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Bundestag stimmt für verstärkte Suizid­prävention

Suizidprävention

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Der Bundestag macht sich für eine verbesserte Suizidprävention stark. Das Parlament billigte am Freitag, 23. Juni 2017, mit großer Mehrheit einen Antrag von CDU/CSU, SPD und Bündnis 90/Die Grünen (18/12782), in dem mehr Aufklärung, Hilfen und Forschung zu dem Thema verlangt werden. Die Fraktion Die Linke enthielt sich der Stimme.

Niedrigschwellige und schnelle Hilfe

In Deutschland sind dem Antrag zufolge jährlich rund 10.000 Todesfälle auf einen Suizid zurückzuführen. Nach Schätzungen liege die Zahl der Selbstmordversuche sogar zehn Mal so hoch. Daher müssten weitere Anstrengungen unternommen werden, um Suizide und Suizidversuche zu verhindern und betroffenen Menschen und Angehörigen frühzeitig Auswege, etwa in Form einer Therapie, aufzuzeigen. Nach aktuellen Forschungsergebnissen hätten mehr als 90 Prozent der Selbstmörder an einer psychischen Erkrankung gelitten, mehr als 80 Prozent der Opfer seien nicht behandelt worden. Um Suiziden entgegenzuwirken, benötigten Menschen in psychischen Krisen niedrigschwellige und schnelle Hilfe.

Männer verüben den Angaben zufolge deutlich öfter Selbstmord als Frauen. Besonders gefährdet seien Männer im Alter zwischen 45 und 60 Jahren sowie zwischen 70 und 80 Jahren. Wie es in dem Antrag weiter heißt, leben in Deutschland mindestens 1,5 Millionen Kinder, deren Eltern an einer Psychose oder schweren Depression leiden oder alkohol- beziehungsweise drogenabhängig sind. Hinzu kämen Kinder, deren Eltern unter Angst-, Zwangs und Persönlichkeitsstörungen litten. Diese Kinder hätten durch ihre familiäre Situation ein erhöhtes Risiko, selbst psychische Störungen zu entwickeln. In der Altersgruppe der 15 bis 29-Jährigen stelle der Suizid eine der häufigsten Todesursachen dar. Der Suizid stehe an zweiter Stelle der Todesursachen junger Männer zwischen 18 und 25 Jahren.

Förderung von Aufklärungskampagnen

Die Fraktionen sprechen sich in dem Antrag dafür aus, offener über psychische Erkrankungen zu sprechen und Aufklärungskampagnen zu unterstützen, Möglichkeiten der Prävention zu stärken sowie auch die Forschung zu diesem Thema zu fördern. Formuliert werden insgesamt 18 konkrete Forderungen.

Redner aller Fraktionen äußerten sich in der Debatte betroffen über die große Zahl an Selbstmorden und Selbstmordversuchen in Deutschland und forderten ein entschlossenes Handeln dagegen, soweit das möglich ist. Der fraktionsübergreifende Antrag mache die Bedeutung des Themas nochmals klar. 

CDU/CSU: Jeder einzelne Fall ist einer zu viel

Rudolf Henke (CDU/CSU) sagte, die Menschen könnten nicht vor den zahlreichen möglichen Lebenskrisen verschont werden. Aber jeder Mensch brauche einen anderen Menschen, den er auf Probleme ansprechen könne. In den vergangenen 35 Jahren sei die Zahl der Suizide in Deutschland zwar deutlich zurückgegangen, dennoch sei jeder einzelne Fall einer zu viel.

Es müsse noch mehr getan werden, um Selbstmorde zu verhindern. Auch Hubert Hüppe (CDU/CSU) sagte, es sei möglich und richtig, sich gefährdeten Menschen zuzuwenden und ihnen Hilfe anzubieten. Wichtig sei zudem die Möglichkeit, sich anonym an Hilfeeinrichtungen wenden zu können. Hüppe dankte den Medien für ihren zumeist sensiblen Umgang mit Selbstmordfällen, um Nachahmungseffekte zu verhindern.

SPD: Ausdruck einer seelischen Krise

Helga Kühn-Mengel (SPD) sprach von einem ernsten, traurigen und wichtigen Thema. Die meisten Betroffenen wollten gar nicht sterben, aber so auch nicht mehr weiter leben. Sie fügte hinzu, nicht immer sei der Suizid Ausdruck einer psychischen Erkrankung, aber immer Ausdruck einer seelischen Krise.

Deswegen sei es so wichtig, den Betroffenen Lösungsangebote zu machen. Es gebe bereits viele gute Beratungsangebote, auch für Angehörige. Wichtig seien zudem geschlechtsspezifische und gruppenspezifische Angebote. So begingen auch lesbische Mädchen öfter Selbstmord.

Grüne: Thema ist mit Vorurteilen, Ängsten und Scham belegt

Für die Grünen-Fraktion sagte Maria Klein-Schmeink (Bündnis 90/Die Grünen), sie sei froh, dass ein so wichtiges Thema mit dem Antrag aufgenommen werde. Sie hätte sich gewünscht dass alle Fraktionen den Antrag repräsentieren, um die Bedeutung des Anliegens zu unterstreichen.

Das Thema Suizid sei mit Tabus, Vorurteilen, Ängsten und Scham belegt. Menschen bräuchten Hilfe, wenn sich eine Lebenskrise zuspitze und ausweglos erscheine.

Linke: Gesellschaftlichen Ursachen ausgeblendet

Auch die Linksfraktion sieht dringenden Handlungsbedarf, um Suizide zu verhindern, wie Birgit Wöllert (Die Linke) betonte. Sie kritisierte jedoch, in dem vorliegenden Antrag würden wichtige Punkte nicht erwähnt. So fehle die nötige Einschränkung des Zugangs zu Waffen und bestimmten Arzneimitteln. Auch würden die nötigen Forschungsmittel im Haushalt nicht bereitgestellt.

Zudem würden die gesellschaftlichen Ursachen für Suizide völlig ausgeblendet. Es gehe nicht immer um die Bewältigung von persönlichen Lebenskrisen, sondern auch um gesellschaftliche Zusammenhänge. Es müsse also auch darauf hingewirkt werden, dass sich die Gesellschaft ändere. Eine Gesellschaft, in der ein Klima der Anerkennung und Achtung herrsche, nicht der Ausgrenzung, des Leistungsdrucks und der Angst, bietet alle Voraussetzungen für eine wirksame Suizid-Prävention. Dieser Aspekt kommt in dem Antrag zu kurz. (pk/23.06.2017)

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