10.06.2026 Sport und Ehrenamt — Ausschuss — hib 470/2026

Engagementbereitschaft junger Menschen „hoch und stabil“

Berlin: (hib/HAU) Damit die grundsätzlich vorhandene Bereitschaft junger Menschen, sich ehrenamtlich zu engagieren, auch tatsächlich zu einem Engagement führt, braucht es verlässliche Strukturen und den Abbau von Bürokratie. In dieser Einschätzung waren sich die zu einer öffentlichen Sitzung des Ausschusses für Sport und Ehrenamt(Interner Link) am Mittwoch geladenen Sachverständigen einig.

Bürokratie sei eine Engagementbremse, sagte Daniela Broda, Vorsitzende des Deutschen Bundesjugendrings. Stefan Raid, Erster Vorsitzender der Deutschen Sportjugend, forderte mehr öffentliche Investition in die Engagementstrukturen. Tragfähige Rahmenbedingungen verstünden die Engagierten jenseits von Anerkennungsgesten als die eigentliche Wertschätzung ihres sozialen Engagements, befand Louise Charters, Bundesleiterin bei der Katholischen jungen Gemeinde. Peter Zehetleitner, einer von sieben Bundessprechern des Bundesfreiwilligendienstes, forderte wirksame Kontrollen der Arbeitsmarktneutralität des Freiwilligendienstes und warnte davor, dass ein Missbrauch junger Freiwilliger als billige Arbeitskräfte ein weiteres Engagement derjenigen verhindern könne.

Der Staat baue die Freiwilligendienste quantitativ aus, „ohne die seit Jahren bekannten Qualitäts- und Kontrolllücken bei der Arbeitsmarktneutralität zu schließen“, kritisierte Zehetleitner. Für die Nachwuchsfrage sei das besonders relevant. Würden Freiwillige wie reguläre Arbeitskräfte eingesetzt statt begleitet und gebildet, könne das nach der Engagementforschung Bindung schwächen und vorzeitige Beendigungen begünstigen. „Schon heute beenden auffällig viele ihren Dienst vorzeitig, in absoluten Zahlen ganz überwiegend unter 27 Jahren“, sagte er.

Wirksame Kontrolle der Arbeitsmarktneutralität sei deshalb zugleich Nachwuchsschutz. „Nachwuchsförderung gelingt nur, wenn zusätzliche Plätze mit existenzsichernden Bedingungen, verlässlicher Anerkennung und einer wirksamen, transparenten Aufsicht verbunden werden“, machte Zehetleitner deutlich.

Die Bereitschaft junger Menschen in Deutschland, sich für die Gesellschaft einzubringen, sei entgegen weit verbreiteter Klischees „hoch und stabil“, sagte die Vorsitzende des Deutschen Bundesjugendrings, Daniela Broda. Die Engagementstrategie der Bundesregierung weise für die Altersgruppe der 14 bis 29-Jährigen eine Engagementquote von 42 Prozent aus. Rechne man jene hinzu, die sich zumindest ein Engagement vorstellen könnten, lande man bei 90 Prozent.

Eine zentrale Herausforderung für selbstorganisiertes junges Engagement in der Jugendverbandsarbeit sei die fehlende Planungssicherheit, machte Broda deutlich. Umso wichtiger sei die Stärkung bundeszentraler Infrastrukturen. Die im Bundesjugendring zusammengeschlossenen Jugendverbände hätten seit 2022 zusätzliche Bedarfe in Höhe von insgesamt sechs Millionen Euro erhoben und politisch begründet. Um diese Bedarfe vollständig abzubilden, sei weiterhin eine zusätzliche Erhöhung um zwei Millionen Euro erforderlich, so Broda. Darüber hinaus müssten die Mittel, „wie im Koalitionsvertrag angekündigt“, perspektivisch dynamisiert werden.

Die Bundesleiterin bei der Katholischen jungen Gemeinde, Louise Charters, wies darauf hin, dass sich insbesondere für junge Engagierte häufig Unsicherheiten im Umgang mit rechtlichen Vorgaben ergäben. „Komplexe und unübersichtliche Bestimmungen stellen dabei eine erhebliche Hürde dar“, sagte sie. Daher müssten diese klar, verständlich und Transparent dargelegt sowie durch geeignete Beratungsangebote begleitet werden. Darüber hinaus brauche es verlängerte und verlässliche Projektzeiträume, flexibler einsetzbare Mittel sowie die Erarbeitung von Erleichterungen im Antragsprozess mit Ehrenamtlichen selbst.

Auf eine Veränderung des Engagements wies Stefan Raid von der Deutschen Sportjugend hin. „Das klassische Bild des lebenslangen Ehrenamtlers stimmt nicht mehr mit der Realität junger Menschen überein“, konstatierte er. Die Deutsche Sportjugend wisse das und biete dafür Lösungen über Qualifizierungen, Netzwerke, Mentoringprogramme oder Juniorteams, wo jungen Menschen ein niedrigschwelliger Einstieg ins Ehrenamt ermöglicht werde.

Die Bemühungen der Vereine reichten aber nicht aus, so Raid. Es brauche Bürokratieabbau, weniger Haftungsrisiken im Ehrenamt, die Förderung von Ausbildung im Ehrenamt und eine öffentliche Anerkennung. Gleichzeitig würden aber auch „Investitionen in die Strukturen“ benötigt. Auch in Zeiten knapper Kasse lohne es sich, „in alle Töpfe zu schauen, um bestehende Mittel dort einzusetzen, wo junge Menschen sind“. Das sei unter anderem im Sport der Fall, so der Erste Vorsitzende der Deutschen Sportjugend.