Direkt zum Hauptinhalt springen Direkt zum Hauptmenü springen

Dokumente

Artikel

Katarina sieht ihre Zu­kunft im di­ploma­tischen Dienst Slo­weniens

IP-Stipendiatin Katarina Lavric

Katarina Lavrič, Parlamentsstipendiatin aus Slowenien

© DBT/photothek

Diplomatin werden zu wollen und trotzdem die eigene Meinung klar auszudrücken, muss kein Widerspruch sein. Beleg dafür ist Katarina Lavrič. Die 28-jährige Slowenin, studierte Politik- und Verwaltungswissenschaftlerin, möchte in naher Zukunft den Diplomatentest machen und in den diplomatischen Dienst Sloweniens eintreten. Noch bis Ende Juli nimmt sie am Programm des Internationalen Parlamentsstipendiums (IPS) des Deutschen Bundestages teil. Das dazugehörige Praktikum absolvierte Katarina Lavrič im Abgeordnetenbüro von Kathrin Vogler (Die Linke). Und ist froh darüber, in dieser Fraktion gelandet zu sein. „Bei den Linken wird alles kritisch hinterfragt – das gefällt mir“, sagt sie zur Erklärung. Unions- und SPD-Fraktion hält sie hingegen für eher langweilig, wegen deren „neoliberaler Europarichtung“.

Bachelor in Konstanz, Master in Warschau

Klare Worte von der 28-Jährigen, die erstmals 2010 nach Deutschland kam – im Rahmen des Erasmus-Programms an die Universität Konstanz. Es gefiel ihr so gut, dass sie kurzerhand von der Universität Ljubljana an den Bodensee wechselte. „Dort habe ich dann den Bachelor in Politik und Verwaltung gemacht – auf Deutsch“, sagt sie. Den Master-Abschluss hat sie später an der Universität Warschau hinterhergeschoben.

Nun also das IPS in Berlin. Ihr Deutsch-Professor in Ljubljana habe sie erstmals auf das Programm aufmerksam gemacht, sagt sie. „Als ich das Studium hinter mir hatte, hat es durchaus Sinn gemacht, mich zu bewerben.“ Die formalen Abläufe des Gesetzgebungsverfahrens in Deutschland kannte sie schon durch ihr Studium. „Aber es ist natürlich etwas anderes, wenn man ganz nah dran ist und sehen kann, wie beispielsweise Koalition und Opposition miteinander umgehen und wie schwierig es für die kleinen Oppositionsfraktionen ist, überhaupt mit ihren Inhalten durchzudringen“, sagt Katarina Lavrič.

„Bei der Linksfraktion ist alles sehr locker“

Die junge Slowenin hat nach vier Monaten im Bundestag sogar das Gefühl, an Körperhaltung, Mimik und Kleidung zu erkennen, welcher Abgeordnete welcher Fraktion angehört. „Bei der Linksfraktion ist alles sehr locker, daher fühle ich mich dort auch so wohl“, sagt sie.

Katarina Lavrič hat natürlich mitbekommen, dass mit der AfD in Deutschland eine Partei erstarkt, die in Sachen Flüchtlingspolitik ganz andere Ansichten hat als die derzeit im Bundestag sitzenden Parteien. Sind die Deutschen also vermehrt ausländerfeindlich? Nein, sagt die 28-Jährige, das empfinde sie nicht so. „Die AfD ist eher ein Zeichen der Unzufriedenheit der Bürger mit der Großen Koalition“, glaubt sie.

„Die Flüchtlinge wollen gar nicht in Slowenien bleiben“

Stichwort Flüchtlingskrise: In Slowenien, so erzählt sie, seien damals von der großen Anzahl der Flüchtlinge im Jahr 2015, die durch Slowenien gezogen sind, alle überfordert gewesen, „auch die Politiker“. Eine direkte Hetze gegen Ausländer oder Flüchtlinge gibt es in ihrer Heimat aber nicht, sagt sie. „Es ist kein wirkliches politisches Thema bei uns, weil alle wissen: Die Flüchtlinge gehen sowieso weiter und wollen gar nicht in Slowenien bleiben.“

Außerdem hätten die Slowenen durch den Jugoslawien-Krieg ein besonderes Verhältnis zu Flüchtlingen. „Es gab damals sehr viele, die dann geblieben sind und das Land dadurch sogar verbessert haben“, sagt Katarina Lavrič. Sie selber habe auch davon profitiert. „Ich kann inzwischen sogar Serbisch, weil meine Nachbarn aus Kroatien und Serbien gekommen sind. Das ist super.“

„Wir profitieren sehr von der EU“

Ganz klar positiv bewertet die junge Slowenin die Rolle der EU für die Entwicklung ihres Heimatlandes. Die immer wieder geäußerte Kritik an einer vermeintlichen Bevormundung durch die EU teilt sie nicht. Im Gegenteil: „Gebe es die EU-Gesetzgebung nicht, wären in Slowenien deutlich weniger Gesetzeslücken geschlossen worden, weil wir das nicht so schnell hinbekommen hätten.“

Die Slowenen seien klar proeuropäisch, schätzt sie ein. „Wir profitieren sehr von der EU - ich beispielsweise von der Freizügigkeit beim Reisen.“ Slowenien, so sagt sie, sei ein „EU-Musterschüler“. „Uns musste man nicht sagen, was wir tun müssen, weil wir das schon selbergemacht haben, denn wir wollten in die EU und wollen es noch immer.“

„Unter den jungen Leuten gibt es keine Ressentiments“

Was das Zusammenleben mit Menschen aus den anderen Teilen des ehemaligen Jugoslawiens angeht, so sieht Katarina Lavrič das sehr positiv. Insbesondere unter den jungen Leuten gebe es keine Ressentiments. „Hier beim IPS haben wir ein sehr familiäres Gefühl“, bestätigt sie. Es werde auch über Politik gesprochen. „Wir sind uns einig darüber, dass die Politiker uns mit Grenzstreitigkeiten und anderen Sachen aufeinander zu hetzen versuchen. Das wird aber nicht gelingen“, ist sie überzeugt.

Die Slowenin findet es „hoch interessant“, persönlich zu hören, wie die politische Situation in anderen Ländern ist. „Das ist etwas anderes, als es über die Medien zu erfahren. Dort wird ein bestimmtes Bild verkauft, was aber nicht immer stimmt“, sagt sie. (hau/19.07.2017)

Marginalspalte