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Künstler im Otto-Wels-Haus (Unter den Linden 50)

Unter den Linden 50 – Photo- und Konzeptkunst am Bau

Das Projekt

Mit der Herrichtung des Gebäudes Unter den Linden 50 für die Belange des Deutschen Bundestages wurden zwei Wettbewerbe zur Kunst am Bau ausgelobt. Für den Innenhof wurde Klaus Rinke mit der großformatigen Skulptur „Sonnenstrahl im Birkenhain“ beauftragt. Für sechs Galerien sowie für weitere Räume im Gebäude wurden im Rahmen des Kunstwettbewerbs erstmalig ausschließlich Künstlerinnen und Künstler ausgewählt, die mit dem Medium Photographie arbeiten.

Mit dieser selbst heute noch ebenso ungewöhnlichen wie weitsichtigen Entscheidung wird auch ein Medium gewürdigt, das seit seiner Erfindung einen wesentlichen Einfluss auf die Kunst, für ihr Begreifen und auf ihre Anschauung gehabt hat. Heute steht die künstlerische Bedeutung der Photographie außer Frage, auf dem Markt der Kunst hat sie in der Hauptstadt Berlin und anderswo einen festen Platz eingenommen, dennoch gebührt ihr stets auch eine Aufmerksamkeit jenseits der ästhetischen Zusammenhänge.
Die Betrachtung einer Photographie fällt auf das Licht, das sie hat entstehen lassen. Der zurückliegende Augenblick der Aufnahme gewinnt mit jedem Hinschauen eine neue historische Gestalt: mit dem Blick auf das photographische Bild wird einer vergangenen Zeit entsprochen, die hier und jetzt in den Raum der Anschauung hineinreicht. Die Photographie steht auf der Schwelle zwischen künstlerischer Abstraktion und historischer Dokumentation.
Die Arbeiten in den sechs Galerien laden zu Betrachtungen über eben diese Schwelle ein. In Sequenzen und Installationen wirkt Zeit. Jedes Bild zeugt von psychischen wie geschichtlichen Übergängen, Passagen und Schranken, die dem Menschen Hinterlassenschaften der Zeit vor Augen führen. Für die Galerien wurden von den ausgewählten Künstlern Vorschläge gemacht; die Zusammenführung der unterschiedlichen Positionen könnte kaum einen treffenden Einblick in die zeitgenössische Kunst mit Photographie geben. Darüber hinaus wurden Arbeiten von vierzehn Künstlerinnen und Künstlern erworben, die neben den bereits getätigten Ankäufen photographischer Kunst der Bundesrepublik einen bereits bedeutenden Beginn für eine Sammlung deutscher Photographie nach 1945 darstellen. Erstmalig hat man sich richtungsweisend dafür entschieden, mit dem Kunstankauf auch die Anlage für künftige Ergänzungen zu schaffen.  

Das Gebäude des Deutschen Bundestages Unter den Linden 50 verfügt somit über die weitestreichende Sammlung zeitgenössischer Photographie, die je im Rahmen einer Maßnahme für die Kunst am Bau erworben wurde.
Das Gebäude wurde in der Erneuerung auf Transparenz angelegt, als offene Durchsicht auf den Innenhof mit dem geronnenen Licht von Klaus Rinke, als eine Architektur der Begegnung und der räumlichen Rhythmisierung und als Ort für die Photographie. Sie ist das Medium gestellter Transparenz und die künstlerische Öffnung zu immer neuen Übersetzungen des Blicks.

Text: Hubertus v. Amelunxen, 2000

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