Tourismus

Anhörung „Klimaresiliente Tourismusdestinationen in Deutschland“

Zeit: Mittwoch, 15. April 2026, 15 bis 16 Uhr
Ort: Berlin, Paul-Löbe-Haus, Sitzungssaal 4.600

Tourismusdestinationen könnten angesichts steigender Temperaturen verstärkt auf Ganzjahrestourismus setzen und auch andere Chancen nutzen. Der Ganzjahrestourismus könne etwa einen Ausgleich für die wegen mangelnden Schneefalls kürzeren Saisonzeiten in Wintersport schaffen, wurde am Mittwoch, 15. April 2026, in einer öffentlichen Anhörung des Ausschusses für Tourismus zum Thema „Klimaresiliente Tourismusdestinationen in Deutschland“ deutlich.

Saisonverlängerungen im Frühling und Herbst vorgeschlagen

In der von der Vorsitzenden Anja Karliczek (CDU/CSU) geleiteten Anhörung hob der emiritierte Prof. Dr. Jürgen Schmude (Ludwig-Maximilians-Universität München) hervor, der Ganzjahrestourismus könne Destinationen, die bisher nur einen Schwerpunkt hätten, resilienter aufstellen. So könnte es Saisonverlängerungen vor allem im Frühling und im Herbst geben, was die Hauptsaison entlasten könnte, sagte Schmude.

In seiner Stellungnahme hatte Schmude darauf hingewiesen, dass klimaresiliente Destinationen für nachhaltigkeitsbewusste Reisende sowie ältere und komfortorientierte Menschen, die keine großen Reisedistanzen überwinden wollten, eine immer größerer Bedeutung bekommen würden. Auch sei mit mehr hitzeaversen Reisenden, die zum Beispiel von Hitze betroffene Destinationen wie das Mittelmeer meiden wollten, zu rechnen. Davon profitieren könnten Mittelgebirgsregionen sowie Küstenregionen oder waldreiche Gebiete, die als „Kühlungsräume“ fungieren würden.

Abnehmende Schneesicherheit in Mittelgebirgen

Jens Weißflog vom „Jens Weißflog Appartementhotel“ in Oberwiesenthal berichtete von abnehmender Schneesicherheit in Mittelgebirgen. Auch die Möglichkeiten technischer Beschneiung würden durch milde Temperaturen langfristig eingeschränkt. Für den Wintersportort Oberwiesenthal bedeute dies eine Verkürzung der Wintersaison von 120 Lifttagen auf unter 90 Lifttage.

Weißflog sprach von größer werdenden Unsicherheiten für touristische Anbieter. Das Buchungsverhalten hänge von der Schneelage ab, werde somit kurzfristiger und damit schlechter kalkulierbar. Angebotserweiterungen wie zum Beispiel die Erweiterung des Saunaangebotes mit der Investition in eine Art Erlebnisarchitektur in Form eines energieeffizienten und ökologischen Holzblockhauses in nahezu vollbiologischer Holzbauweise hätten in seinem Hotel zu mehr Buchungen geführt. Zentrale Anpassungsstrategie sei der Ausbau des Ganzjahrestourismus.

Weißflog forderte auch schnellere Genehmigungsverfahren in Deutschland. Im Nachbarland Tschechien werde zum Beispiel ein neuer Lift viel schneller genehmigt und gebaut. Er habe manchmal den Eindruck, dass es dort eine andere EU gebe.

Verbesserungspotenziale in der Förderlandschaft

Angesichts einer zersplitterten Förderlandschaft schlug Schmude eine Art Transformationsfonds für Destinationen mit der Verpflichtung der Mittelverwendung für klimaneutrale Infrastruktur und konkrete Klimaanpassungsmaßnahmen vor. Auch Prof. Dr. Martin Balas (Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde, HNEE) berichtete in seiner Stellungnahme von Verbesserungspotenzialen in der Förderlandschaft: Förderinstrumente seien für die Tourismusakteure häufig schwer zugänglich.

Betroffen seien insbesondere kleine und mittlere Unternehmen sowie Destinationsmanagement-Organisationen (DMO). Resilienz sei keine Projektaufgabe, sondern eine dauerhafte Strategie der Destinationsentwicklung. Dafür werde eine verlässliche Finanzierung für die Transformationsbegleitung gebraucht. Balas sagte auch, nicht jede resiliente Destination sei auch automatisch eine nachhaltige Destination.

Fehlende Rahmenbedingungen für Betriebe beklagt

Sebastian Gries (Tourismusverband Ostallgäu) beklagte fehlende Rahmenbedingungen für die Betriebe. In einer Befragung sei deutlich geworden, dass die touristischen Betriebe Probleme mit den für die Klimaanpassung notwendigen Investitionen sehen würden. Hinzu kämen fehlende Daten über die Entwicklung des Klimas. Besonders hob Gries die Bedeutung der Infrastruktur hervor.

Nach seinen Angaben nehmen klimatische Belastungen von Infrastruktureinrichtungen zu, etwa durch Extremwetterereignisse wie Starkregen, Sturm und Hagel. Unzuverlässige Winterwetter und Schneelagen würden Winterangebote erschweren. Andererseits könne die Klimaveränderung auch als Chance angesehen werden. Es könnten neue Angebote und Produkte geschaffen werden, zum Beispiel eine Erhöhung des Gästekomforts.

Vorteilskarte in Südtirol

Martin Vallazza (Autonome Provinz Bozen, Südtirol) berichtete, was die Region gegen Probleme wie zunehmenden Verkehr, Luft- und Lärmbelastung tue. Eines der Hauptziele bestehe darin, den Anteil der Touristen, die mit dem Zug anreisen, von derzeit etwas über acht Prozent bis 2035 auf 20 Prozent zu erhöhen. Außerdem solle der Autoverkehr innerhalb Südtirols verringert werden.

Inzwischen gebe es mit dem „Südtirol Guest Pass“ eine Vorteilskarte, die in über 97 Prozent aller Übernachtungen in Südtirol im Zimmerpreis enthalten sei und unbegrenzten Zugang zur Nutzung der öffentlichen Verkehrsmittel im Land Südtirol biete. Der Pass werde vor Anreise via E-Mail übermittelt, gelte während des gesamten Aufenthalts und fördere einen autofreien und nachhaltigen Urlaub. Außerdem enthalte der Pass weitere Angebote. (hle/16.04.2026)