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Mit der Aufklärung verloren die traditionellen politischen und sozialen Ordnungen ab Mitte des 18. Jahrhunderts zunehmend an Legitimität. An die Stelle von Autoritätsgläubigkeit sollte die Vernunft treten. In den deutschen Staaten hinterließen insbesondere die Werke Immanuel Kants eine nachhaltige Wirkung: Er definierte 1797 die Freiheit von menschlicher Willkür als einziges angeborenes Recht des Menschen und Grundlage seiner Würde.

Die amerikanische Unabhängigkeitserklärung 1776 und die Verfassung Frankreichs 1791 verankerten Menschenrechte und Volkssouveränität und verliehen dem Wunsch nach Grundrechten Auftrieb. Im territorial zersplitterten Deutschland blieb ein revolutionärer Umsturz aus. Hier fehlte unter anderem noch ein starkes Bürgertum, das als Träger einer Revolution in Frage kam. Der "aufgeklärte Absolutismus" hatte zudem in Preußen und Österreich erste Reformen verwirklicht.

Bedrängt vom Partikularismus der Einzelstaaten und unter dem Druck der napoleonischen Expansion löste sich 1806 das Heilige Römische Reich Deutscher Nation auf. Die französische Fremdherrschaft verstärkte das vor allem im Bürgertum gewachsene deutsche Nationalgefühl. Zugleich modernisierten Reformen nach französischem Vorbild Verwaltung, Justiz und Gesellschaft in denjenigen deutschen Einzelstaaten, die unter Napoleons Protektorat den Rheinbund bildeten. Als erster Staat in Deutschland erhielt das Königreich Westphalen unter Napoleons Bruder Jérôme 1807 eine geschriebene Verfassung. In Preußen trieben die Stein-Hardenbergschen- Reformen ab 1807 die Modernisierung voran. Mit den Befreiungskriegen ab 1813 verband sich die Hoffnung auf nationale Einheit sowie auf verfassungsrechtlich garantierte politische Mitsprache.

Verfassungsentwicklung im Deutschen Bund 1815 - 1848

Nach Beseitigung der napoleonischen Herrschaft wurde die Hoffnung vieler Deutscher auf Freiheit und nationale Einheit enttäuscht: Der am 8. Juni 1815 auf dem Wiener Kongress gegründete Deutsche Bund umfasste 41 souveräne Fürstentümer und freie Städte. Auf Initiative der monarchischen Staatsspitzen wurden bis 1820 in 28 deutschen Staaten Verfassungen erlassen. Die von einer reformbereiten Beamtenschaft erarbeiteten Verfassungen sollten den Staat modernisieren, die Verwaltung rationalisieren und die während der Rheinbundzeit vorgenommenen Reformen absichern.

Die Verfassungen regelten Zusammensetzung und Funktion der Landtage sowie deren politische Mitwirkungsmöglichkeiten. Wichtigstes landständisches Recht war die Steuerbewilligung durch die Landtage. Am fortschrittlichsten waren die Verfassungen von Bayern, Baden, Württemberg und HessenDarmstadt. Sie erfüllten viele Forderungen des liberalen Bürgertums nach repräsentativen Verfassungen mit grundrechtlichen Garantien. Preußen und Österreich verweigerten sich bis 1848 weitgehend konstitutionellen Neuerungen und blieben ohne Verfassung.

Im Zuge der Unruhen von 1830 wurden in Kurhessen, Sachsen, Braunschweig und Hannover Verfassungen erlassen. Als der hannoversche König die liberale Verfassung 1837 aufhob, protestierten sieben Göttinger Professoren gegen den Staatsstreich. Die "Göttinger Sieben", unter ihnen die Brüder Grimm, wurden daraufhin ihrer Lehrämter enthoben. Friedrich Christoph Dahlmann, Georg Gottfried Gervinus und Jakob Grimm mussten zudem das Land verlassen. Im liberalen Bürgertum fand der Protest deutschlandweit ein ausgesprochen positives Echo.

"Einigkeit und Recht und Freiheit"

Rund 500 in Burschenschaften organisierte Studenten demonstrierten 1817 auf der Wartburg gegen restaurative Politik und für die Errichtung eines deutschen Nationalstaates. Die weithin beachtete Kundgebung gilt als bedeutendste Manifestation der frühen deutschen National und Freiheitsbewegung. Als Reaktion auf sie entwickelte sich der Deutsche Bund unter Führung Österreichs zu einem Instrument der Restauration und der Unterdrückung nationaler, liberaler und demokratischer Bestrebungen mit dem Ziel, die monarchische Legitimität und Ordnung zu bewahren.

Zur Abwehr "revolutionärer Umtriebe" einigten sich führende Politiker des Deutschen Bundes 1819 auf Betreiben des österreichischen Staatsmanns von Metternich in den "Karlsbader Beschlüssen" auf repressive Maßnahmen: Überwachung der Universitäten und Einschränkung der Lehrfreiheit, Pressezensur sowie Einrichtung einer Zentraluntersuchungskommission in Mainz zur Verfolgung oppositioneller Bestrebungen.

Trotz der scharfen Zensur und Repressionsmaßnahmen konnten die zahlreichen oppositionellen Stimmen nicht unterdrückt werden. Ab 1830 entlud sich bei vielen Deutschen zunehmend ihr Überdruss an der monarchischen Ordnung.

Mehr als 30 000 Menschen versammelten sich 1832 unter den Farben der deutschen Nationalbewegung "SchwarzRotGold " zum Hambacher Fest. Die Versammlung auf dem Hambacher Schloss war eine eindrucksvolle Demonstration für nationale Einheit, Freiheit und Bürgerrechte. Auch das 1841 von Heinrich Hoffmann von Fallersleben verfasste "Lied der Deutschen" brachte diese Forderungen zum Ausdruck. Gleichzeitig verschärften sich Massenarmut und soziale Konflikte. Politische Unzufriedenheit und eine schwere Wirtschaftskrise führten zu den revolutionären Erschütterungen von 1848.

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