Parlamentarischer Beirat für nachhaltige Entwicklung

Stärkere Nutzung des vorhandenen Gebäudebestandes gefordert

Zeit: Mittwoch, 20. Mai 2026, 17.30 Uhr
Ort: Berlin, Paul-Löbe-Haus, Sitzungssaal E 700

Die bisherigen Maßnahmen zur Verringerung des Flächenverbrauches in Deutschland reichen nicht aus. In dieser Einschätzung waren sich die zu einem öffentlichen Fachgespräch zum Thema „Nachhaltige Flächenpolitik“ im Parlamentarischen Beirat für nachhaltige Entwicklung und Zukunftsfragen (PBnEZ) am Mittwoch, 20. Mai 2026, geladenen Sachverständigen einig. Der tägliche Zuwachs an Siedlungs- und Verkehrsflächen habe Anfang 2026 noch bei rund 50 Hektar gelegen, sagte Inga Glander, Projektleiterin Baukulturbericht bei der Bundesstiftung Baukultur. Das politische Ziel eines Flächenverbrauches von maximal 30 Hektar pro Tag werde damit deutlich verfehlt. 

Wohnungsbau, Zersiedelung und Infrastruktur

Prof. Martin Behnisch, Leiter des Forschungsbereiches Raumbezogene Information und Modellierung beim Leibniz-Institut für ökologische Raumentwicklung, hält das Ziel der Bundesregierung, den täglichen Flächenverbrauch bis 2030 auf 30 Hektar zu begrenzen, für grundsätzlich erreichbar, „aber nur mit deutlich schärferen politischen Eingriffen“. Bis 2050 sei ansonsten weiterhin ein erheblicher Verlust an Freiraumflächen zu erwarten, insbesondere durch Wohnungsbau, Zersiedelung und Infrastruktur. Der anhaltende Anstieg der Versiegelungsfläche, so Behnisch und auch Expertin Glander, stünden auch im Widerspruch zu dem geringen Wachstum beziehungsweise zu dem erwarteten Schrumpfen der Bevölkerungszahlen in Deutschland.

Als besonders problematisch bewertet Behnisch die Entwicklung in ländlichen Räumen und Pendlerregionen. Dort würden Wohn- und Mischflächen fast doppelt so stark wachsen wie in Großstädten. Gleichzeitig bleibe der Neubau trotz sinkender Dynamik ein zentraler Treiber des Flächenverbrauchs. Behnisch sprach sich für einen Vorrang der Innenentwicklung in Kommunen statt dem Neubau auf der „grünen Wiese“ aus und plädierte gleichzeitig für höhere Baudichten und mehr Mehrfamilienhäuser. Höhere Baudichten könnten aus seiner Sicht den Flächenverbrauch um etwa vier Hektar pro Tag senken, mehr Innenentwicklung sogar um rund sieben Hektar pro Tag. 

Wohnungsbau und Siedlungsentwicklung

Glander kritisierte den bisherigen Umgang mit Wohnungsbau und Siedlungsentwicklung. Während an Ortsrändern neue Baugebiete entstünden, verlören Ortskerne an Funktion und Attraktivität. Deutschland, so ihre Einschätzung, baue gleichzeitig „zu wenig und zu viel“. Während in Wachstumsregionen Wohnraum fehle, würden andernorts unnötig neue Flächen erschlossen, bemängelte sie.

Ebenso wie Behnisch sprach sich auch Glander für eine stärkere Nutzung des vorhandenen Gebäudebestandes aus, der saniert und umgebaut werden könne. Kleinere Städte und Gemeinden, so die Vertreterin der Bundesstiftung Baukultur, sollten gezielt gefördert werden, damit Infrastruktur und Wohnen nicht nur auf Metropolen konzentriert bleiben. Gleichzeitig gelte es, Ortskerne zu verdichten und zu revitalisieren. Leerstände, Baulücken und bestehende Gebäude müssten Vorrang vor neuen Baugebieten auf der grünen Wiese haben, sagte Glander.  (hau/20.05.2026)