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Wechselwirkungen von Klima, Ressourcen und Konflikten

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Lange Dürreperioden zwingen Farmer zur Aufgabe ihrer Ländereien und schlagen hunderttausende in die Flucht, Hunger treibt junge Menschen dazu, sich bei Terrormilizen zu verdingen, Wirbelstürme und Überschwemmungen machen die Entwicklung von Jahrzehnten zunichte. Ob in der Arktis oder in Zentralafrika, der Klimawandel hat das Potenzial, krisenhafte politische oder gewaltsam ausgetragene Entwicklungen zu beschleunigen oder gar Konflikte auszulösen, ja zum „game changer“ in den internationalen Beziehungen zu werden. Dass der Zusammenhang zwischen Klimawandel, Ressourcenknappheit und Konflikten noch viel stärker zu einem echten Querschnittsthema zwischen allen Ressorts der Bundesregierung werden muss, darüber waren sich die Teilnehmer der Sitzung des Unterausschusses „Zivile Krisenprävention, Konfliktbearbeitung und vernetztes Handeln“ am Montag, 11. November 2019, einig.

Mozambique sei ein besonders tragisches Beispiel dafür, wie durch den Klimawandel bedingte extreme Wetterereignisse ein Land, das gerade auf dem Weg zu politischer Stabilität war, zurückwerfen und einen Teufelskreis in Gang setzen könnten, der nur schwer zu durchbrechen sei, sagte Ottmar von Holtz (Bündnis 90/Die Grünen), Vorsitzender des Unterausschusses. Ein Teufelskreis aus einer Verknappung von Ressourcen, dem Kampf um Wasser und Land, sowie Krankheiten. Zwei ungewöhnlich heftige Wirbelstürme hatten das Land 2019 heimgesucht.

Vinke: Ohne Klimaschutz kein Frieden

Dr. Kira Vinke vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung sagte, ohne Klimaschutz werde es keinen Frieden geben, und erläuterte, „warum wir so dringend handeln müssen“: Durch den CO2-Ausstoß und den Temperaturanstieg drohten Teilsysteme des Erdsystems zu kollabieren, und „wenn der tropische Regenwald sich in eine Steppe verwandelt, ist kaum vorstellbar, dass dies nicht zu Konflikten führt.“ Besonders plötzlich eintretende Veränderungen, bei denen der Staatengemeinschaft kaum Zeit zu einer Reaktion bleibe, könnten die betroffenen Menschen vor existenzielle Probleme stellen. Wenn sie ihre lokalen Traditionen nicht mehr ausüben könnten, würden die Menschen in von Katastrophen heimgesuchten Landstrichen in illegale Arbeit gedrängt.

In die urbanen Arbeitssysteme ließen sich Fischer und Landwirte nicht so einfach integrieren. Der durch den Klimawandel ausgelöste gesellschaftliche Wandel bedeute für sie einen Identitätsverlust. Oft verstärkten Klimaereignisse noch Konflikte entlang ethnischer Gruppen oder ließen diese erst entstehen.

Komplexe Konfliktsituationen

Die Folgen des Klimawandels brächten meist komplexe Konfliktsituationen hervor. In den demokratisch verfassten Ländern Europas finde man dann einen Ausgleich für die betroffenen Gruppen, Landwirte würden entschädigt. In den meisten Teilen der Welt sehe dies anders aus. Um den Klimawandel und das Verschwinden der für die menschliche Existenz günstigen klimatischen Rahmenbedingungen aufzuhalten, müsse sich ein reiches Land wie Deutschland noch mehr engagieren.

„Wir könnten so viel mehr tun als reiches Land und noch ambitionierter vorgehen zusammen mit der Zivilgesellschaft“, sagte Vinke und betonte die hohe Verantwortung gegenüber dem Rest der Welt und folgenden Generationen. Jeder könne dazu beitragen, jetzt eine Veränderung herbeizuführen. „Der Klimaschutz zu Hause ist die Krisenprävention anderswo.“

Maihack: Klimawandel erhöht das Konfliktrisiko

Henrik Maihack von der Friedrich-Ebert-Stiftung berichtete von der Arbeit der internationalen regionalen Arbeitsgruppe „Climate Security in the Horn of Africa“, die sich mit der Frage befasst, wie Klimasicherheit in aktuellen Friedensverhandlungen und -prozessen am Horn von Afrika, einer der konfliktintensivsten zu zugleich für klimatische Veränderungen anfälligsten Regionen der Welt, politisch berücksichtigt werden kann. In dieser Region, in der bereits mehrere internationale Konfliktmanagement-Missionen arbeiteten, sehe man die ganze Bandbreite der Klimafolgen.

Zunehmende Dürreperioden und Flutereignisse bedrohten ganze Gesellschaften, die sich auf regenbewässerte Landwirtschaft und nomadisch lebende Vielhalter stützten. Millionen Binnenvertriebene gebe es dort bereits. Konflikte um den Zugang zu Ressourcen würden sich mit anderen lokalen Konflikten verbinden und strahlten auf bisher ruhige Regionen aus. „Der Klimawandel erhöht das Konfliktrisiko“, sagte Maihack.

Schkade: Pariser Klimaschutz-Übereinkommen umzusetzen

„Der Klimawandel ist ein Verstärker und Multiplikator von Konflikten“, unterstrich auch Achim Schkade, Leiter des Referats 404 (Klima und Umwelt-Außenpolitik) im Auswärtigen Amt. Im Rahmen der Klimaaußenpolitik arbeite die Bundesregierung international daran, das Pariser Klimaschutz-Übereinkommen umzusetzen. Um das Bewusstsein für den Zusammenhang zwischen Klima und Sicherheit zu stärken, nutze man auch die aktuelle Mitgliedschaft Deutschlands im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen.

Es gehe darum das Thema in allen Bereichen der Außen- und Sicherheitspolitik breit zu verankern, sagte Schkade. Diesem Ziel diene auch die Berliner Konferenz zur Klimasicherheit und der von Deutschland angestoßene „Berliner Prozess“. Jetzt gehe es darum, die Risikoanalyse weiter zu verbessern, um besser auf Krisen reagieren zu können. Vor allem die gerechte Wasserversorgung sei ein entscheidender Punkt nicht nur bei der humanitären Hilfe, sondern auch bei der Krisenprävention. (ll/12.11.2019)

Liste der geladenen Sachverständigen

  • Henrik Maihack, Friedrich-Ebert-Stiftung
  • Dr. Kira Vinke, Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung

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