Einweisungsgrund: Herumtreiberei - Ausstellung zu „Tripperburgen“ in Berlin-Pankow
Die SED-Opferbeauftragte eröffnete am 6. November 2025 die Wanderausstellung „Einweisungsgrund: Herumtreiberei. Disziplinierung in Venerologischen Stationen und Spezialheimen der DDR“ im Museum Berlin-Pankow mit einer Rede. Die von der Gedenkstätte Geschlossener Jugendwerkhof Torgau und dem Verein Riebeckstraße 63 e. V. konzipierte Wanderausstellung zielt darauf ab, diesen wenig bekannten Teil des SED-Unrechts zu dokumentieren und in die Öffentlichkeit zu tragen.

Museumsleiter Bernd Roder überreichte Martina Blankenfeld als Ausdruck der Dankbarkeit für ihr Engagement Blumen. (© Team Zupke)
Im Rahmen der Eröffnungsveranstaltung ehrte Museumsleiter Bernd Roder insbesondere die Zeitzeugin Martina Blankenfeld, auf deren Initiative eine Gedenktafel auf dem Gelände der ehemaligen venerolgischen Station Berlin-Buch errichtet wird, die auf dieses dunkle Kapitel der Geschichte aufmerksam machen soll.
Die SED-Opferbeauftragte hob in ihrem Grußwort den Mut der Frauen hervor, die über dieses für sie oft schambehaftete Thema sprechen: „In der DDR mussten wir schweigen. Und viele von uns schweigen bis heute.“, zitierte die Bundesbeauftragte Worte einer Betroffenen. „Wenn es uns gelingt, wie mit dieser Ausstellung und den Erinnerungszeichen, das Schweigen zu brechen, dann ist dies ein Schritt hin zu mehr Gerechtigkeit für die Opfer und ein Gewinn für unsere demokratische Gesellschaft.“, schloss Evelyn Zupke ihre Rede ab.
Die Bezirksbürgermeisterin und Vorsitzende der Gedenktafelkommission Dr. Cordelia Koch und Hannes Schneider von der Gedenkstätte Geschlossener Jugendwerkhof Torgau unterstrichen in ihren Wortbeiträgen die Bedeutung der Zeitzeuginnen für die Aufarbeitung.

Die Bundesbeauftragte für die Opfer der SED-Diktatur war sehr bewegt von der Ausstellung. (© Team Zupke)
Die Ausstellung dokumentiert die staatlichen Repressionen gegen Frauen und Mädchen ab dem 12. Lebensjahr, die in Spezialheimen der DDR und in sogenannte venerologische Stationen, im Volksmund als „Tripperburgen“ bekannt, zwangseingewiesen wurden, um dort zu sozialistischen Persönlichkeiten umerzogen zu werden. Sie waren (sexualisierter) Gewalt ausgesetzt und wurden stigmatisiert. Die Ausstellung besucht ebendiese Orte und wächst mit ihren Stationen: So steht im Museum Berlin-Pankow die venerologische Station Berlin-Buch im Mittelpunkt.
Die Plastik „VERDECKT“ von der Künstlerin Liane Pförtner und ein Mitschnitt der szenischen Lesung „erinnert – hautnah – erzählt“ von Martina Blankenfeld, ergänzen die Ausstellung multimedial.
Die Ausstellung ist bis zum 21.12.2025 im Museum Pankow zu sehen und wird von verschiedenen kostenlosen Veranstaltungen begleitet (Beratung, Ortsbegehung, Erzählcafé für Betroffene).