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Schäuble: 1939 und 1989 bilden eine historische Klammer

Dr. Wolfgang Schäuble, Bundestagspräsident

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Bundestagspräsident Dr. Wolfgang Schäuble hat in einer kurzen Ansprache im Bundestag an die „Verheerungen des Krieges“ vor 80 Jahren und an die „historischen Glücksmomente“ vor 30 Jahren erinnert. Nach dem Ende der parlamentarischen Sommerpause und vor Eintritt in die Beratungen des Haushalts 2020 sagte Schäuble am Dienstag, 10. September 2019, die Jahre 1939 und 1989 bildeten eine „historische Klammer“ im „kurzen 20. Jahrhundert“.

Vor 80 Jahren, am 10. September 1939, endete die Schlacht bei Wizna, einer Ortschaft im nordöstlichen Polen. „Anders als bei uns“, seien diese Kämpfe zehn Tage nach Beginn des deutschen Überfalls auf Polen Bestandteil der „Erinnerung unserer Nachbarn – als Geschichte ihres Freiheitswillens, der heroischen Verteidigung durch wenige Hundert gegen eine Übermacht von Zehntausenden deutschen Soldaten“, sagte Schäuble, der auf der Tribüne den polnischen Botschafter Prof. ord. Dr. habil. Andrzej Przyłębski begrüßen konnte. Polen sei 1939 das erste Opfer eines „historisch beispiellosen, rassenideologischen Vernichtungsfeldzugs“ geworden. Der von Deutschland entfesselte Zweite Weltkrieg habe einen zerstörten Kontinent und Narben hinterlassen, die noch immer schmerzten. 

„Zeichen des Gedenkens an Millionen polnische Opfer“

Die Polen hätten am längsten unter der Besatzung durch die Wehrmacht, unter dem Terror von SS und Sicherheitsdienst gelitten und die gezielte Ermordung ihrer intellektuellen Elite, die Verwüstung ganzer Landstriche, die völlige Zerstörung ihrer Hauptstadt Warschau und die Vernichtung jüdischen Lebens erlebt. Der Hinweis auf den sowjetischen Einmarsch am 17. September 1939 relativiere deutsche Verbrechen nicht, sei aber für das Verständnis der traumatischen Nachwirkungen des Krieges in Polen wichtig.

Schäuble hatte am 1. September, dem Jahrestag des deutschen Überfalls auf Polen, mit seiner polnischen Amtskollegin im Berliner Dom des Kriegsausbruchs gedacht und vor der Kriegsruine des Anhalter Bahnhofs gemeinsam für ein „sichtbares Zeichen des Gedenkens an die Millionen polnischen Opfer des Zweiten Weltkriegs“ geworben – „eine Initiative, die von zahlreichen Kolleginnen und Kollegen dieses Hauses unterstützt wird“.

„Osterweiterung des westlichen Horizonts“

Ein Denkmal allein reiche aber nicht, um die wichtigsten Lehren aus dem damaligen Zivilisationsbruch wachzuhalten: „Den Erhalt des Friedens, den Schutz unseres zivilen Miteinanders, den Respekt vor dem anderen, die Anerkennung seiner Freiheit, Unabhängigkeit und Würde.“ Im zusammenwachsenden Europa brauche es eine konsequente „Osterweiterung des westlichen Horizonts, aber auch eine Westerweiterung des Ostens“.

Deutschland verdanke den Menschen in den ehemaligen Ostblock-Staaten die Überwindung der Teilung der Welt und „unsere staatliche Einheit“, stellte der Bundestagspräsident fest. Vor 30 Jahren, am 10. September 1989, habe Ungarn seine Grenze für die DDR-Flüchtlinge geöffnet. „Allein in Budapest hielten sich rund 30.000 DDR-Bürger auf. Im ganzen Land warteten etwa 200.000 Ostdeutsche auf eine Gelegenheit zur Flucht.“

„Mutiger Beitrag Ungarns zur Wiedervereinigung“

Die Grenzöffnung in Ungarn habe eine neue Dynamik ausgelöst, zwei Monate später sei die Berliner Mauer, das Symbol des Kalten Krieges, gefallen. „Wir Deutschen vergessen den mutigen Beitrag Ungarns zur Wiedervereinigung unseres Landes nicht!“, sagte Schäuble unter dem Beifall des ganzen Hauses. Schäuble hieß den ungarischen Parlamentspräsidenten Dr. László Kövér mit seiner Delegation im Bundestag willkommen und begrüßte auch die vielen Teilnehmer des Deutsch-Ungarischen Jungen Forums.

„Es ist die Aufgabe von uns allen, aber gerade auch die der jungen Generation, die Idee eines vereinten Europas als Erbe des Krieges weiterzutragen, sie angesichts der Herausforderungen in einer gründlich veränderten Welt mit Leben zu füllen“, betonte der Bundestagspräsident. Dabei „müssen wir nicht immer einer Meinung sein, aber neugierig aufeinander bleiben und uns respektvoll begegnen“. Nur so werde es gelingen, Europa den Europäern näherzubringen: „Daran zu arbeiten, ist die eigentliche Verpflichtung, die uns aus dem Kriegsbeginn vor 80 Jahren erwächst.“ (vom/10.09.2019)

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