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Vor­weihnachtlicher Kerzenschein im Bundestag

Bundestagsvizepräsident Thomas Oppermann zündet die erste Kerze am Adventskranz an.

Bundestagsvizepräsident Thomas Oppermann zündet die erste Kerze am Adventskranz an.

© DBT/Melde

Wenige Tage vor dem ersten Advent ist die Vorweihnachtszeit im Parlament angebrochen. Traditionell schmücken den Bundestag in diesen Tagen eine große, behangene Weihnachtstanne auf der Galerie über dem Haupteingang des Paul-Löbe-Hauses sowie ein weiterer gezierter Baum, der spreeseitig und damit für Spaziergänger gut sichtbar am anderen Ende der Halle funkelt. Zudem sorgt ein Wichern-Adventskranz unmittelbar vor dem Plenarsaal für festliche Stimmung.

Bundestagsvizepräsident Thomas Oppermann, der den Kranz am Donnerstag, 28. November 2019, von der Diakonie Deutschland entgegennahm, zeigte sich der kirchlichen Organisation gegenüber dankbar. „Wenn jetzt schon der Geist von Weihnachten in den Bundestag einzieht, wird das unseren Beratungen gut tun“, sagte er. Es sei ein gutes Gefühl zu wissen, dass es Verbände in Deutschland gebe, die sich für andere einsetzen, betonte Oppermann und erinnerte daran, wie sich die Diakonie und andere Organisationen im Winter 2015 mit Tatkraft dafür eingesetzt hätten, nach Deutschland geflüchtete Menschen mit Wärme, Kleidung und Lebensmitteln zu versorgen.

Der Adventskranz wird 180 Jahre alt

Der Name des in diesem Jahr bereits zum elften Mal gestifteten Wichern-Adventskranzes geht auf den Theologen und evangelischen Sozialreformer Johann Heinrich Wichern zurück. Dieser hatte im Jahr 1833 das „Rauhe Haus“ in Hamburg-Horn gegründet – ein Heim für „verwahrloste“ Jugendliche. Um den betreuten Kindern die Wartezeit auf das Weihnachtsfest zu verkürzen, stellte er 1839 ein hölzernes Wagenrad mit vier großen und 20 kleinen Kerzen auf. Damit war der Adventskranz erfunden, der in diesem Jahr also auf sein 180-jähriges Bestehen zurückblickt.  

Begleitet wurde die kleine Feierstunde von Gesängen des Kinderchors der Stiftskantorei des Evangelischen Johannesstifts Berlin. Während die Abgeordneten im benachbarten Plenarsaal gerade den Haushalt für das kommende Jahr debattierten, füllte sich die Lobby vor dem Westeingang des Reichstagsgebäudes mit adventlichen Klängen – von weihnachtlichen Klassikern wie „Macht hoch die Tür“ bis hin zu einer Eigenkomposition des Leiters und Gründers der Chorarbeit des Johannesstifts, Jürgen Lindner. Sein selbst geschriebenes Weihnachtslied „Immer ein Lichtlein mehr“ wurde während der Feierstunde uraufgeführt.

Das Warten neu lernen

Der Pfarrer und Präsident der Diakonie Deutschland, Ulrich Lilie, bedankte sich bei den jungen Sängerinnen und Sängern und lobte die kindliche Vorfreude auf das heilige Fest. In der heutigen digitalisierten Lebenswelt, in der auf Anliegen und Fragen immer in Hochgeschwindigkeit Lösungen und Antworten erwartet würden, sei es „an der Zeit, das Warten wieder neu zu lernen“. Viele Menschen warteten darauf, so Lilie, dass andere Zeit für sie fänden – auch daran gemahne der Adventskranz. 

Ebenso sei es geboten, sich in Geduld zu üben. Das gelte für das menschliche Miteinander wie für den politischen Streit. Am Ende der adventlichen Zeremonie wurde eine der Kerzen angezündet. Diese brannte allerdings nur symbolisch für eine kurze Zeit, mehr erlaubt der Brandschutz im Reichstagsgebäude nicht.

Weihnachtsbaum aus dem Naturpark Soonwald-Nahe

Am späteren Donnerstagnachmittag nahm Bundestagsvizepräsident Dr. Hans-Peter Friedrich an der Westseite des Paul-Löbe-Hauses einen reich mit Holzschmuck verzierten Weihnachtsbaum, eine 15-jährige Nordmanntanne, feierlich in Empfang. Die vom Verband Deutscher Naturparke e. V. gestiftete Tanne kommt in diesem Jahr aus dem rheinland-pfälzischen Naturpark Soonwald-Nahe. Musikalisch begleitet wurde die Einweihung des Christbaumes ebenfalls von einem Kinderchor, bestehend aus 15 Viertklässlern der Lützelsoonschule Hennweiler. 

Die Naturparke, so Friedrich, sendeten mit diesem Baum „eine wichtige Botschaft an das Parlament, aber auch an die Großstadt Berlin“. Überall in der Hauptstadt würden dieser Tage Weihnachtsbäume aufgestellt – und vor allem Großstadtbewohner könnten dadurch erkennen, wie wichtig der ländliche Raum auch für sie sei. Dem pflichtete die Bundeswaldministerin Julia Klöckner (CDU) bei, die der Baumübergabe beiwohnte. „Der Wald ist unser größter Schatz in Deutschland“, betonte sie. Es gelte gerade in diesen Zeiten, in denen der Wald massiv bedroht sei – ob durch den Klimawandel oder den Borkenkäfer – die Nöte der Wälder ins Bewusstsein zu rufen. 

28 Prozent der Bundesfläche

Auf die Dringlichkeit der Bildung für Nachhaltigkeit und Naturschutz machten Friedel Heuwinkel, Präsident des Verbandes Deutscher Naturparke e. V., und die Vorsitzende des Naturparks Soonwald-Nahe, Landrätin Bettina Dickes, aufmerksam. Es sei deshalb besonders schön, dass Kinder den Baum an das Parlament übergeben. Der rheinland-pfälzische Naturpark, so Dickes, sei darüber hinaus eines der regenärmsten Gebiete Deutschlands. Es lohne sich also, dort seinen Urlaub zu verbringen.

Die Weihnachtsbaum-Spende durch den Verband Deutscher Naturparke hat seit 2002 Tradition im Bundestag. Der Verband möchte damit im politischen Berlin auf seine Arbeit aufmerksam machen. Aktuell gibt es 105 als solche ausgewiesene Naturparke in der Bundesrepublik, die zusammengenommen 28 Prozent der Fläche Deutschlands ausmachen. Die Ziele, die die Parke verfolgen, sind neben dem Erhalt von Natur und Landschaft auch Bildung in Sachen nachhaltiger Entwicklung. Auch sollen die Parke als Erholungsgebiete dienen und als Räume für nachhaltigen Tourismus genutzt werden können.

Weihnachtsschmuck der Lebenshilfe

„O du fröhliche“, eines der bekanntesten Lieder zur Weihnacht vom Dichter Johannes Daniel (1768–1826), erklang am Freitag, 29. November 2019, im Paul-Löbe-Haus, als die Bundesvereinigung Lebenshilfe e. V. traditionell ihre Weihnachtstanne an den Bundestag übergab.

Bereits zum 20. Mal läutet ein geschmückter Weihnachtsbaum die Adventszeit im Bundestag ein – begleitet von Weihnachtsliedern, die in diesem Jahr vom Chor der Lebenshilfe Rhön-Grabfeld vorgetragen wurden. Bundestagsvizepräsidentin Claudia Roth nahm den prachtvollen Baum entgegen, der mit roten Sternen und Weihnachtsmann-Mützen aus Pappmaché, mit Engeln, Kugeln und Tannenbäumchen aus Holz geschmückt war – gefertigt von der Lebenshilfe Rhön-Grabfeld.

Baumübergabe mit Bundestagsabgeordneten und Ministern

Die Bundesvorsitzende der Lebenshilfe, die Abgeordnete Ulla Schmidt (SPD), begrüßte Vizepräsidentin Roth, Bundesjustizministerin Christine Lambrecht (SPD), Staatsministerin Dorothee Bär (CSU), die Ministerpräsidentin von Rheinland-Pfalz, Malu Dreyer (SPD), den Behindertenbeauftragten der Bundesregierung, Jürgen Dusel (SPD), den Fraktionsvorsitzenden der SPD im Bundestag, Dr. Rolf Mützenich, die Präsidentin der Parlamentarischen Gesellschaft, Michaela Noll (CDU/CSU), sowie zahlreiche Abgeordnete aller Fraktionen des Deutschen Bundestages, die ins Paul-Löbe-Haus gekommen waren.

Ulla Schmidt dankte für die „wundervolle Tanne“, die wie jedes Jahr farbenfroh sei „wie unsere Gesellschaft“. Sie dankte den Abgeordneten für deren Unterstützung von Menschen mit Behinderung und sagte: „Wir haben gemeinsam und fraktionsübergreifend viel erreicht, aber ein besonderer Erfolg ist es, dass das Wahlrecht aller Menschen mit Behinderung endlich durchgesetzt werden konnte.“ Denn „Teilhabe statt Ausgrenzung von Menschen mit einer Behinderung“ sei heute wichtiger denn je, es komme auf „Vielfalt in unserer Gesellschaft“ an. „Eine große Errungenschaft ist auch das Angehörigen-Entlastungsgesetz, mit dem Familien unterstützt werden, sowie die unabhängige Teilhabeberatung“, sagte Ulla Schmidt.

„Es ist normal, verschieden zu sein“

Die Bundestagsvizepräsidentin bedankte sich bei allen, die an dem „wunderbaren Schmuck“ für diese Tanne mitgewirkt hätten. „Für mich ist es eine besondere Ehre und große Freude, diesen Weihnachtsbaum im Deutschen Bundestag, der Herzkammer der Demokratie, entgegennehmen zu dürfen. Er strahlt Herzenswärme und Liebe aus, in Zeiten, in denen wir Ausgrenzung und Spaltung erleben“, sagte Roth.

Das Motto der Lebenshilfe „Es ist normal, verschieden zu sein“, sei wichtiger denn je. „Deshalb sollten wir zusammenhalten und im 70. Jahr des Grundgesetzes deutlich machen, dass jeder einzelne Mensch zählt, denn die Würde des Menschen ist unantastbar“, sagte Claudia Roth abschließend. (bsl/ste/29.11.2019)  

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