Neue Räume der Robert-Havemann-Gesellschaft – Archiv der DDR-Opposition in der Mitte Berlins

Evelyn Zupke während ihrer Rede. (© Team Zupke)
Vom Hinterhof im Prenzlauer Berg in den 90er Jahren über die ehemalige Stasi-Zentrale direkt in die Mitte Berlins: Die Robert-Havemann-Gesellschaft hat neue Räumlichkeiten in der Klosterstraße bezogen.
Hier lagern 1.600 laufende Meter Schriftgut des Widerstands gegen die SED-Diktatur: Flugblätter, Aufrufe, Briefe, Eingaben, Transparente und Fotos von Friedens- und Umweltgruppen, Bürgerinitiativen und kirchlichen Oppositionsbewegungen. Es sind Unterlagen, die bis 1989 vor dem Staat versteckt werden mussten und unter der Hand verteilt wurden – und die nun frei zugänglich den Mut der DDR-Opposition bezeugen.

Fotos, Transparente, Zeitschriften: Die Robert-Havemann-Gesellschaft ist das Archiv der DDR-Opposition. (© Team Zupke)
In ihrer Rede zur Eröffnung der neuen Räume betonte Evelyn Zupke: „Es ist wichtig, dass sich der Staat einsetzt für den Erhalt der Stasi-Akten. Das aber, was die Robert-Havemann-Gesellschaft sammelt, all die Flugblätter, die Samsidate, die Vor- und Nachlässe, sind ebenso wichtig, um die Diktatur und den Widerstand zu verstehen.“
Über 100 Weggefährtinnen und Weggefährten wie Unterstützende waren zur Einweihung gekommen. Schülerinnen und Schüler des Robert-Havemann-Gymnasiums in Berlin-Karow gratulierten per Videobotschaft. Musiker aus Belarus, die in Berlin im Exil leben, begleiteten den Abend.
Evelyn Zupke betonte, wie eng verbunden sie der Robert-Havemann-Gesellschaft ist: „Dieses Archiv, es hat seine Ursprünge direkt in der Friedlichen Revolution. Und das macht es bis heute zu etwas Besonderem!“ Zupke selbst war im Weißenseer Friedenskreis aktiv, der mit der Umweltbibliothek in der Zionskirchgemeinde Berlin zusammenarbeitete.

Evelyn Zupke im Gespräch mit Cerstin Richter-Kotowksi, Berliner Staatssekretärin für Kultur, und Rebecca Hernandez Garcia, Geschäftsführerin der Robert-Havemann-Gesellschaft. (© Team Zupke)
Die SED-Opferbeauftragte dankte den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Robert-Havemann-Gesellschaft besonders für ihre Bildungsarbeit: „Immer wieder erlebe ich in den letzten Jahren, dass es gerade “versöhnliche„ Töne gegenüber der DDR sind, die öffentlich so große Wahrnehmung und ja, teils auch Zustimmung finden. Töne, bei denen der Diktaturcharakter der DDR in den Hintergrund tritt. Es sind die Akten der Robert-Havemann-Gesellschaft, die uns dabei helfen, die Dinge in unserer Gesellschaft klarzustellen.“
Die Robert-Havemann-Gesellschaft ist damit auch ein Archiv gegen die Verklärung der DDR. Ihre Arbeit wird umso wichtiger, je mehr die Erinnerung an Diktatur und Unterdrückung verblasst.