28.01.2026 Sport und Ehrenamt — Ausschuss — hib 72/2026

Union, SPD, Grüne und AfD für deutsche Olympiabewerbung

Berlin: (hib/HAU) Der Sportausschuss steht mit breiter Mehrheit hinter einer deutschen Bewerbung für Olympische und Paralympische Sommerspiele. In der Sitzung am Mittwoch fand ein gemeinsamer Antrag der Koalitionsfraktionen von CDU/CSU und SPD sowie der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen mit dem Titel „Olympische und Paralympische Sommerspiele - Volle Unterstützung einer deutschen Bewerbung“ (21/3029) die Zustimmung der drei antragstellenden Fraktionen wie auch die der AfD-Fraktion. Lediglich die Fraktion Die Linke votierte bei der Abstimmung über die Vorlage mit Nein.

Die Zustimmung zu dem Antrag sei ein klares Signal, das neben der Bundesregierung auch der Bundestag mit deutlicher Mehrheit hinter der Bewerbung stehe, sagte Stephan Mayer (CSU) bei der der Abstimmung vorausgegangenen Aussprache. Olympische und Paralympische Sommerspiele in Deutschland könnten zu einem Zusammenrücken der Gesellschaft führen, zeigte er sich überzeugt.

Bettina Lugk (SPD) hob hervor, dass dem Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) für seine Entscheidung am 26. September 2026, mit welchem Kandidat Deutschland in das Rennen um die Ausrichtung der Spiele 2036, 2040 oder 2044 geht, Bewerbungen aus vier Himmelsrichtungen vorlägen. Es spräche für die Sporteuphorie im Lande, „das man sich bundesweit auf den Weg macht“, befand Lugk. Beworben haben sich Berlin, Hamburg, München und die Rhein-Ruhr Region.

Aus Sicht von Tina Winklmann (Bündnis 90/Die Grünen) ist die Zeit für eine erneute deutsche Olympiabewerbung „mehr als reif“. Der Sport bringe die Menschen zusammen - und in diesem Fall auch die Fraktionen des Bundestages, so Winklmann mit Blick auf den auch von ihrer Fraktion mitgetragenen Antrag.

Jörn König (AfD) wies darauf hin, dass seine Fraktion schon 2017 eine deutsche Olympiabewerbung gefordert habe. Acht Jahre später habe sich Deutschland verändert, „aber nicht zum Positiven“. König verwies auf den Sanierungsstau bei Sportstätten im Umfang von 30 bis 40 Milliarden Euro. Sommersportanlagen auf Olympianiveau zu bringen, erfordere hohe Kosten, während die Wintersportstätten schon vorhanden seien, sagte König und plädierte für eine Bewerbung für Winterspiele. Gleichwohl stimme seine Fraktion dem Antrag zu und werde die Bewerbung auch aktiv unterstützen, kündigte er an.

Mit der Bewerbung werde versucht, von den jahrelangen sportpolitischen Versäumnissen abzulenken, befand Christian Görke (Die Linke). Seine Fraktion lehne Olympische und Paralympische Spiele keineswegs ab. Der Antrag versäume aber eine klare sportpolitische Analyse und biete kein Konzept für Verbesserungen. Dauerhafte Infrastrukturverbesserungen durch Olympia zu versprechen, sei irreführend, so der Linken-Abgeordnete. Reformen und dauerhafte Investitionen müssten zuerst umgesetzt werden, bevor man sich für ein solches Großevent bewirbt. Wer den zweiten Schritt vor dem ersten mache, riskiere weitere soziale Verwerfungen im Land.

In dem Antrag wird die Bundesregierung aufgefordert, eine angemessene finanzielle Ausstattung der Bewerbung durch die Ausbringung entsprechender Mittel im Bundeshaushalt sicherzustellen. Dies müsse unter besonderer Berücksichtigung von Transparenz und einer ökologisch wie sozial nachhaltigen Mittelverwendung erfolgen, heißt es.

Benötigt wird aus Sicht von Union, SPD und Grünen auch eine internationale Sichtbarkeit der deutschen Sportpolitik. Es brauche eine aktive Unterstützung für die deutsche Bewerbung auf internationaler Ebene und Nutzung der diplomatischen Möglichkeiten unter Einbeziehung des neuen Amtes der Staatsministerin für Sport und Ehrenamt, „um die Chancen Deutschlands im Wettbewerb um die Ausrichtung der Spiele zu stärken und um die Werte der deutschen Bewerbung für faire, friedliche und vielfältige Spiele hervorzuheben“, schreiben die Abgeordneten.

Weitere Forderungen in dem Antrag betreffen unter anderem die Einbeziehung der Bevölkerung, die Sicherstellung infrastruktureller Voraussetzungen, die Stärkung der Sicherheit bei Sportgroßveranstaltungen, die Schaffung barrierefreier Sportstätten und barrierefreier Infrastruktur sowie die Gleichbehandlung Olympischer und Paralympischer Spiele. Deutschland habe das Potenzial, idealer Gastgeber für ein Fest des Sports und der Völkerverständigung zu sein, betonen die Fraktionen.