Jugenddelegierte: Druck auf Zivilgesellschaft nimmt zu
Berlin: (hib/HAU) Der Druck auf die internationale Zivilgesellschaft nimmt zu. Zu dieser Einschätzung kamen die aktuellen Jugenddelegierten für Nachhaltige Entwicklung, Matilda Ramge und Florian Brod, sowie ihre Vorgängerin Audrey MacLean mit Blick auf das High-level Political Forum on Sustainable Development (HLPF) im vergangenen Jahr. Bei einem öffentlichen Fachgespräch des Parlamentarischen Beirats für nachhaltige Entwicklung und Zukunftsfragen am Mittwoch sprach Brod, der als Jugenddelegierter die deutsche Regierungsdelegation unter Leitung des Bundesumweltministeriums beim HLPF im Sommer 2025 begleitete, von einem Trend, der auch beim diesjährigen HLPF vom 7. bis 15. Juli 2026 in New York schon nach dem zweiten Tag deutlich geworden sei. Vertreterinnen und Vertreter aus dem globalen Süden könnten nicht mehr so einfach teilnehmen, sagte Brod. „Die Hürden sind höher“, betonte er. Deshalb brauche es dringend mehr Schutz für zivilgesellschaftliche Räume. „Schutz vor finanziellen Kürzungen, rechtlichen Einschränkungen, öffentlicher Diffamierung und Einschüchterung durch Gewaltdrohungen.“
Der Jugenddelegierte hatte zuvor darüber berichtet, dass beim letztjährigen Treffen die Themen Klimaschutz und Geschlechtergerechtigkeit „sehr umstrittene Themen“ gewesen seien. „Für uns Jugenddelegierte ist eine Infragestellung von Klima- und Gendersprache ein schwerer Bruch mit dem freiwilligen Rahmenwerk der Nachhaltigkeitsziele“, sagte Brod. Zugleich verwies er darauf, dass die von den USA initiierten Streichungsanträge zu diesen Themen deutlich gescheitert seien. Am Ende sei die Ministerielle Deklaration 2025 angenommen worden - bei Gegenstimmen der USA und von Israel. Zur Einordnung verwies er darauf, dass vor 2025 die Deklaration „ausnahmslos einstimmig verabschiedet wurde“. Diese Veränderung bewertete er als „sehr problematisch“.
Audrey MacLean, die als ehemalige Jugenddelegierte 2024 und 2025 dabei war, sprach von einer drastischen Veränderung des multilateralen Umfelds. 2024 habe es noch einen Konsens gegeben, dass die Agenda 2030 und die Nachhaltigkeitsziele (SDGs) „wichtig sind und das dazu gestanden wird“. Mit dem Regierungswechsel in den USA habe sich das fundamental verändert. Die Konfliktlinien hätten sich verschoben: von Geopolitik hin zu Wertefragen. Gerade weil aber der multilaterale Konsens bröckle, seien glaubwürdige Freiwillige Staatenberichte, wie jener von Deutschland beim HLPF 2025, „mit echter Beteiligung“, wichtiger denn je, sagte MacLean.
Matilda Ramge, die Mitte November 2025 als neue UN-Jugenddelegierte für Nachhaltige Entwicklung ausgewählt wurde und gemeinsam mit Brod das aktuelle Duo der Jugenddelegierten bildet, äußerte die Erwartung, „dass Deutschland weiterhin seiner Verantwortung in der internationalen Gemeinschaft gerecht wird und eine aktive Rolle als verlässliche Stimme des Multilateralismus in progressiven Allianzen einnimmt und vor allem auch als Partner junger Menschen auftritt“. Ramge erwartet in diesem Jahr nach eigener Aussage ähnliche Konfliktlinien um Sprache und Belage zu Klimagerechtigkeit und Gender. Es müsse daher eine klare Haltung der deutschen Verhandler zu erkennen sein, forderte sie.
Um die Umsetzungslücke bei den SDGs zu schließen, so Ramge, sei eine Gleichgewichtung aller Nachhaltigkeitsziele und -dimensionen der Agenda 2030 „ein essenzieller Baustein“. Das vermisse sie in den aktuellen Debatten. Zum deutschen Umsetzungsstand sagte die Jugenddelegierte, sie sehe großen Nachsteuerungsbedarf beim SDG 12 (Nachhaltiger Konsum und Produktion) sowie dem SDG 13 (Klimaschutz). Darüber hinaus gebe es auch rückläufige Tendenzen beim SDG 1 (Armutsbekämpfung) und dem SDG 10 (Chancengleichheit). In Richtung der Abgeordneten appellierte sie dafür, die gemeinsame Zukunft konstruktiv zu denken und zu gestalten und die kommenden vier Jahre zu nutzen, „die Ziele der nachhaltigen Entwicklung gemeinsam parteiübergreifend zu tragen, zu stärken und ihre Umsetzung voranzutreiben“.