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Katharina Sieverding

100 JAHRE FRAUENWAHLRECHT 1919 – 2019, Pigmentdruck auf PhotoRag, 2018

Katharina Sieverding (geb. in Prag) ist eine der renommiertesten Künstlerinnen der Welt. Schon Mitte der 1970er Jahre erregte sie als eine der wenigen Frauen im Kunstbetrieb mit einer innovativen Bildsprache und durch die Einführung neuer Bildpraxen internationales Aufsehen. Sie gilt als Pionierin und Erneuerin der zeitgenössischen fotografischen Kunst, die diese nicht nur durch oft provokant gesellschaftspolitische Bezüge, sondern auch durch deren Präsentation in Großformaten, die eher an Werbeflächen als an klassische Fotografien erinnern, aus ihren klassischen musealen Rezeptionszusammenhängen löste und zum Gegenstand öffentlicher Wahrnehmung und Diskussion machte. Trotz dieser  Positionierung im öffentlichen Raum geht es ihr dabei nicht um den Anspruch vermeintlich objektiver Wahrheiten, sondern gerade um deren Infragestellung. In vielen ihrer Werke ist deshalb die Wahrnehmung des Zeitgeschehens, die durch Selbstbildnisse und in geradezu magischen Bildräumen verdeutlicht wird, der Ausgangspunkt ihrer „visuellen künstlerischen Diagnosen“ (DHM, 2017).

Für die Auftragsarbeit aus Anlass des 100. Jahrestages des Frauenwahlrechts gestaltete Katharina Sieverding ein Bild, das auf wenige Elemente beschränkt ist: Vor schwarzem Grund füllt das Profil einer jungen Frau die Bildfläche. Auch hier handelt es sich um ein Selbstbildnis der Künstlerin, das aus der zweiten Hälfte der 1950er Jahren stammt und damit aus Zeiten, in denen Frauen in der Bundesrepublik heftig um ihre Selbstbestimmungsrechte kämpften. Ihr Blick und ihre Haltung drücken Klarheit aus, als würde sie nachdenken über die einhundert Jahre, die im unteren Bildrand durch ein schwarzrotgoldenes Textband mit der Aufschrift „1919 – 2019 100 Jahre Frauenwahlrecht“ den Bedeutungsrahmen vorgeben. Das Werk nimmt keine Bewertung vor, bietet keine Deutung an, und trotzdem entwickelt die bildliche Präsenz der Frau in ihrer ruhigen Bestimmtheit eine Vehemenz, der nachzuspüren im Betrachtenden erst jenen gedanklichen Raum eröffnet, in dem in der Konfrontation individueller Erfahrungen und gesellschaftlicher Entwicklungen die Vergegenwärtigung der Inhalte zur großen Überschrift entsteht.

Katharina Sieverding studierte zunächst an der Hochschule für Bildende Künste in Hamburg, dann an der Kunstakademie Düsseldorf bildende Kunst und Bühnenbild. Dort wechselte sie 1967 aus der Klasse von Teo Otto in die Klasse von Joseph Beuys, bei dem sie 1972 ihr Studium als Meisterschülerin abschloss. Von 1992 bis 2010 hatte sie eine Professur für Visual Culture Studies an der Universität der Künste Berlin inne, sie lehrte zudem an  internationalen Universitäten, u.a. in den USA, China, Japan, Russland, Osteuropa, Iran, den Vereinigten Arabischen Emirate und in Kuba. Zu den zahlreichen Preisen, die der Künstlerin verliehen wurden, zählen der Lovis-Corinth-Preis der Stadt Regensburg (1996), der Kaiserring der Stadt Goslar (2004) und der Käthe-Kollwitz-Preis der Berliner Akademie der Künstle (2017). Sie stellte 1965 und 1973 auf der Paris Biennale aus, auf der documenta 5, 6 und 7 in Kassel, war 1976, 1980, 1995, 1997 und 1999 an der 37., 39., 46., 47. und 48. Venedig Biennale beteiligt, 1982 auf der 4. Biennale in Sydney, 2002 auf der Shanghai Biennale und 2016 auf der 10. Busan Biennale in Südkorea. Sie wurde international in zahlreichen Einzelausstellungen geehrt. Katharina Sieverding lebt und arbeitet in Düsseldorf und Berlin. (kvo)

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