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Schäuble würdigt Kurt Bieden­kopf als „weit­sichtigen Gestalter“

Schwarz-weiß-Porträtaufnahme von Kurt Biedenkopf

Prof. Dr. Kurt Biedenkopf (1930-2021)

© picture alliance/Ralf Hirschberger/dpa-Zentralbild/dpa | Ralf Hirschberger

„Mit Kurt Biedenkopf verliert unser Land einen seiner klügsten politischen Köpfe, einen weitsichtigen Gestalter und charismatischen Christdemokraten.“ Mit diesen Worten hat Bundestagspräsident Dr. Wolfgang Schäuble am Freitag, 13. August 2021, den am Vortag im Alter von 91 Jahren verstorbenen früheren CDU-Bundestagsabgeordneten und Ministerpräsidenten des Freistaats Sachsen gewürdigt.

„Freiheit ist auch Verantwortung“

„Kurt Biedenkopf war in der deutschen Politik ein Solitär – in Wissenschaft, Wirtschaft und Politik gleichermaßen zu Hause, war er als scharfsinniger Analytiker seiner Zeit häufig weit voraus. Ich erinnere mich, wie er bereits in den 1970er-Jahren eine Reform des Rentensystems anmahnte und in den 1980er-Jahren für die ökologische Erneuerung der Marktwirtschaft eintrat“, so der Bundestagspräsident.

Biedenkopf habe die Entwicklung der CDU zur mitgliederstarken Volkspartei entscheidend mitgeprägt, „streitbar nach innen wie nach außen, aber stets mit Stil, eloquent und voller Esprit“. Sein Leitsatz habe gelautet: „Freiheit ist auch Verantwortung.“ Ihm sei er mit seinem nachdrücklichen Eintreten für bürgerliche Eigenverantwortung und das Prinzip der Subsidiarität, bei der Neuordnung der Sozialsysteme, der Umgestaltung der föderalen Finanzordnung oder als Architekt der paritätischen Mitbestimmung gefolgt.

An der Ruhr-Universität Bochum habe Biedenkopf in der bewegten Zeit der Studentenunruhen als Gründungsrektor Maßstäbe für die Modelluniversität, der ersten Nachkriegsgründung in der Bundesrepublik gesetzt – ein Engagement, an das er Jahrzehnte später an der Dresden International University angeknüpft habe.

„Verdienste um die Deutsche Einheit“

„In Erinnerung bleiben vor allem seine Verdienste um die Deutsche Einheit. Im wiedergegründeten Freistaat Sachsen erkannten die Bürger in ihm einen Landesvater eigenen Typs, dessen Beliebtheit sich in Rekordwahlergebnissen spiegelte. Während seiner 12-jährigen Regierungszeit steuerte er Sachsen durch die schwierige Phase der Transformation. Mit einer kluger Ansiedlungs- und Haushaltspolitik stellte er die Weichen für den wirtschaftlichen Aufholprozess des Landes, vor allem stärkte er das Selbstwertgefühl der Sachsen“, betonte der Bundestagspräsident.

„Kurt Biedenkopf, hochgelehrt und lebenserfahren, blieb bis zuletzt als Berater und Gesprächspartner gefragt. Dabei bewegten ihn besonders die Fragen der Umwandlung der Industrie- in eine Wissensgesellschaft und die Generationengerechtigkeit – Themen also, die über die jeweils aktuellen Krisen hinaus weit in die Zukunft weisen. So war Kurt Biedenkopf, das zeichnete ihn aus, das bleibt unvergessen“, heißt es in Schäubles Würdigung weiter.

Zwei Wahlperioden im Bundestag

Abgeordneter des Deutschen Bundestages war Kurt Biedenkopf von 1976 bis 1980 und von 1987 bis 1990. 1979/80 war er Vorsitzender des Wirtschaftsausschusses, dem er auch während seines zweiten Mandats angehörte.

Bundestagspräsident Schäuble: „Kurt Biedenkopf hat sich um die Demokratie und unser Land große Verdienste erworben. Der Deutsche Bundestag wird ihm ein ehrendes Andenken bewahren.“ (vom/13.08.2021)

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