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Anas aus Kuwait: Brü­cken­bauer der de­mo­kra­ti­schen Kommunika­ti­on

Dr. Anas Altourah vor dem Reichstagsgebäude

Anas Altourah vor dem Reichstagsgebäude in Berlin

© DBT/Melde

Dr. Anas Altourah kommt aus Kuwait. Der 34-jährige promovierte Rechtswissenschaftler arbeitet als Dozent an der Kuwait University. Sein Kurzpraktikum in der letzten Septemberwoche absolviert er im Abgeordnetenbüro von Thomas Oppermann (SPD).

Welche Beziehung haben Sie zu Deutschland? Warum haben Sie die deutsche Sprache gelernt?

Mit meiner Familie besuchte ich Deutschland schon in den 1990er-Jahren aus touristischen Gründen. Die Beziehung vertiefte sich nach und nach und Deutschland wurde meine zweite Heimat. Erst recht, nachdem ich fünf Jahre in Deutschland verbracht hatte: ein Jahr um Deutsch zu lernen, ein Jahr für meinen Master-Abschluss und drei Jahre für die Doktorarbeit im juristischen Bereich. Deutsch habe ich gelernt, weil es die Voraussetzung für Studium und Promotion in Deutschland war. Nachdem ich mein Studium in Kuwait abgeschlossen hatte, habe ich etwa ein Jahr in einer Rechtsanwaltskanzlei gearbeitet und mich dann um ein Stipendium der juristischen Fakultät der Universität Kuwait beworben. Es ging darum, Master und Promotion in Deutschland zu absolvieren. Es war das erste Mal in der Geschichte Kuwaits, vielleicht auch in der Geschichte des Golf Cooperation Council (GCC), dass ein postgraduiertr Stipendiat nach Deutschland für Studien der Rechtswissenschaften entsandt wurde.

Inwiefern engagieren Sie sich in Ihrer Heimat sozial oder zivilgesellschaftlich?

Kuwait zählt zu den bekanntesten Staaten in der arabischen Welt im Bereich der Freiheiten. Kuwait hat sich für die Welt mit ihren internationalen Organisationen sowie den Prinzipien der Menschlichkeit geöffnet. Die Zivilgesellschaft in Kuwait ist sehr aktiv und hat eine lange Tradition, die auf die Anfänge des letzten Jahrhunderts – auch vor der Unabhängigkeit Kuwaits – zurückgeht. Kuwait bemüht sich, die Zivilgesellschaft zu befähigen und ihr alle Garantien nach der kuwaitischen Verfassung zu gewähren. Wir beobachten in Kuwait die Aktivitäten der Stiftungen, die sich für öffentliche Rechte einsetzen, und auch die Stiftungen, die karitative Tätigkeiten vornehmen. Ebenfalls aktiv sind die Studentenverbände in den Universitäten. Dies alles erfolgt im Rahmen der freiheitlichen und demokratischen Atmosphäre in Kuwait, die sehr selten in der arabischen Welt zu sehen ist. Erwähnenswert finde ich auch, dass die Arbeit der Zivilgesellschaft in Kuwait nicht nur auf Männer beschränkt ist. Vielmehr beteiligen sich die Frauen an den Wahlen und sind in vielen Kooperativen und Verbänden stark vertreten.

Warum haben Sie sich für das IPS-Programm beworben?

Ich verfolge mit der Teilnahme an dem Programm mehrere Ziele: Ich möchte mir ein Bild über die deutsche demokratische Erfahrung und deren Mechanismus machen. Ich möchte Brücken der demokratischen Kommunikation zwischen Deutschland und Kuwait bauen. Die Beziehungen Kuwaits zu Deutschland sind historisch und traditionell. Ich hoffe auch, dass das Verhältnis zwischen dem Parlament Kuwaits und dem Bundestag stärker wird, zumal Kuwait eines der erfolgreichsten Beispiele in der Region ist – auf politischer, wirtschaftlicher und sozialer Ebene. Schließlich habe ich ein drittes Ziel, nämlich Beziehungen mit deutschen Parlamentariern aufzubauen, um von ihren Erfahrungen zu profitieren und ihre Schlüssel zum Erfolg in Erfahrung zu bringen, die Deutschland zu einem der prominentesten Länder der Welt in Sachen Demokratie werden ließen.

Was hat Sie hier im Deutschen Bundestag bislang am meisten überrascht oder beeindruckt?

Mir ist sowohl die hervorragende Organisation als auch die sorgfältige Koordination der Administration im Parlament positiv aufgefallen. Kurz gesagt: die Disziplin und Sorgfalt. Diesem Motto folge ich auch in meinem Leben, um Erfolg zu haben. Ebenfalls gefällt mir im Bundestag, dass man sich um die Tradition der parlamentarischen Arbeit kümmert.

Welche Vorstellungen haben Sie von Ihrer beruflichen Zukunft?

Seit 20 Jahren habe ich ein klares Ziel: Ich möchte Minister werden. Ich bin völlig überzeugt, dass Führungspositionen von Personen mit Qualifikation und Fachwissen übernommen werden sollten. In solch einer Position kann man seiner Heimat gut dienen, zumal Kuwait uns, vor allem den Jugendlichen, viel gegeben hat. Dafür habe ich klare Schritte gemacht. Ich habe meine Promotion beendet, als ich erst 26 Jahre alt war. Dann habe ich meinen Dienst an der juristischen Fakultät der kuwaitischen Universität als Dozent angetreten. 2014 habe ich die Rechtsabteilung der Kuwaitischen Industrie- und Handelskammer übernommen. Seit 2017 bin ich der Rechtsberater des Ministers für Handel und Industrie. Mir wurden in der letzten Zeit viele Positionen angeboten, einschließlich des Postens des Staatssekretärs in einer der Regierungsbehörden. Ich möchte aber abwarten und langsam mein Ziel verwirklichen. Eine „Eile ohne Wissen“ würde dazu führen, dass die Ziele des Amts nicht in der richtigen Weise erreicht würden. Ich hoffe, dass ich in naher Zukunft einer der jungen patriotischen Minister sein werde und meinem Land die positive Seite meiner Erfahrungen durch meine Teilnahme an dem IPS-Programm übertragen kann.

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