20.05.2026 Sport und Ehrenamt — Ausschuss — hib 422/2026

Fünf Gewinner des Engagementpreises als Gäste im Ausschuss

Berlin: (hib/HAU) Fünf Gewinner des Deutschen Engagementpreises 2025 sind am Mittwoch zu einer öffentlichen Sitzung des Ausschusses für Sport und Ehrenamt geladen gewesen. Die Aussprache unter dem Motto „Mitmachen für Demokratie und Grundgesetz“ fand nur wenige Tage vor dem durch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier für den 23. Mai, den 77. Geburtstag des Grundgesetzes, ausgerufenen Ehrentag statt. Staatssekretärin Dörte Dinger, Chefin des Bundespräsidialamtes, erläuterte zu Beginn der Sitzung die Kernidee, die hinter dem Ehrentag steht.

In der jetzigen Zeit, „in der Demokratie angegriffen ist“, gehe es um die Frage, „wie wir das Geschenk der Demokratie erlebbar und erfahrbar machen“, sagte Dinger. So sei die Idee des Mitmachtages entwickelt worden. Die Resonanz darauf habe alle Erwartungen übertroffen, sagte die Chefin des Bundespräsidialamtes. „Wir sehen, wie vielfältig dieses Engagement ist.“

Neben der Würdigung und der Sichtbarmachung des Ehrenamtes gehe es aber mit Blick auf das nicht zufällig gewählte Datum auch um einen „Moment demokratischer Selbsterfahrung“. Einen Moment, in dem die Bürgerinnen und Bürger erfahren, „dass sie etwas bewegen können, dass sie Verantwortung tragen und dass wir sie ein Stück weit in die Pflicht nehmen“. Das könne durchaus eine positive Erfahrung von „Selbstwirksamkeit gegen die Ohnmacht“ sein, sagte Dinger.

Zu Gast in der Sitzung waren die Preisträgerinnen Veronika Hartmann und Isabella Reisch von Coexister Germany - einem interreligiösen und interweltanschaulichen Jugendverein, der Menschen unterschiedlicher Religionen, Weltanschauungen und kultureller Hintergründe zusammenbringt und vollständig ehrenamtlich getragen wird von jungen Menschen zwischen 15 und 35 Jahren. „Unsere Überzeugung ist, dass Vielfalt eine Bereicherung ist und das Potential hat, eine Gesellschaft zu stärken, indem sie Austausch und Verständnis ermöglicht“, betonten sie. Zugleich wiesen sie darauf hin, dass Ehrenamt unverzichtbar sei, professionelle Strukturen jedoch nicht vollständig ersetzen könne. Gerade demokratiefördernde Arbeit brauche langfristige Beziehungen, Verlässlichkeit und kontinuierliche Koordination, sagte die Vereinsvertreterinnen.

Theresia Crone, Vorsitzende des Vereins EndEndoSilence, will Betroffenen von Endometriose, einer chronischen Erkrankung, bei der Gewebe, das der Gebärmutterschleimhaut ähnelt, außerhalb der Gebärmutter wächst, eine Stimme geben. Endometriose müsse als gesellschaftsrelevantes Gesundheits- und Demokratiethema sichtbar gemacht werden, sagte Crone, die selbst unter der Krankheit leidet. Noch immer brauche es in Deutschland im Durchschnitt zehn Jahre bis zur Diagnose Endometriose.

Viele Betroffene litten also Jahre und Jahrzehnte unter ihren Symptomen „ohne Zugang zu adäquater Versorgung“. Crone konstatierte eine Ungleichbehandlung von Frauen mit ihren Schmerzen, „in der Notaufnahme wie auch am Arbeitsplatz“, wenn ihre Gesundheit und ihre reproduktiven Rechte nicht solidarisch geschützt, sondern nur als zusätzliche Kosten betrachtet würden.

Tom Waurig, Geschäftsführer der Dresdner Initiative Spreuweizen, benannte Nachrichtenkompetenz als Schlüsselqualifikation in einer digitalen Informationsgesellschaft. „Wir vermitteln Kindern und jungen Erwachsenen Kompetenzen, um sich in einer komplexen Medien- und Informationslandschaft souverän zurecht zu finden“, erläuterte er. Es gehe darum, das Nachrichtennutzungsverhalten zu reflektieren, Pre- und Debunkingstrategien zu erlernen, sich mit Arbeitsweisen von Journalistinnen und Journalisten, den Funktionen von Journalismus, der Relevanz und der Bedeutung von Meinungs- und Pressefreiheit auseinanderzusetzen und zudem für die Potentiale und Risiken von Influencing bei der politischen Meinungsbildung sensibilisiert zu werden.

Waurig zeigte sich zugleich skeptisch hinsichtlich einer Altersbeschränkung für die Nutzung sozialer Medien. Das greife deutlich zu kurz, befand er. Demokratische Resilienz entstehe dadurch, dass junge Menschen lernen, souverän mit digitalen Medien umzugehen.

Daria Kowol von der War Child Deutschland GmbH, dem Deutschlandableger einer internationalen Organisation, die seit 1993 Kinder und Jugendliche unterstützt, die von Krieg und bewaffneten Konflikten betroffen sind, erläuterte das Programm TeamUp. TeamUp setze Spiel, Bewegung, Spaß mit Gleichaltrigen und die Anwesenheit vertrauenswürdiger Erwachsener als Schutzfaktoren ein, um das Wohlbefinden von Kindern und Jugendlichen zu stärken, Resilienz zu fördern und gleichzeitig den negativen Folgen von chronischem Stress vorzubeugen. Es richte sich an Kinder und Jugendliche in und aus Kriegsgebieten, die zwischen 6 und 17 Jahren alt sind.

Die regelmäßige Teilnahme an TeamUp zeige eine beeindruckende Wirkung auf die psychosoziale Gesundheit der Kinder, sagte Kowol. Die Umsetzung von TeamUp basiere maßgeblich auf dem freiwilligen Engagement ehrenamtlicher Moderatorinnen und Moderatoren.

Der Verein zur Förderung des Frauen- und Kinderschutzhauses Heidenheim unterstütze seit vielen Jahren das örtliche Frauenhaus, das vom Diakonischen Werk getragen wird, sagte die Vereinsvorsitzende Karin Bühner. Das Frauen- und Kinderschutzhaus biete einen sicheren Zufluchtsort für Betroffene, die oft über Jahre körperliche und seelische Gewalt erfahren haben. Der Verein helfe, die notwendige Infrastruktur und Betreuung zu sichern, damit Frauen in geschütztem Rahmen zur Ruhe kommen und neue Perspektiven entwickeln können.

Mit Blick auf das 2025 verabschiedete Gewalthilfegesetz verwies Bühner auf den ab dem 1. Januar 2032 geltenden Rechtsanspruch auf Schutz in Frauenhäusern oder Fachberatungsstellen, der unabhängig von Einkommen, Wohnort oder Aufenthaltsstatus gelte. Die Länder seien in der Verantwortung, bedarfsgerechte Schutzplätze und Hilfsangebote flächendeckend auf- und auszubauen, betonte sie.