11.06.2026 Parlamentarischer Beirat für nachhaltige Entwicklung — Ausschuss — hib 473/2026

Mehr Fördermittel für Innovationen am Bau gefordert

Berlin: (hib/HAU) Für Innovationen am Bau braucht es mehr Fördermittel. Das machten die zu einem öffentlichen Fachgespräch des Parlamentarischen Beirats für nachhaltige Entwicklung und Zukunftsfragen am Mittwoch zum Thema „Nachhaltiges Bauen“ geladenen Sachverständigen deutlich.

Die Herausforderungen des Klimawandels und der Ressourcenknappheit könnten nur durch einen tiefgreifenden technologischen und organisatorischen Wandel im Bauwesen bewältigt werden, sagte Professor Viktor Mechtcherine, Direktor des Instituts für Baustoffe an der Technischen Universität (TU) Dresden.

Der Experte erläuterte den mit dem Projekt CARE verbundenen Paradigmenwechsel im Bauen - hin zu einem klimaneutralen, ressourceneffizienten und nachhaltigen Bauen. Aktuell dominiere Beton das Bauen, sagte er. 80 Prozent des gesamten Bauvolumens mache er aus. „Jedes Jahr wird weltweit so viel Beton gegossen, dass man damit eine Treppe bis zum Mond bauen könnte“, sagte Mechtcherine. Der Bedarf wachse. Bis 2060 geht er von einer Verdopplung der Bautätigkeit aus. Wegen dieses gewaltigen Volumens sei das Bauwesen auch ein Hauptverursacher von Treibhausemissionen und beim Ressourcenverbrauch. Die Branche kämpfe zudem mit geringer Produktivität, Fachkräftemangel, problematischen Arbeitsbedingung und hohen Kosten, was ihre Entwicklung bremse. Dennoch sei der Anteil der Forschungsinvestitionen im Bauwesen vergleichsweise gering.

Mit CARE werde nun die Vision kohlenstoffneutraler, mineralbasierter Alternativen zu Beton - synthetisiert mittels Mikrochemie unter Verwendung von Kohlenstoffdioxid und Abfallstoffen - betrieben mit erneuerbarer Energie verfolgt. Materialinnovationen allein reichten aber nicht aus, so der Experte. Auch die Konstruktion und die Bemessung müssten „eine grundlegende Revolution“ durchlaufen. „Unser Ziel ist es, die heutigen massiven und ressourcenverschwenderischen Strukturen durch disruptive, materialeffiziente Designs zu ersetzen.“

Zur Umsetzung der Forschung würden verschiedene Plattformen aufgebaut, darunter Versuchsanlagen, digitale Entwicklungsumgebungen und Demonstrationsprojekte. Beispiele für den erfolgreichen Wissenstransfer in die Praxis seien der Vollwand-3D-Druck mit Beton sowie Carbonbeton-Bauwerke. Carbonbeton besitzt laut Mechtcherine gegenüber herkömmlichem Stahlbeton Vorteile wie hohe Dauerhaftigkeit, lange Lebensdauer und Korrosionsfreiheit der Bewehrung. Dadurch ließen sich Materialeinsatz und Wartungsaufwand deutlich reduzieren.

Dagmar Fritz-Kramer, Mitglied der Geschäftsführung der Bau-Fritz GmbH & Co. KG, einem mittelständischen Holzbauunternehmen in Erkheim (Bayern), verwies auf die „sehr starke und innovative“ Baustoffindustrie in Deutschland, auf die die Baufirmen angewiesen seien und für die es neben der Forschung auch Möglichkeiten zur schnelleren Markteinführung ihrer Produkte geben müsse.

Fritz-Kramer betonte, es müsse gelingen, nachhaltiges Bauen in die Breite zu bringen. Ein Schritt sei dazu mit den neuen KfW-Fördermitteln gemacht, die seit 2023 zinsvergünstige Darlehen ermöglichten „für Menschen, die sich ein nachhaltiges Gebäude leisten wollen“. Dazu, so Fritz-Kramer, müsse ein QNG-Siegel erworben werden. Dieses Siegel müsse beibehalten werden, forderte sie. Seine Ausstellung sei inzwischen viel unkomplizierter als früher. Neben dem Siegel müsse auch die degressive Abschreibung im nachhaltigen Mietwohnungsbau beibehalten werden, forderte sie. An die Abgeordneten gewandt sagte die Bauunternehmerin: „Lassen Sie es bei einer stetigen Weiterentwicklung und machen Sie keine Rolle rückwärts.“

Als ein Innovationshemmnis benannte Fritz-Kramer die Bürokratie. Die baurechtlichen Zulassungen von Baumaterialien dauerten einfach zu lange. Auch fehle eine Förderung für recycelte und nachwachsende Baustoffe. Wenn Recycling-Beton 15 Prozent mehr koste als der Primärrohstoff, komme man damit nicht an den Markt. Als wichtig erachtete Fritz-Kramer auch eine Förderung der Bestandsanalyse. Zudem plädierte sie für eine Kombinierbarkeit von Sanierungs- und Neubauförderung.