09.07.2026 Parlamentarischer Beirat für nachhaltige Entwicklung — Ausschuss — hib 571/2026

Ausblick auf das diesjährige UN-Nachhaltigkeitsforum

Berlin: (hib/HAU) Die deutsche Delegation beim diesjährigen Hochrangigen Politischen Forum für Nachhaltige Entwicklung der Vereinten Nationen (HLPF) vom 7. bis 15. Juli 2026 in New York ist breit aufgestellt. Sie werde mehr als 60 Teilnehmerinnen und Teilnehmer umfassen, die aus der Zivilgesellschaft, der Wissenschaft, von der Wirtschaft und aus Stiftungen kommen. Außerdem gehörten Abgeordnete des Bundestages sowie Kommunalvertreter und Mitglieder der Bundesregierung zu der Delegation, sagte Bärbel Kofler (SPD), Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ), am Mittwoch vor dem Parlamentarischen Beirat für nachhaltigen Entwicklung und Zukunftsfragen. Das UN-Nachhaltigkeitsforum ist das entscheidende UN-Gremium zur Fortschrittsberichterstattung und Abstimmung der globalen Nachhaltigkeits-Politik.

Kofler, die ebenso wie die deutsche Delegationsleiterin Rita Schwarzelühr-Sutter (SPD), Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesministerium für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz, nukleare Sicherheit (BMUKN), in der kommenden Woche nach New York reisen wird, betonte, man wolle damit die Vorteile der Partizipation in den Vordergrund stellen. Dazu gehöre es auch, jungen Menschen aus dem globalen Süden, die in ihren Heimatländern kaum Unterstützung erhielten, eine Teilnahme am HLPF zu ermöglichen, „damit die Perspektive aus dem globalen Süden eingebracht wird“.

Ein zweites Motto laute: Resilienz zahlt sich aus. Investiere man in vorausschauende Planung, zahle sich das aus, so die Ministeriumsvertreterin. Im Agrarsektor etwa könnten viele Probleme zumindest reduziert werden und so „die Folgen von Ereignissen nicht ganz so dramatisch werden“. Gleiches gelte aber auch für das rechtzeitige Angehen von Ungleichheit und Armut wie auch die Gesundheitsprävention. Ein dritter wichtiger Punkt aus deutscher Sicht beim HLPF sei die Debatte um die Zeit nach der Agenda 2030. „Wir wollen einen Beitrag dazu leisten, möglichst ambitionierte Ziele für die Zeit nach 2030 zu entwickeln und einen Pfad dahin aufzuzeigen, wie das gemeinsam gelingen kann“, sagte Kofler.

Delegationsleiterin Schwarzelühr-Sutter verwies auf die vier Nachhaltigkeitsziele (SDGs), die beim diesjährigen HLPF im Fokus stehen. Das seien SGD 6 (Sauberes Wasser und Sanitäreinrichtungen), SDG 7 (Bezahlbare und saubere Energie), SDG 9 (Industrie, Innovation und Infrastruktur) und SDG 11 (Nachhaltige Städte und Gemeinden). Für diese wie auch die anderen Nachhaltigkeitsziele sei die 2015 verabschiedete Agenda 2030 der gemeinsame Zielrahmen. Bis zur Zielmarke 2030 blieben nur noch knappe vier Jahre, so Schwarzelühr-Sutter. Das mache deutlich, „dass wir alle Hebel in Bewegung setzen müssen, um die Umsetzung der 17 SDGs zu beschleunigen“.

Der SDG-Fortschrittsbericht 2026 des UN-Generalsekretärs zeige bei nur 36 Prozent der messbaren Ziele Fortschritte. 49 Prozent stagnierten - 15 Prozent hätten sich gegenüber 2015 gar verschlechtert. „Das macht nochmal deutlich, in welcher Situation wir sind, in der wir nicht bleiben sollten“, sagte die Vertreterin des Umweltministeriums.

Schwarzelühr-Sutter machte auch deutlich, dass die anhaltenden geopolitischen Krisen und Kriege um Rohstoffe und Ressourcen die Umsetzung der Agenda 2030 erschwerten. Sie könne sich noch an die Aufbruchstimmung nach Verabschiedung der Agenda 2030 erinnern. Es habe ein Wetteifern gegeben, wer am engagiertesten ist und am meisten erreicht hat. Anders sei das schon im vergangenen Jahr beim HLPF gewesen. Der Begriff Gendern habe nicht vorkommen dürfen, der Begriff Sustainable auch nicht. Das verdeutliche die herausfordernde Situation.

„Unser Leitbild ist, dass sich Resilienz lohnt“, betonte Schwarzelühr-Sutter in Übereinstimmung mit ihrer Kollegin Kofler. Dabei gehe es um smarte Systeme, um Infrastrukturmaßnahmen auf lokaler Ebene aber auch im weiteren Sinne um die Widerstandsfähigkeit von Gesellschaften. „Wir haben das ja seit dem Ukrainekrieg schon ein bisschen geübt, sind aber noch nicht dort, wo wir sein müssten“, sagte sie.