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Sieben Leben für die Demokratie – Eine Comic-Auswahl

Eine Comic-Zeichnung eines älteren Herren in roter Robe.

Der Präsident des 1. Reichstages, Eduard von Simson, als Comic-Figur.

© Simon Schwartz

Im Jahr 1871 wurde das preußisch-deutsche Kaiserreich gegründet – und mit ihm der erste gesamtdeutsche Reichstag. Ein Meilenstein in der deutschen Parlamentsgeschichte. Heute stehen die Aufnahmen von Kaiser Wilhelm I. oder von Otto von Bismarck ikonisch für dieses Datum vor 150 Jahren. Auch schwarz-weiße, nach heutigen Maßstäben blasse Fotografien des historischen Reichstags, seiner Außenfassade, der Glaskuppel, seiner holzvertäfelten Innenräume sind in das kollektive Gedächtnis eingegangen. 

Erinnern an jene Phase des deutschen Parlamentarismus lässt sich aber auch jenseits dieser dokumentarischen Bilderwelt. Bewiesen hat das zuletzt der Erfurter Comickünstler Simon Schwartz. Seine 2019 erschiene Graphic Novel „Das Parlament – 45 Leben für die Demokratie“ wirft einen ganz anderen Blick auf die deutsche Demokratiegeschichte – und dabei auch auf jene frühen Jahre in der Mitte des 19. Jahrhunderts. In einzelnen Comicstrips hat Schwartz die Biografien bedeutender Parlamentarier nacherzählt – stilistisch zugespitzt, ausgestattet mit prägnanten Zitaten und knappen, pointierten Textpassagen: spielerisch, lebendig und bunt. Im Rahmen der Ausstellung „Vom Schloss ins Parlament“ anlässlich der Eröffnungssitzung des ersten gesamtdeutschen Reichstags am 21. März 1871 sind die Werke von Simon Schwartz nun teilweise erneut zu sehen.

Menschen im Dienste der Politik

Darunter befindet sich etwa eine Comicseite über den Abgeordneten Ludwig Bamberger (1823 – 1899). In Form kreisrunder, fast amuletthafter Schlaglichter zeichnet Schwartz hier die Geschichte eines Mannes nach, der am Aufbau der Nachrichtenagentur Reuters ebenso beteiligt war wie an der Gründung der Deutschen Bank AG. Der liberale Bamberger, der bis 1890 dem Reichstag angehörte, stellte sich, so lernt man aus dem Comicbogen, bis zuletzt „gegen einen immer hasserfüllteren Nationalismus und Antisemitismus“. 

In Zügen ähnlich, die Geschichte von Eduard Lasker (1829 – 1884): Nach einem Leben im Dienste der Politik überwarf er sich nach einem Korruptionsskandal ab 1873 mit Reichskanzler Otto von Bismarck. Lasker – bei Schwartz ein Mann mit üppig-blondem Haar, das direkt in einen stolzen Vollbart übergeht – stand für die Stärkung des Parlaments, das freie Mandat, die Pressefreiheit und das Ende der Todesstrafe.

Der erste Reichstagspräsident: Eduard Simson

Neben diesen beiden für den jungen deutschen Parlamentarismus wegweisenden Persönlichkeiten porträtierte der 1982 geborene Comic-Autor auch die markantesten Lebensstationen von Eduard Simson (1810 – 1899), der dem ersten gesamtdeutschen Reichstag vorstand. In sechs gleichmäßigen Bild-Text-Streifen erfährt der Betrachter von einer prägenden Reise nach Paris im Jahr 1830 oder seiner Erhebung in den Adelsstand 58 Jahre später.

Weitere Abgeordnete des ersten gesamtdeutschen Reichstags, denen Schwartz einen Comic widmete, sind Eugen Richter (1838 – 1906) und Ludwig Windthorst (1812 – 1891). Aber auch Persönlichkeiten wie Heinrich von Gagern (1799 – 1880), Moritz Hartmann (1821 – 1872) oder Johann Hermann Detmold (1807 – 1856) werden in ihren jeweiligen Comic-Miniaturen verlebendigt.

„Alles andere als schwarz-weiß“

Schwartz‘ Bildbögen, so Bundestagspräsident Dr. Wolfang Schäuble in seinem Vorwort zu dem Comic-Band, „erfassen die leuchtend hellen und tiefdunklen, auch blutroten Facetten deutscher Geschichte“. Eindrücklich zeige der Künstler mit jeder einzelnen Biografie, dass die Demokratie keine Selbstverständlichkeit sei. Politik sei eben – mag man sie auch noch so sehr in Grautönen erinnern – „alles andere als schwarz-weiß“. 

Simon Schwartz wurde im Jahr 2017 vom Kunstbeirat des Deutschen Bundestages beauftragt, Comics zu Leben und Wirken von 45 Parlamentariern aus der Zeit von der Paulskirche 1848 bis zur deutschen Wiedervereinigung 1990 zu erstellen. Dabei spürte der preisgekrönte Comic-Künstler den Lebenslinien auch späterer Mandatsträger nach, die als gewählte Abgeordnete in deutschen Parlamenten saßen. 

Anhand der wechselvollen Biografien erzählen die Comics von den schweren Auseinandersetzungen und Kämpfen, die nicht nur über die deutsche Geschichte, sondern auch persönliche Schicksale entschieden. Die Publikation „Das Parlament – 45 Leben für die Demokratie“ wurde im avant-verlag herausgegeben. Von April bis August 2019 waren die Comics im Zuge einer Ausstellung in der Abgeordnetenlobby des Reichstagsgebäudes zu sehen. (ste/19.03.2021)
  

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