25.06.2026 Menschenrechte und humanitäre Hilfe — Ausschuss — hib 525/2026

UNHCR: Zahl der Flüchtlinge weltweit leicht gesunken

Berlin: (hib/SAS) Die Zahl der Flüchtlinge und Vertriebenen weltweit ist laut dem aktuellen Bericht des Flüchtlingshilfswerks der Vereinten Nationen (UNHCR) erstmals seit zehn Jahren gesunken. Sie ging von 123 Millionen im Jahr 2024 auf 118 Millionen im Jahr 2025 zurück. Trotzdem sei das kein Grund zur Entwarnung, so die Vertreterin des Hohen Flüchtlingskommissars der Vereinten Nationen (UN) in Deutschland, Katharina Thote, im Gespräch mit dem Ausschuss für Menschenrechte und humanitäre Hilfe am Mittwoch. Der Rückgang sei keine Trendwende, da die Zahl noch fast doppelt so hoch sei wie vor zehn Jahren.

70 Prozent der Menschen, die weltweit von Flucht und Vertreibung betroffen sind, kommen laut UNHCR aus sechs Ländern: Venezuela, Ukraine, Syrien, Afghanistan, Sudan und Südsudan. Fast 70 Prozent der Geflüchteten und Vertriebenen lebten in armen oder mittellosen Ländern, 25 Prozent davon sogar in den ärmsten Ländern der Welt, wie etwa dem Tschad.

Als Grund für den Rückgang nannte die UNHCR-Vertreterin die gestiegene Zahl an Rückkehrerinnen und Rückkehrern. Fast 15 Millionen Vertriebene seien in ihre Herkunftsländer oder -regionen zurückgekehrt. Besonders viele Rückkehrer zählten Afghanistan, Syrien und Regionen im Sudan. Laut des UNHCR-Berichts „Global Trends“ habe die Rückkehr weltweit den zweithöchsten Stand erreicht.

Allerdings gingen viele Menschen nicht freiwillig und unter äußerst schwierigen Bedingungen zurück, betonte Thote. Die Lage etwa in Afghanistan, wohin im vergangenen Jahr 1,9 Millionen Flüchtlinge vor allem aus Iran und Pakistan zurückgekehrt seien, sei sehr kritisch. Ein Drittel der Menschen, mit denen das UNHCR gesprochen habe, hätten keinen Zugang zu medizinischer Versorgung, 80 Prozent ließen Mahlzeiten aus, weil es nicht genügend Lebensmittel gebe, eine von drei Familien sei auf die Arbeit ihrer Kinder angewiesen, um das Überleben zu sichern. Sehr viele hätten auch angegeben, dass sie trotz Risiken überlegten, sich erneut auf die Flucht zu begeben.

Es sei daher sei es schwer, die gesunkene Zahl von Flüchtlingen und Vertriebenen als Hoffnungsschimmer zu sehen, so Thote auf Nachfrage eines Mitglieds der CDU/CSU-Fraktion im Ausschuss. Wie nachhaltig die Entwicklung sei, bleibe angesichts der im Libanon und Iran in diesem Jahr vertriebenen Menschen abzuwarten. Diese Zahlen bilde der Bericht nicht ab.

Vor dem Hintergrund des weiterhin besorgniserregend hohen Niveaus der Flüchtlingszahlen verwies Thote auf die schwierige finanzielle Situation des UNHCR. Das Flüchtlingshilfswerk befindet sich, wie auch andere UN-Organisationen, in einer Finanzkrise, nachdem US-Präsident Donald Trump die Beiträge der USA an die Vereinten Nationen gekürzt hat und auch viele europäische Staaten, darunter auch Deutschland, ihre humanitäre Hilfe zurückgefahren haben. 2024 habe das UNHCR über ein Drittel weniger Geld zur Verfügung gehabt, 2025 seien die Einschnitte noch größer gewesen, sagte Thote. In der Folge seien 185 Büros weltweit geschlossen, ein Drittel des Personals entlassen und zahlreiche Programme eingestellt worden. Insgesamt habe man 16 Prozent weniger Menschen erreicht.

Betroffen von den Kürzungen seien zum Beispiel die Gesundheitsversorgung von Flüchtlingen in Ägypten und Libanon, die Frauenschutzzentren in Konfliktgebieten oder Rückkehrhilfen für Flüchtlinge gewesen, sagte Thote als Antwort auf eine Frage der AfD. Diese hatte sich insbesondere nach Leistungen für zurückkehrende Flüchtlinge in Syrien erkundigt. Die UNHCR-Repräsentantin berichtete daraufhin, dass das UNHCR Rückkehrer dort noch mit einer Wohnungshilfe unterstütze. Diese sei allerdings sehr beschränkt - nicht alle, die sie bräuchten, könnten sie erhalten. Gezwungen sei man auch gewesen, soziale Beratungen für Flüchtlinge zu streichen, die ein wichtiger Faktor bei der Reintegration seien.

Um eine Einschätzung der Ergebnisse der Sudan-Konferenz im April in Berlin bat die SPD: Die Zusagen seien positiv gewesen, sagte die UNHCR-Vertreterin daraufhin, doch die tatsächliche zusätzliche Finanzierung bleibe weiter unklar. Die Lage im Sudan sei extrem schwierig, es fehle der notwendige internationale Druck auf die Konfliktparteien.

Auf eine Frage der Linksfraktion, ob legale Fluchtwege eine Lösung seien, um Todesfälle auf der Flucht über das Mittelmeer, zu verhindern, erklärte Thote, dass legale Zugangswege entscheidend seien. Dazu gehörten Resettlement, aber auch Programme für Arbeitsmobilität und Bildungszwecke. Das UNHCR bedauere, dass Deutschland sein Resettlement-Programm ausgesetzt und die Aufnahme schutzbedürftiger Flüchtlinge gestoppt hat, so Thote.

Wer Migration steuern wolle, müsse Schutzsysteme stärken, so ihr Plädoyer. Auf eine Nachfrage aus der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen erklärte sie den Ansatz des UNHCR, Schutzsysteme entlang von Fluchtrouten zu stärken: Dieser beinhalte unter anderem bessere Asylsysteme und ausreichende Ressourcen in Erstaufnahme- und Nachbarländern sowie Investitionen in Transitstaaten, um frühzeitig Schutz zu ermöglichen.