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Cornelia Schleime

Von Fluss zu Stein von Stein zu Sein (Selbstinszenierung auf La Palma), Übermalte Fotografie, 2018

Cornelia Schleime (geb. 1953 in Berlin) ist Malerin, Performerin, Filmemacherin und Autorin. Sie studierte an der Kunsthochschule Dresden und bewegte sich dort in Künstlerkreisen um Strawalde und A.R. Penck, die nach künstlerischer Autonomie suchten und mit oft spektakulären Inszenierungen und Ausstellungen das staatlich kontrollierte Kunstsystem in Frage stellten, um eigene Freiräume und Zugänge zur Kunst und zum Leben zu entwickeln. Nach ihrem Studium begann Cornelia Schleime mit der Arbeit an Superacht-Filmen, darunter der Schmalfilm „Unter weißen Tüchern“, in der weibliche Figuren an Türen oder Wände gefesselt ein bedrückendes Gefühl von Gefangensein vermittelten. Sie selbst empfand ihre Situation in der DDR als so eingeengt, dass sie einen Ausreiseantrag stellte.

Als dieser im September 1984 kurzfristig genehmigt wurde, verlegte die Künstlerin ihren Lebensmittelpunkt von Ostnach West-Berlin und musste zugleich fast ihr gesamtes Frühwerk zurücklassen. Erst ein zufälliger Nachwendefund brachte ihr einen Koffer voll übermalter  Fotografien zurück, die Selbst- und Fremdbildnisse von Frauen zeigen.

Cornelia Schleimes Werk ist seitdem zu einem opulenten Oeuvre angewachsen, das von seriellen Übermalungen über phantastische Zeichnungen bis zu großformatigen Malereien reicht und sich an der Frage von Wahrnehmung und Kontextverschiebungen von Weiblichkeit reibt. Im Mittelpunkt stehen dabei Frauenbilder, deren enorme Strahlkraft und geradezu mythologische Faszination durch eine „radikale Fabulierlust“ lebt.

Für die Ausstellung im Deutschen Bundestag wählte Cornelia Schleime eine übermalte Fotografie, die die Reihe der Selbstbildnisse fortführt. Sie entstand in einer  Inszenierung auf La Palma, dem zeitweiligen Lebensmittelpunkt der Künstlerin. Alle  Selbstbildnisse, die dort entstehen, sind voll überraschender, oft surrealer Momente, die sich zunächst durch absurde Masken und prächtige Verkleidungen, dann durch die Verfremdungen der nachträglichen Übermalungen zu in sich geschlossenen Szenerien einer imaginären Welt verdichten, die eher wie Traumbilder oder Theaterszenen anmuten, denn als Aufnahmen aus dem wirklichen Leben. In diesen poetischen Räumen steckt für Cornelia Schleime „Schönheit, um nicht an der hässlichen Wahrheit durchzudrehen“.

Cornelia Schleimes Werke sind in zahlreichen öffentlichen wie privaten Sammlungen, darunter im Kupferstichkabinett der Staatlichen Kunstsammlung Dresden und im Kupferstichkabinett Berlin, in der Sammlung Berlinische Galerie und im Getty-Museum Los Angeles. Sie erhielt den Fred-Thieler-Preis und den Gabriele Münter Preis (2004), den Award of excellent painting des National Art Museum of China und den Hannah-Höch-Preis (2016). Sie lebt in Berlin, in Brandenburg und auf La Palma. (kvo)

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