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Kubicki eröffnet Installa­tion zum Verlauf der Mauer

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Nach über 28 Jahren fiel am 9. November 1989 die Berliner Mauer. Ihr ehemaliger Verlauf ist heute gut sichtbar in der ganzen Stadt dokumentiert. So auch auf dem Friedrich-Ebert-Platz an der Ostseite des Reichstagsgebäudes. Unmittelbar unterhalb des Platzes verläuft ein Tunnel, der das Jakob-Kaiser-Haus des Bundestages mit dem Reichstagsgebäude verbindet. Vor allem dient dieser vielen Abgeordneten als kürzeste Verbindung zwischen ihren Büros und dem Plenarsaal. Und auch in diesem Tunnel ist der einstige Verlauf der tödlichen Grenze nun symbolisch nachgezeichnet.

Am Freitag, 8. November 2019, also am Vortag des 30. Jahrestages des Mauerfalls, eröffnete Bundestagsvizepräsident und Vorsitzender der Kommission für Bau und Raumangelegenheit Wolfgang Kubicki (FDP) die neue Gedenkinstallation im Verbindungstunnel zwischen den beiden Liegenschaften des Parlaments: ein schlichter, rostroter und durchquerbarer Stahlrahmen und eine mit den Wörtern „Ost“ und „West“ beschriftete Wandschiene gemahnen hier nun an die deutsch-deutsche Teilung und an die Opfer, die sie kostete.

Ein Kinobesuch, zu dem es nicht kam

Als damals Neunjähriger, erinnerte sich Kubicki in seiner Eröffnungsrede, sei er zum Zeitpunkt der Grenzschließung im August des Jahres 1961 in Berlin gewesen. Unbekümmert habe er sich mit Gleichaltrigen aus Kreuzberg zum Kinobesuch verabredet, zu dem es nicht kommen sollte. Auf einer Brücke sei er von Grenzsoldaten an der Überquerung gehindert worden, was in ihm nur eine vage Ahnung dessen hervorgerufen habe, was damit gerade vor sich ging. 28 Jahre später habe er den Mauerfall dann vor dem Fernseher mitverfolgt und „Tränen in den Augen gehabt“, sagte Kubicki.

„Der Wille zur Freiheit lässt sich dauerhaft von keiner Macht unterdrücken“, war sich der Vizepräsident sicher. Und so sehr man stolz auf das durch die Wiedervereinigung Erreichte sein könne, so sehr müsse man auch im Bewusstsein behalten, was noch zu tun sei. „Erst wenn wir nicht mehr vom Osten, sondern etwa von Sachsen und Thüringen sprechen, ist die Mauer auch gedanklich überwunden“, sagte Kubicki mit Blick auf sich wieder neu erhärtende „Ost- und Westidentitäten“. Die neue Gedenkinstallation sei nun insbesondere auch für jene Generationen gedacht, die erst nach 1989 zur Welt kamen. Auch für sie solle die Ausstellung ein „Ort der Erinnerung an jene, die ihr Leben ließen“, sein, so Kubicki.

Ein „optisches Stolpern“

„Ansätze, die an die einstige Todesgrenze erinnern, sind wichtig“, sagte auch Ralf Wieland (SPD), Präsident des Abgeordnetenhauses von Berlin, in seinem Grußwort bei der Ausstellungseröffnung. Auch sei dem Bundestagspräsidenten Dr. Wolfgang Schäuble mit Nachdruck dafür zu danken, dass er sich in einer denkwürdigen Rede zum Umzug des Parlaments von Bonn nach Berlin für die heutige Hauptstadt eingesetzt habe. Viele Bonner Abgeordnete hätten sich damals von Schäuble für den Umzug ins Reichstagsgebäude überzeugen lassen, war sich Wieland sicher. Die Macht von Diktaturen gründe in der Erzeugung von Angst. „Die Diktatur für immer hinter uns zu lassen, liegt in unserer Hand“, schloss Wieland.

Dr. Andreas Kaernbach, Kurator der Kunstsammlung des Bundestages, kam auf die historische Bedeutung des heutigen Ausstellungsraums zu sprechen. Ursprünglich war der Tunnel nämlich bereits von Paul Wallot, dem Architekten des Reichstagsgebäudes, für Heizungsrohre angelegt worden. Die DDR hatte diesen später aus Angst vor einem Eindringen aus westlicher Seite zumauern und bewachen lassen. Besonders gesichert wurde der Tunnel seitens des SED-Regimes deshalb, weil dieses befürchtete, dass „die berüchtigten Tunnelspezialisten der USA-Besatzer“ in das „Institut für Marxismus-Leninismus beim ZK der SED“ eindringen könnten, das zu der Zeit im Reichstagspräsidentenpalais untergebracht war. Die ästhetische Erfahrung, die der Besucher habe, der den Gedenkrahmen heute durchquere, umschrieb Kaernbach als „optisches Stolpern“. So sei ein kurzes Innehalten der Tunnel-Passanten sichergestellt. Die Ausstellung würde überdies noch um weitere Informationstafeln und Exponate im Tunnel ergänzt werden, kündigte der Kunstkurator an.

Seit dem 8. November wird die neu eröffnete Mauermarkierung durch eine Fotoausstellung im Mauermahnmal des Marie-Elisabeth-Lüders-Hauses ergänzt. Zu sehen sind dort Fotografien aus der Kunstsammlung des Deutschen Bundestages, die die Ereignisse von vor 30 Jahren dokumentieren. (ste/08.11.2019)

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