12.06.2024 Gesundheit — Ausschuss — hib 409/2024

Viele Krebsneuerkrankungen jedes Jahr in Deutschland

Berlin: (hib/PK) Der Gesundheitsausschuss hat sich in einem Fachgespräch mit Krebserkrankungen und der Krebsprävention befasst. Die Gesundheitsexperten machten dabei am Mittwoch deutlich, dass eine gezielte Prävention das wichtigste Mittel im Kampf gegen Krebs ist.

Michael Baumann vom Deutschen Krebsforschungszentrum (dkfz) erläuterte den Abgeordneten die Dimension des Problems. So würden jährlich rund 500.000 Neuerkrankungen in Deutschland registriert, mehr als 200.000 Menschen stürben hierzulande jedes Jahr an Krebs. Zu erwarten seien weiter steigende Zahlen. Jedoch könne durch eine verbesserte Prävention ein nachhaltiger Rückgang der Neuerkrankungen erreicht werden.

Laut Baumann sind 40 Prozent der Erkrankungen auf vermeidbare Risikofaktoren wie Rauchen, ungünstige Ernährung oder Übergewicht zurückzuführen. 60 Prozent aller Krebstodesfälle könnten verhindert werden durch eine Verbesserung der Primärprävention und eine geeignete Früherkennung.

Nach Ansicht von Johannes Bruns von der Deutschen Krebsgesellschaft wird Prävention unzureichend umgesetzt. Es gebe viele Programme, aber noch keinen Durchbruch. Es sei nicht einfach, gesunde Menschen zu einer Verhaltensänderung zu bewegen. Als Beispiel nannte er Infektionen mit Humanen Papillomviren (HPV), die durch Sexualkontakte übertragen werden und Krebs auslösen können. Gegen HPV gibt es eine Schutzimpfung. Der Versuch, Schüler in Schulen zu dem Thema anzusprechen, habe sich als schwierig erwiesen.

Auch Monika Lelgemann vom Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) forderte eine Offensive im Kampf gegen HPV und Krebs. Es sollte alles getan werden, um die Impfrate bei Jungen und Mädchen zu erhöhen. Derzeit seien rund 50 Prozent der Mädchen und rund 25 Prozent der Jungen geimpft. Daten aus Großbritannien zeigten, dass Zervixkarzinome mit einer HPV-Impfung um bis zu 90 Prozent reduziert werden könnten. Es sei sinnvoll, die Prävention in die Schulen zu tragen und Aufklärungskampagnen zu starten.

Michael Hallek vom Universitätsklinikum Köln sieht in der Prävention die mächtigste Waffe gegen Krebs. Dazu müssten geeignete Kommunikationsstrategien entwickelt werden, um letztlich Lebensstiländerungen auch bei jungen Leuten zu erreichen. Nötig sei eine aufsuchende Prävention und eine gezielte Ansprache der Hausärzte und in Schulen. Als Beispiel für eine wichtige Prävention nannte er die Darmspiegelung, um Darmkrebs zu verhindern. Denkbar seien auch Modellprojekte in Regionen, um Bürger für eine Prävention besser zu erreichen.

Ute Seeland von der Universität Magdeburg forderte eine geschlechtersensible Medizin, die bessere Erfolge verspreche. Sie verwies auf die hormonellen Unterschiede der Geschlechter und den Einfluss auf das Immunsystem. Derzeit sei die Medizin in dem Punkt zu undifferenziert, auch weil die Datenlage unzureichend sei. Nötig seien mehr spezifische Daten, die regional erhoben werden sollten.

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