06.11.2025 | Parlament

Einweisungsgrund: Herumtreiberei - Ausstellung zu „Tripperburgen“ in Berlin-Pankow

Das Foto zeigt zwei Frauen, die vor einem mit Bildern und Fotos bedruckten Roll-Up stehen und die Kamera lächeln. Im Hintergrund steht eine Mann vor einer Skulptur und blickt in Richtung der Kamera.
Das Foto zeigt zwei Frauen, die in einem großen Saal nebeneinander stehen und die Kamera lächeln. Hinter ihnen sind - noch leere - Stuhlreihen aufgebaut. Draußen ist es dunkel (es ist Abend). Drei Menschen stehen weiter hinten im Saal.
Das Foto zeigt große Roll-Ups, die bebildert und beschriftet sind und in einem Raum stehen. Auf einem vorderen der Roll-Ups ist ein großes Foto draufgedruckt von einer Bahnhofshalle. Das Bild trägt die Überschrift Einweisungrund: Herumtreiberei. Disziplinierung in Venerologischen Stationen und Spezialheimen der DDR“. Davor stehen ein Mann und eine Frau, die sich das Roll-Up anschauen. Sie sind von hinten abgebildet. Vor ihnen steht ein Mann, schaut zum Roll-Up und spricht. Im Hintergrund stehen viele Leute und schauen sich die Roll-Ups an.
Das Foto zeigt eine Frau, die Ca. 25 Jahre alt ist. Sie steht in einem Raum neben einer Skulptur. Die Skulptur scheint aus Gips zu sein. Die Skulpur ist ca. 1,85 m hoch und 1,20 m breit. Es sieht aus, wie ein Vorhang, der zusammengezogen, also gerafft ist. Im Vorhang zeichnet sich der Torso einer menschlichen Figur ab. Es erweckt den Eindruck, als wenn ein Mensch hinter dem Vorhang steht. Das Geschlecht ist nicht erkennbar. Dafür zeichnet sich das Gesicht sehr gut ab: Der Mund ist weit geöffnet, als wenn die Figur etwas schreien oder laut sagen will. Daneben steht ein mit Bilder und Text bedrucktes Roll-Up.

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Die Zeitzeugin Martina Blankenfeld berichtete der SED-Opferbeauftragten von ihrem Schicksal. Im Hintergrund: Hannes Schneider von der Gedenkstätte Geschlossener Jugendwerkhof Torgau. (© Team Zupke)

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Die SED-Opferbeauftragte und die Bezirksbürgermeisterin und Vorsitzende der Gedenktafelkommission Dr. Cordelia Koch. (© Team Zupke)

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Hannes Schneider von der Gedenkstätte Geschlossener Jugendwerkhof Torgau führte die Gäste durch die Ausstellung. (© Team Zupke)

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Die Künstlerin Liane Pförtner stellte den Gästen ihre Plastik „VERDECKT“ vor. Damit verarbeite sie auch ihre eigene Familiengeschichte, die von Repressionen durch das SED-Regime geprägt sei, erklärte Pförtner. (© Team Zupke)

Die SED-Opferbeauftragte eröffnete am 6. November 2025 die Wanderausstellung „Einweisungsgrund: Herumtreiberei. Disziplinierung in Venerologischen Stationen und Spezialheimen der DDR“ im Museum Berlin-Pankow mit einer Rede. Die von der Gedenkstätte Geschlossener Jugendwerkhof Torgau und dem Verein Riebeckstraße 63 e. V. konzipierte Wanderausstellung zielt darauf ab, diesen wenig bekannten Teil des SED-Unrechts zu dokumentieren und in die Öffentlichkeit zu tragen. 

Das Foto zeigt einen Mann und eine Frau, die in einem Saal stehen. Vor ihnen sitzen Menschen (Publikum). Sie sind dem Publikum zugewandt Die Frau hält Blumen in der Hand (Gerberer) und spricht.

Museumsleiter Bernd Roder überreichte Martina Blankenfeld als Ausdruck der Dankbarkeit für ihr Engagement Blumen. (© Team Zupke)

Im Rahmen der Eröffnungsveranstaltung ehrte Museumsleiter Bernd Roder insbesondere die Zeitzeugin Martina Blankenfeld, auf deren Initiative eine Gedenktafel auf dem Gelände der ehemaligen venerolgischen Station Berlin-Buch errichtet wird, die auf dieses dunkle Kapitel der Geschichte aufmerksam machen soll. 

Die SED-Opferbeauftragte hob in ihrem Grußwort den Mut der Frauen hervor, die über dieses für sie oft schambehaftete Thema sprechen: „In der DDR mussten wir schweigen. Und viele von uns schweigen bis heute.“, zitierte die Bundesbeauftragte Worte einer Betroffenen. „Wenn es uns gelingt, wie mit dieser Ausstellung und den Erinnerungszeichen, das Schweigen zu brechen, dann ist dies ein Schritt hin zu mehr Gerechtigkeit für die Opfer und ein Gewinn für unsere demokratische Gesellschaft.“, schloss Evelyn Zupke ihre Rede ab.

Die Bezirksbürgermeisterin und Vorsitzende der Gedenktafelkommission Dr. Cordelia Koch und Hannes Schneider von der Gedenkstätte Geschlossener Jugendwerkhof Torgau unterstrichen in ihren Wortbeiträgen die Bedeutung der Zeitzeuginnen für die Aufarbeitung.

Das Foto zeigt eine Frau, die in einem Raum vor einem mit Bildern und Text bedruckten Roll-Up steht und sich dieses anschaut.

Die Bundesbeauftragte für die Opfer der SED-Diktatur war sehr bewegt von der Ausstellung. (© Team Zupke)

Die Ausstellung dokumentiert die staatlichen Repressionen gegen Frauen und Mädchen ab dem 12. Lebensjahr, die in Spezialheimen der DDR und in sogenannte venerologische Stationen, im Volksmund als „Tripperburgen“ bekannt, zwangseingewiesen wurden, um dort zu sozialistischen Persönlichkeiten umerzogen zu werden. Sie waren (sexualisierter) Gewalt ausgesetzt und wurden stigmatisiert. Die Ausstellung besucht ebendiese Orte und wächst mit ihren Stationen: So steht im Museum Berlin-Pankow die venerologische Station Berlin-Buch im Mittelpunkt. 

Die Plastik „VERDECKT“ von der Künstlerin Liane Pförtner und ein Mitschnitt der szenischen Lesung „erinnert – hautnah – erzählt“ von Martina Blankenfeld, ergänzen die Ausstellung multimedial.

Die Ausstellung ist bis zum 21.12.2025 im Museum Pankow zu sehen und wird von verschiedenen kostenlosen Veranstaltungen begleitet (Beratung, Ortsbegehung, Erzählcafé für Betroffene).