24.06.2026 Tourismus — Ausschuss — hib 521/2026

Tourismusbranche hofft auf Arbeitszeitflexibilisierung

Berlin: (hib/NKI) Die Tourismusbranche kann sich offenbar auf flexiblere Arbeitszeiten einstellen. Konkrete Pläne dazu teilte Christoph Ploß (CDU), Koordinator für maritime Wirtschaft und Tourismus im Bundeswirtschaftsministerium, am Mittwoch im Ausschuss für Tourismus mit. Demnach soll das Gesetz im Herbst in den Bundestag eingebracht werden und am 1. Januar 2027 in Kraft treten.

Das Thema Arbeitszeiten in der Tourismusbranche werde nicht nur im Koalitionsausschuss behandelt, sondern sei wichtiges Element in der Nationalen Tourismusstrategie (NTS) der Bundesregierung. Die Branche fordert eine Abkehr vom Acht-Stunden-Tag und eine Umstellung der Wochenarbeitszeit, um zu Saisonzeiten auf schwankende Gästezahlen reagieren zu können. „Die Strategie bündelt erstmals alle für die Branche relevanten Maßnahmen der Regierungsressorts unter dem übergeordneten Ziel, die Wettbewerbsfähigkeit des Tourismusstandortes Deutschland zu stärken“, heißt es in der Strategie (21/3940(Dokument, öffnet ein neues Fenster)), die die Bundesregierung Anfang des Jahres auf den Weg gebracht hat.

Darin werde der Tourismus als ein wichtiger Wirtschaftsfaktor und Arbeitgeber beschrieben, der sich durch eine starke Prägung kleiner und mittlerer Unternehmen auszeichne. Geplant seien neben der Änderung der Arbeitszeit unter anderem auch der Abbau bürokratischer Hürden für Unternehmen, die Stärkung der Anbindung Deutschlands ins benachbarte Ausland sowie der Mobilität im Land und eine weitere Digitalisierung des Tourismus. Deshalb wolle die Bundesregierung „massiv in eine moderne, effiziente und umweltfreundliche Verkehrsinfrastruktur investieren sowie die Digitalisierung und Elektrifizierung vorantreiben“, heißt es in dem Strategiepapier.

Die Redner der Koalitionsfraktionen von CDU/CSU und SPD unterstützten das Konzept. Während der Vertreter der Unionsfraktion vor allem die Flexibilisierung der Arbeitszeit begrüßte, lobte der Redner der SPD die zügige Umsetzung der Strategie. Den Anbietern im Tourismus werde gezeigt, dass Wirtschaftlichkeit und Klimaschutz keine Gegensätze seien, sondern zusammengedacht werden müssten.

Dem widersprach der Vertreter der AfD-Fraktion. Er sehe keine Möglichkeit, wie die Vorgaben für Nachhaltigkeit, Klimaschutz, Barrierefreiheit und viele andere Punkte zu mehr Wirtschaftlichkeit führen sollten. Das Gegenteil trete ein, indem den Tourismusbetrieben immer mehr Bürokratie aufgeladen werde.

Die Fraktion von Bündnis 90/Die Grünen wollten wissen, ob das Instrument des „Praxischecks im Tourismus“ weitergeführt werde. Das letzte Diskussionsforum dieser Art habe in Bayern stattgefunden, um über den Abbau bürokratischer Hürden, rechtlicher Vorschriften und praktische Abläufe der Branche zu sprechen. Tourismusbeauftragter Ploß antwortete, es werde dieses Forum weiterhin geben, das nächste Treffen sei für September in Lüneburg/Niedersachsen geplant.

Vonseiten der Fraktion Die Linke kam der Hinweis, dass sich die Nationale Tourismusstrategie zwar mit Overtourism (Übertourismus) beschäftige, was begrüßt werde, jedoch zu wenig die Menschen im Blick habe, die sich überhaupt keine Urlaubsreise leisten könnten. Nach jüngsten Zahlen seien das in Deutschland derzeit 21 Prozent. Auf diese Frage gebe weder die Nationale Tourismusstrategie noch die Bundesregierung eine Antwort.