14.01.2026 Kultur und Medien — Ausschuss — hib 34/2026

Berlinale-Intendantin Tuttle zieht positive Bilanz

Berlin: (hib/DOCK) Die Schauspieler Juliette Binoche, Isabelle Huppert, Amanda Seyfried, Birgit Minichmayr, Ethan Hawke, Russell Crowe und Steve Buscemi werden im Februar wieder Tausende Fans an den Roten Teppich der diesjährigen Internationalen Filmfestspiele in Berlin locken. Die Berlinale-Intendantin Tricia Tuttle, im zweiten Jahr in der Verantwortung für das wichtigste deutsche Filmfestival, informierte die Abgeordneten des Kulturausschusses am Mittwoch über das Programm und die Gäste der Gala-Premieren. So werden die malaysische Schauspielerin Michelle Yeoh, gerade mit dem Film „Wicked 2“ im Kino zu sehen, und der deutsche Komponist Max Richter, der unter anderem die Musik für „Waltz with Bashir“ und aktuell „Hamnet“ schrieb, mit der Berlinale Kamera geehrt.

218 Filme, unter ihnen 55 deutsche Produktionen und Koproduktionen mit deutscher Beteiligung, werden vom 12. bis 22. Februar auf der Berlinale gezeigt. Das Wettbewerbsprogramm wird am 20. Januar bekanntgegeben. Die inhaltliche Verunsicherung in Hollywood sei eine Chance für das europäische Kino, das diese Lücke auch beherzt nutzen sollte, betonte Tricia Tuttle vor dem Ausschuss. Unter den ausgewählten Filmen sei für jeden Geschmack etwas dabei, Diversität werde großgeschrieben. Stolz verwies Tuttle auf 40 Jahre Teddy Award, den Preis für den besten LGBTQ-Film des Panorama-Programms. Es werde keinerlei Form von Diskriminierung auf dem Festival geduldet, stellte Tuttle auf mehrere Nachfragen der Abgeordneten klar. Das Festival solle ein sicherer Ort für den Dialog und den Austausch von Meinungen im Rahmen der deutschen Gesetze sein. Zudem wolle das Festival an die positiven Erfahrungen mit dem Open-Space-Forum des vergangenen Jahres anknüpfen, in dessen Rahmen unterschiedliche Positionen aufeinanderprallen könnten.

Die Britin zog insgesamt eine positive Bilanz ihres ersten Festivaljahrgangs, in dem Berlin erneut das Festival mit dem größten Zuschauerzuspruch weltweit gewesen sei. Um die jüngere Generation an das Event heranzuführen, hatte das Festival 2025 seine Präsenz auf TikTok verstärkt. Dort wurden mehr als eine Millionen Klicks generiert. Außerdem wurde ein Kontingent mit verbilligten Tickets für die jüngsten Zuschauer für das Generationen-Programm eingeführt. Dieses Angebot wird mit einem speziellen Badge für die Altersgruppe zwischen 16 und 25 Jahren ausgebaut, das preiswerteren Zugang zu vielen Vorstellungen ermöglicht.

Der Bundeszuschuss zur Finanzierung der Berlinale ist in diesem Jahr gesunken. 2025 hatte die damalige Kulturstaatsministerin Claudia Roth (Bündnis 90/Die Grünen) das Budget von 10,9 Millionen Euro auf 12,9 Millionen Euro erhöht. Unter ihrem Nachfolger Wolfram Weimer soll es bei 11,9 Millionen Euro liegen. Die Finanzierungslücke sollen Sponsoren füllen. Die Einnahmen aus diesem Bereich sind 2025 um 27 Prozent gestiegen. 60 Prozent ihres Gesamtbudgets erwirtschaftet die Berlinale selbst. Einen wesentlichen Beitrag leistet der europäische Filmmarkt als zweitgrößter Handelsplatz weltweit. Größter Posten bei den Ausgaben seien die Personalkosten, da Berlin die gesetzlichen und tariflichen Standards einhalte, führte Tuttle aus.

Mit Sorgen blicken die Abgeordneten des Ausschusses auf die räumliche Situation am Potsdamer Platz. Die Kinemathek wird am 22. Januar am neuen Standort im E-Werk ihre Pforten öffnen, dort werden die Filme der Retrospektive laufen. Das Kino Arsenal bleibt für das Publikum geschlossen. Das Forum-Programm weicht in altbewährte Spielstätten wie das Cinema Paris aus, weil sein neues Quartier im Silent Green noch nicht fertig ist. Der Bau eines Filmhauses ist dagegen in weite Ferne gerückt. Beim BKM wird seit fünf Jahren der Raumbedarf ermittelt. Um dieses Dilemma aufzulösen, zeigt sich Kulturstaatsminister Wolfram Weimer offen für Alternativen zum Potsdamer Platz. Innerhalb der anstehenden Verhandlungen über den Hauptstadtfinanzierungsvertrag könne über andere Orte nachgedacht werden. Das Bekenntnis des Bundes zur Berlinale sei ungebrochen, betonte Weimer.