro unterstützt.
Ihm zufolge hätten seit dem Jahr 2000 durch das weltweite Engagement gegen Tuberkulose und Malaria etwa 83 Millionen Menschenleben gerettet werden können. Dennoch bleibe die Lage ernst. Im Jahr 2024 seien weltweit schätzungsweise 10,7 Millionen Menschen neu an Tuberkulose erkrankt, rund 1,23 Millionen seien daran gestorben. Im selben Jahr seien rund 182 Millionen Malaria-Infektionen und etwa 610.000 Todesfälle registriert worden. Tuberkulose und Malaria gehörten damit weiterhin zu den tödlichsten Krankheiten in Ländern mit niedrigem Einkommen.