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Bildzusammenschnitt Joseph Fischer aus Wille Macht und Wandel von Herlinde Koelbl

© Herlinde Koelbl

Die Fotografin vollzieht seit jeher in ihrem Werk eine spannende Gratwanderung zwischen Dokumentation und gestalterischem Konzept. In der Fotofolge „Spuren der Macht“ hatte sie über Jahre hinweg vielversprechende Jungpolitiker (Gerhard Schröder, Angela Merkel, Joschka Fischer, Monika Hohlmeier, Heide Simonis, Irmgard Schwätzer, Friedbert Pflüger) fotografisch porträtiert. Eine bemerkenswerte Tiefe verdankt die Studie zwei Umständen: Zum einen wussten die Porträtierten, dass eine Veröffentlichung erst Jahre später erfolgen würde. Sie konnten sich also ungezwungener, offener und damit ehrlicher zeigen als für den medialen Tagesgebrauch vielleicht nahe liegend. Zum zweiten wurden die Porträt-Sitzungen vertieft durch Gespräche über so existenzielle Themen wie deren Selbsteinschätzung, ihr Verhältnis zur Familie, zum Glauben, ihre Wünsche und Hoffnungen.

Auch diese Gespräche wiederholten sich über die folgenden Jahre und offenbaren die Veränderungen in der Lebensperspektive im Sinne des Untertitels der Langzeitstudie: „Die Veränderung des Menschen durch das Amt.“ Mit großer Intensität hat Herlinde Koelbl in diesen Interview-Folgen die spannungsreiche Frage nach dem Preis der Macht und nach ihrer ethischen Fundierung aufgeworfen. Erliegen die Politiker der „Droge Wichtigkeit“, deren Suchtcharakter insbesondere denen bewusst wird, die ihr politisches Amt verlieren? Oder besitzen die Akteure auch noch ein Leben außerhalb der Politik, beziehen sie den Verlust des Amtes in ihre Lebensplanung ein?

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