Erfahrungsbericht Schweiz

Kathrin Schreiber-Scherbatzki (© DBT/Stella von Saldern)
Im Rahmen eines Mitarbeiteraustauschs zwischen der Verwaltung des Deutschen Bundestages und den Parlamentsdiensten der Schweizerischen Bundesversammlung bekam ich die Möglichkeit, in der Zeit von Ende Juli bis Ende Oktober 2024 nach Bern zu gehen und die Arbeitsweise der Parlamentsdienste vorrangig im Bereich (im schweizerischen Ressort genannt) „Internationales“ kennenzulernen.
Begonnen hat mein Einsatz mit einer Führung durch das Bundeshaus und den Einblick in das Herz der Schweizer Demokratie, welches den kulturellen und sprachlichen Puls der Schweiz einfängt und die unterschiedlichen Rollen der Landessprachen im politischen Alltag widerspiegelt. Diese mir gegebene historische Geschichte möchte ich den interessierten Lesern zugänglich machen. Bei der Führung wurde von einem italienischen Ratsmitglied berichtet, der in einer Anekdote von sich gegeben haben soll, dass, wenn man im Rat etwas erzählen möchte, man Italienisch spreche; wenn das Zuhören erwünscht sei, man Französisch und wenn erzielt werden solle, dass etwas entschieden wird, man Deutsch spreche! Obwohl alle vier Sprachen (Deutsch, Französisch, Italienisch und Rätoromanisch) gleichberechtigt sind, zeigte mir diese Erzählung, dass der „Sprachen-Frieden“ in der Schweiz auch viel mit Humor und dem Verständnis für die jeweilige Sprachkultur zu tun hat.
Mein Einsatz startete direkt danach in einem Vier-Personen-Büro, wobei meine Kolleginnen aus unterschiedlichen Abteilungen stammten. Ich fühlte mich von Tag 1 herzlich aufgenommen, fürsorglich eingearbeitet und bekam spannende Aufgaben. Unter anderem war ich Teil des Teams zur Vorbereitung und Durchführung eines umfangreichen Botschafterausflugs mit diplomatischen Vertretungen aus Bern und Genf. Zudem half ich sowohl bei der Vorbereitung einer Delegationsreise nach Südafrika mit als auch bei der Durchführung von Höflichkeitsbesuchen internationaler Parlamentspräsidenten, unter anderem aus Polen, Taiwan und Istanbul.
Die Erfahrungen von protokollarischen Exkursionen vertieften zudem mein Verständnis für die internationale Zusammenarbeit. So erhielt ich interessante Einblicke in die Britische Botschaft und in das Eidgenössische Departement für auswärtige Angelegenheiten; dem Außenministerium der Schweiz.
Durch den mir gegebenen Einblick in den parlamentarischen Kommissionen konnte ich auch die Gleichberechtigung von National- und Ständerat in der Schweiz hautnah miterleben – vergleichbar mit den Ausschüssen im Deutschen Bundestag.
Nachhaltig beeindruckt hat mich die direkte Mitwirkung der Bevölkerung und der daraus resultierende Unterschied zu unserem System in Deutschland.
Zusammenfassend kann ich sagen, dass meine Zeit im Berner Bundeshaus eine unvergessliche Erfahrung war, die mir wertvolle neue Einblicke beschert hat. Von diesem Austausch profitiere ich als Bundestagsmitarbeiterin auch für meine tägliche Arbeit. Ich kann ein solches Programm nur empfehlen und hoffe, dass weiterhin viele meiner Kolleginnen und Kollegen diese Chance nutzen können. Und last but not least: Der Kontakt zu den Mitarbeitenden bei den Schweizer Parlamentsdiensten besteht bis heute, und ich freue mich, in diesem Jahr 2026 am Jubiläum 40 Jahre Schweizer Frauenlauf in Bern teilzunehmen bzw. teilgenommen zu haben.
Kathrin Schreiber-Scherbatzki