Gedenktafel für Hartmut Tautz in Kittsee (Österreich) eingeweiht
Nur 22 Meter von der Freiheit entfernt starb Hartmut Tautz am 8. August 1986 – gehetzt von Grenzhunden, kurz vor dem rettenden Grenzübertritt von der damaligen Tschechoslowakei nach Österreich. Er wurde nur 18 Jahre alt. 40 Jahre später wurde nun an der österreichisch-slowakischen Grenze zwischen Kittsee und Bratislava-Petržalka eine Gedenktafel für ihn eingeweiht. Die SED-Opferbeauftragte des Deutschen Bundestages, Evelyn Zupke, würdigte in ihrer Rede(Interner Link) sowohl das Schicksal des jungen Mannes als auch das Engagement, das die Tafel möglich gemacht hat.
Hartmut Tautz träumte davon, Musik zu studieren und Klarinette zu spielen. Die DDR verwehrte ihm diesen Traum: Trotz mündlicher Zusage wurde er nicht ins Armeemusikkorps der Nationalen Volksarmee aufgenommen – vermutlich, weil er Westkontakte angegeben hatte. Allein und ohne jemanden einzuweihen, machte er sich daraufhin auf den Weg an die tschechoslowakisch-österreichische Grenze.
Evelyn Zupke erinnerte in ihrer Rede daran, warum solche persönlichen Schicksale für die Erinnerungskultur so wichtig sind: Sie verhindern, dass die kommunistische Diktatur zur abstrakten Historie aus Jahreszahlen und Statistiken wird, sondern geben ihr ein persönliches Gesicht. Gerade jüngere Menschen ohne eigene Erinnerung an die Gewaltherrschaft könnten durch solche Geschichten berührt werden.
Ein Gemeinschaftswerk vieler Engagierter
Initiiert wurde die Gedenktafel von Wolfgang Bachkönig und Alexander Heise, die das Projekt gemeinsam mit Bürgermeister Johannes Hornek und der Gemeinde Kittsee umsetzten. Zur Einweihung eingeladen hatte die Union der Opferverbände kommunistischer Gewaltherrschaft unter ihrem Bundesvorsitzenden Dieter Dombrowski. Unterstützt wurde das Projekt zudem von der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur, vertreten durch Dr. Christine Schoenmakers. Auch die Erbengemeinschaft Heimpel sowie zahlreiche private Spenderinnen und Spender trugen zur Finanzierung bei. An der Einweihung nahmen zudem Jan Kosiar von der Internationalen Assoziation ehemaliger politischer Gefangener und Opfer des Kommunismus sowie Vertreterinnen und Vertreter der Deutschen Botschaft in Wien teil.
Die SED-Opferbeauftragte dankte allen Beteiligten für ihren Einsatz und sprach die Hoffnung aus, dass die Gedenktafel für Hartmut Tautz Schule macht: Es brauche noch viel mehr Orte, an denen an Menschen erinnert wird, die durch die kommunistische Gewaltherrschaft unterdrückt oder ermordet wurden.