Deutscher Ethikrat übergibt Jahresbericht 2024 an Julia Klöckner

Professor Helmut Frister übergibt den Jahresbericht 2024 des Deutschen Ethikrates an Bundestagspräsidentin Julia Klöckner. (© DBT/Tilo Strauss/photothek)
Bundestagspräsidentin Julia Klöckner hat am Mittwoch, 4. Juni 2026, den Jahresbericht 2024 des Deutschen Ethikrates entgegengenommen. Der Vorsitzende des 26-köpfigen Gremiums, der Rechtswissenschaftler Prof. Dr. Helmut Frister (Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf) übergab den 57 Seiten umfassenden Bericht im Reichstagsgebäude. Frister unterstrich die Bedeutung des parlamentarischen Austauschs für den Ethikrat und nannte als Beispiele Parlamentarische Abende und Webinare als Online-Veranstaltungen für Abgeordnete.
Klimagerechtigkeit und Normalität als Prozess
Wie aus dem Jahresbericht hervorgeht, hat der Ethikrat 2024 eine Stellungnahme zum Thema „Klimagerechtigkeit“ und ein Impulspapier zum Thema „Normalität als Prozess“ veröffentlicht. In der Stellungnahme behandelt er zentrale Fragen der Gerechtigkeit und Verantwortung im Kampf gegen den Klimawandel und formuliert 13 Empfehlungen, wie die Klimawende gerecht gestaltet werden kann. „Die Rezeption war – ungeachtet der Dringlichkeit und Aktualität der Fragen, die dabei angesprochen wurden – gemischt: Sie schwankte zwischen euphorischer Zustimmung und Ablehnung“, heißt es dazu im Jahresbericht.
Im Impulspapier untersucht der Ethikrat, wie Vorstellungen dazu, was normal ist, in vielen gesellschaftlichen Bereichen normative Wirkung entfalten. Er will nach eigener Darstellung „die Veränderlichkeit, Kontextabhängigkeit und Mehrdeutigkeit von Normalitätsvorstellungen stärker ins Bewusstsein rücken“.
Information der Öffentlichkeit und Diskussionsförderung
Die Aufgaben des Deutschen Ethikrates sind im Ethikratgesetz von 2007 festgelegt. Danach verfolgt er die ethischen, gesellschaftlichen, naturwissenschaftlichen, medizinischen und rechtlichen Fragen sowie die voraussichtlichen Folgen für Individuum und Gesellschaft, die sich im Zusammenhang mit der Forschung und den Entwicklungen vor allem auf dem Gebiet der Lebenswissenschaften und ihrer Anwendung auf den Menschen ergeben.
Zu seinen Aufgaben gehören in erster Linie die Information der Öffentlichkeit und die Förderung der Diskussion in der Gesellschaft unter Einbeziehung der verschiedenen gesellschaftlichen Gruppen. Zudem erarbeitet er Stellungnahmen und gibt Empfehlungen für politisches und gesetzgeberisches Handeln ab. Darüber hinaus arbeitet er mit nationalen Ethikräten und vergleichbaren Einrichtungen anderer Staaten und internationaler Organisationen zusammen.
Bundestagspräsidentin beruft die Mitglieder
Seine 26 Mitglieder stehen für die naturwissenschaftlichen, medizinischen, theologischen, philosophischen, ethischen, sozialen, ökonomischen und rechtlichen Anliegen. Zu ihnen zählen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus den jeweiligen Wissenschaftsgebieten sowie anerkannte Personen, die besonders mit ethischen Fragen der Lebenswissenschaften vertraut sind. Sie werden von der Bundestagspräsidentin für vier Jahre berufen, je zur Hälfte auf Vorschlag des Deutschen Bundestages und der Bundesregierung. Eine Wiederberufung ist einmal möglich.
Ende April 2024 hatte die Amtsperiode von 20 Ratsmitgliedern, darunter der Vorsitzenden Prof. Dr. Alena Buyx, geendet. Verzögerungen bei der Benennung der Ratsmitglieder seitens des Bundestages und der Bundesregierung führten laut Jahresbericht dazu, dass die Ratsmitglieder erst im Oktober von der damaligen Bundestagspräsidentin Bärbel Bas berufen werden konnten. In der ersten Sitzung der neuen Amtsperiode am 14./15. November 2024 in Berlin wurde Professor Frister zum Vorsitzenden gewählt. Bärbel Bas würdigte in dieser Sitzung die bisherige Arbeit des Rates und bestärkte ihn, in Zeiten von Polarisierung und Wissenschaftsskepsis wichtige ethische Debatten in den Mittelpunkt zu stellen. (vom/04.06.2025)