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Bärbel Bas zu Antritts­besuch bei Knesset-Präsident Mickey Levy

Bärbel Bas und Mickey Levy stehen vor einem Leuchttische mit hunderten schwarzweißen Fotoaufnahmen und schauen bedächtig darauf.

Der israelische Parlamentspräsident Mickey Levy (rechts) besuchte mit Bundestagspräsidentin Bärbel Bas eine Ausstellung in der internationalen Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem.

© DBT/Elad Malka

Bundestagspräsidentin Bärbel Bas ist am Mittwoch, 27. April 2022, in der Knesset, dem israelischen Parlament, empfangen worden. Anlässlich des israelischen Gedenktages Yom HaShoah, der an die sechs Millionen im Holocaust ermordeten Jüdinnen und Juden erinnert, befindet sich die Bundestagspräsidentin aktuell zu einem zweitätigen Antrittsbesuch in Israel. Sie ist die erste Repräsentantin eines deutschen Verfassungsorgans, die bei den Gedenkzeremonien zum Yom HaShoah in der Knesset zu Gast sein wird. Diese Einladung sei eine große Ehre und Ausdruck des Vertrauens, so die Bundestagspräsidentin in Anwesenheit ihres Amtskollegen Mickey Levy. Der Präsident der Knesset war im Januar Gast im Deutschen Bundestag und mahnte anlässlich des internationalen Holocaustgedenktages zum 27. Januar, dass sich der Holocaust nie wiederholen dürfe. 

Bas: Empfinde Trauer und Scham

Bereits am Mittwochmorgen begrüßte der israelische Parlamentspräsident Mickey Levy die Bundestagspräsidentin in der internationalen Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem. Nach einer Führung durch die Fotografie- und Kunstausstellung der Gedenkstätte legte die Bundestagspräsidentin in der Halle der Erinnerung einen Kranz für die Opfer des Holocausts nieder. Die Namen von 22 nationalsozialistischen Konzentrations-, Vernichtungs- und Durchgangslagern sowie Exekutionsstätten auf dem Boden stehen stellvertretend für alle Orte der Vernichtung. Eine Steinplatte im Zentrum der Halle bedeckt Asche aus den Konzentrationslagern.

Tiefe Trauer und Scham empfinde sie für die Verbrechen der Nationalsozialisten, sagte die Bundestagspräsidentin: „Deutsche haben Jüdinnen und Juden das Menschsein abgesprochen“. Durch die Arbeit der Gedenkstätte werde den Opfern dieses Menschsein zurückgegeben. Laut Dani Dayan, dem Direktor von Yad Vashem, sei jedes Erinnerungsstück wertvoll. Bald werde es keine Überlebenden der Shoah mehr geben, doch wir seien es den Opfern schuldig, uns an sie zu erinnern.
Deutschland habe laut Bas durch seine historische Schuld eine besondere Verpflichtung gegenüber Israel. Die Bekämpfung des Antisemitismus gehöre zum nationalen Selbstverständnis Deutschlands und erfolge „mit allen Mitteln des Rechtsstaates“.

Yad Vashem, die internationale Holocaust Gedenkstätte, wurde 1957 eröffnet und dient der Erinnerung, Erforschung und Dokumentation des Holocausts. Erste Ideen zur Errichtung einer solchen Gedenkstätte entstanden bereits während des Zweiten Weltkriegs. Der Bau der Gedenkstätte wurde 1953 durch das Yad Vashem Gesetz veranlasst. Am Berg der Erinnerung in Jerusalem gelegen, findet sich dort die weltweit größte Sammlung von Materialien über den Holocaust. Dazu gehören neben persönlichen Besitztümern der Opfer auch Fotografien, Kunstwerke und Videos über den Holocaust. Ziel von Yad Vashem ist es, jedem Opfer der Shoah einen Namen zu geben. In der Datenbank befinden sich aktuell 4,8 Millionen Einträge.

Levy: Besondere Beziehung zwischen Israel und Deutschland

Der Besuch der Bundestagspräsidentin zum Yom HaShoah symbolisiert laut Levy die besondere Beziehung zwischen beiden Völkern. Yom HaShoah beginnt traditionell bei Sonnenuntergang und geht bis zum nächsten Abend. Bei der Eröffnungszeremonie am Mittwochabend war die Bundestagspräsidentin als einziger ausländischer Staatsgast anwesend. Während der Zeremonie, zu deren Anfang die israelische Flagge auf Halbmast gesetzt wird, gedachten unter anderem der israelische Premierminister Naftali Bennett und Staatspräsident Itzchak Herzog den sechs Millionen jüdischen Opfern des Holocausts. Symbolisch für diese Opfer entzünden traditionell sechs Holocaust-Überlebende jeweils eine Flamme. Da der Fackelträger Shmuel Blumenfeld jedoch vor etwa zwei Wochen verstorben ist, übernahm diese Aufgabe sein Sohn.

In einer zweiten Zeremonie in Yad Vashem am Donnerstagmorgen legte die Bundestagspräsidentin im Namen des Bundestages einen Kranz nieder. Zu Beginn der Zeremonie erklangen um zehn Uhr israelischer Zeit zwei Minuten lang Sirenen, die die Menschen in ganzen Land dazu auffordern, inne zu halten und den Opfern zu gedenken.

Erinnerungen an junge Generationen weitergeben

Für das Holocaust-Opfer Irma Nathan zündete die Bundestagspräsidentin noch vor der offiziellen Zeremonie am Donnerstagmorgen eine Kerze in der Knesset an. Mit Irma Nathan verbindet Bas eine besondere Verbindung. Zum Zeitpunkt ihrer Deportation lebte Nathan mit ihrer Familie in Duisburg; in derselben Straße, in der die Bundestagspräsidentin heute wohnt. 2005 war sie bei der Stolpersteinverlegung von Nathan und ihren drei Familienangehörigen dabei.

„Es gibt keine Enkel, keine Urenkelinnen, die auf Irmas Schoß gesessen haben. Sie konnten sich keine Familiengeschichten erzählen, denn eine Familie wurde ausgelöscht“, sagte Bas. Für Schicksale wie Irmas trage das deutsche Volk die Verantwortung. Aus dieser historischen Schuld erwachse die Verantwortung Deutschlands, die Erinnerungen an die Opfer des Holocausts wachzuhalten und an zukünftige Generationen weiterzugeben. (des/28.04.2022)

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