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Brigitte Waldach

Wo sind wir, wenn wir denken?, Gouache, Pigmentstift auf Bütten, 2018

Die Berliner Künstlerin Brigitte Waldach (geb. 1966 in Berlin) arbeitet in ihren oft  großformatigen Zeichnungen mit Texten, die als eigene Bildfiguren ebenso organisch und beseelt zu sein scheinen wie die eigentlichen Protagonisten ihrer Werke. Literarische, biografische und politische Texte sind dabei oft der Ausgangspunkt ihrer Arbeiten, die sie dann in umfangreichen Zyklen entwickelt. Eine der bekanntesten ist eine Serie zum Mythos RAF, in der sie den Gedankenwelten von Gudrun Ensslin, Andreas Bader, Holger Meins und Jan-Carl Raspe nachspürt, indem sie Selbstaussagen, Zeitzeugenberichte und Texte, auf die sie sich bei ihren extremistischen Plänen und Taten bezogen, als Welle ins Bild setzt, die sich aus vielen Text und Sprachlinien zusammensetzt. Dieses Gestaltungsprinzip ist für Waldach kennzeichnend:
Die dicht zusammenstehenden, oft einander überlagernden Sprachfetzen verdichten sich als Welle oder Wolke zu einer komplexen Bedeutungsmatrix, deren Einzelbausteine und Bestandteile zwar durch Farben unterschiedlichen Quellen zuzuordnen sind, im Einzelnen trotzdem nur schwer zu entschlüsseln bleiben. Dieses Widerspiel zwischen Erkennen und Nichterkennen, Verstehen und Verschlossenbleiben gehört zum konzeptionellen Ansatz der Künstlerin, der es nicht um Dokumentation und Erläuterung,  sondern um die Schaffung eines geistigen Raums geht, in dem der Betrachter seine eigenen Assoziationen entwickeln und Schlussfolgerungen ziehen kann.

Für die Ausstellung zum 100. Jahrestag des Frauenwahlrechts wählte Brigitte Waldach ein ähnliches Gestaltungsprinzip: „Eine Frau steht aufrecht in einem nicht näher definierten Bildraum. Ihr Blick geht in die Zukunft, die noch unbeschrieben ist. Halt bekommt sie durch eine Textwolke, die den Gang und Stand der Geschichte aus  unterschiedlichen Perspektiven zeigt.

Der blaue Text beschreibt eine männliche Sicht, die sich auf den Rechtsstand von Frauen bezieht, bevor sie das Wahlrecht vor 100 Jahren bekamen. Die roten Texte zitieren nicht nur aus der ersten Rede der Reichstagsabgeordneten Marie Juchacz vor der Weimarer Nationalversammlung am 19. Februar 1919, sondern benennen auch die Frau in ihrer ganzen Komplexität, zum Beispiel als Mutter, Schwester, Tochter und Bürgerin.  Gemeinsame Ideen und Fragen einer emanzipierten Gesellschaft sind hier lila gefasst.‚Wo sind wir, wenn wir denken?‘ fragt Hannah Arendt, die sich nie in ihrem Denken und Sprechen beschränken ließ. Wir handeln in der Lücke zwischen Vergangenheit und Zukunft, unser Handlungsraum beginnt immer jetzt, in der Gegenwart.“

Brigitte Waldach studierte zunächst Germanistik, dann an der Hochschule der Künste Berlin in der Klasse von Georg Baselitz, dessen Meisterschülerin sie wurde, Malerei. Ihre Werke sind in zahlreichen öffentlichen und privaten Sammlungen, darunter der Albertina in Wien, der  Sammlung des Deutschen Bundestages, Kunstmuseums MUST Stavanger, der Berlinischen Galerie, des Kupferstichkabinetts der Staatlichen Museen zu Berlin, des AROS Kunstmuseums in Aarhus und des Museums Kunstpalast Düsseldorf. Sie lebt in Berlin. (kvo)

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