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Rede von Reuven Rivlin bei der Gedenkstunde für die Opfer des Nationalsozialismus

Sehr geehrter Herr Bundespräsident,

sehr geehrte Frau Büdenbender,

sehr geehrter Herr Bundestagspräsident,

sehr geehrte Damen und Herren Bundestagsvizepräsidenten,

sehr geehrte Abgeordnete,

sehr geehrte Frau Bundeskanzlerin,

sehr geehrter Herr Bundesratspräsident,

sehr geehrter Herr Präsident des Bundesverfassungsgerichts,

verehrte Botschafter,

liebe Überlebende der Shoa,

liebe Angehörige der Familien Goldin und Sha‘ul, die hier anwesend sind,

verehrte Gäste!

Ich möchte meine Rede mit einem uralten hebräischen Gebet beginnen, dem Yizkor-Gebet, dessen ursprüngliche Version erstmals vor zirka 1000 Jahren hier auf deutschem Boden verfasst wurde. Bis heute begleitet dieses Gebet das jüdische Volk. Mit ihm gedenkt man derjenigen, die einem lieb und teuer sind.

Yizkor – Möge Gott und möge das jüdische Volk erinnern an die Seelen aller Opfer der Shoa und der Helden der Shoa, an die Seelen abertausender Juden, die in der Shoa ermordet worden sind: Sechs Millionen Männer und Frauen, Kinder, Mädchen und Jungen, junge Männer und junge Frauen, Greise und Kleinkinder, die getötet, massakriert und ermordet, worden sind, auf verschiedene und furchtbare Weise von den deutschen Nazi-Mördern und ihren Helfern aus anderen Nationen. Richter unserer Welt, erinnere die Blutströme, die wie Wasser geflossen sind, den Schwur „Schma Israel“ – Höre, Israel! – den die in den Tod Getriebenen gerufen haben. Verstumme nicht. Und erlaube jenen, die gefoltert wurden, vor Deinen Thron zu treten. Im Leben wurden sie geliebt und geachtet, im Tod wurden sie nicht getrennt. Mögen sie in Frieden ruhen. Und wir sagen: Amen.

Meine Damen und Herren, 

ich wurde im September 1939 in Jerusalem geboren. Als sich die Tore der Todeslager öffneten, kamen meine Kameraden und ich gerade in die erste Klasse. Wir wussten wenig über das Ausmaß der Gräuel. Nach und nach begegneten wir Überlebenden und hörten ihre Zeugnisse. Bei ihnen sahen wir zum ersten Mal die Nummer auf dem Unterarm. Anfangs meinten wir, dass diese Menschen ihren Verstand verloren hatten. Aber langsam begriffen wir, dass es die Welt war, die den Verstand verloren hatte.

Am 19. August 1965 – und ich erinnere mich, als ob es gestern gewesen wäre – demonstrierte ich gegen die Ankunft des ersten deutschen Botschafters, Pauls, in Israel. Zehn Jahre zuvor hatte ich an den Demonstrationen gegen das Zahlungsabkommen zwischen Israel und Deutschland teilgenommen. Ich protestierte damals gegen etwas, das ich für Defätismus hielt. Mir schien, als würde man versuchen, die Gräuel zu vertuschen.

Heute stehe ich hier vor Ihnen, zusammen mit Ihnen.

Deutschland hat sich die Vergebung der Juden nicht erkauft. Es stimmt, dass die Zahlungen dem jungen Staat Israel Leben gegeben haben. Tatsächlich waren es aber Deutschlands Annahme seiner Verantwortung für die Shoa der Juden und die öffentliche, beständige und andauernde Auseinandersetzung Deutschlands mit seinen Verbrechen, die es möglich gemacht haben und es auch heute ermöglichen, ein neues Kapitel in unseren Beziehungen aufzuschlagen. Israel und Deutschland beschreiten heute gemeinsam mit Anspannung und Mut den Weg zwischen Vergangenheit und Zukunft, zwischen der Verpflichtung zu erinnern und niemals zu vergessen und dem Engagement für die Zukunft, die uns vorgibt, den Blick nach vorne zu richten und auf der Grundlage gemeinsamer Werte und Interessen zusammenzuarbeiten.

Sehr geehrte Damen und Herren,

nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs arbeitete insbesondere Westeuropa daran, ein neues Europa aufzubauen - ein Europa, das für die ganze Welt eine Vision von offenen Grenzen, von Kooperation, Menschen- und Bürgerrechten skizziert hat. Dabei war Auschwitz das Warnzeichen, das im Herzen des in der Folgezeit entstehenden Projekts der Europäischen Union gestanden hat. Die Architekten der Europäischen Union hatten die Verpflichtung vor Augen, eine Wiederholung der Shoa zu verhindern. Rassismus, Nationalismus und Krieg sollten sich nicht wiederholen.

Im Lauf der Jahre, nach tiefgründiger Auseinandersetzung mit der Zerstörung, die Nazi-Deutschland über das jüdische Volk, über Europa, über die gesamte Menschheit gebracht hatte, geht ausgerechnet Deutschland als führende Kraft eines neuen, eines geeinten Europa hervor. Derselbe Staat, der die freie Welt in Angst und Schrecken versetzt hatte, wird nun zum Leuchtturm von Demokratie und Liberalismus, von Verantwortung und Besonnenheit. Sie, verehrte Frau Bundeskanzlerin, werden oft „Leader of the Free World“ genannt.

Auf den Schultern Deutschlands lastet eine schwere Verantwortung. Sie ist insbesondere deshalb so schwer, weil Europa, wie andere Teile der Welt, wieder sein Antlitz verändert. Europa wird heute wieder von den Geistern der Vergangenheit heimgesucht. Überlegenheitsgefühle, nationalistische Reinheitsbestrebungen, Fremdenhass und ein hässlicher, unverhohlener Antisemitismus schweben über Europa. Von rechts bis zur extremen Linken, dringt Antisemitismus bis ins Herz der europäischen Führung vor.    

Nun muss ich gleich klarstellen: Wir befinden uns nicht in den 1930er Jahren. Wir stehen nicht an der Schwelle einer zweiten Shoa oder etwas Ähnlichem. Dennoch können wir den alt-neuen Antisemitismus, den Rassismus und den Fremdenhass nicht ignorieren, die erneut ihr Haupt erheben und sich besonders gegen Juden, Muslime und Ausländer richten.

Ich bin mir bewusst, dass ein Teil der Angriffe auf Juden von Muslimen verübt wird, und ich will das keineswegs unterschätzen. Und doch ist es kein Zufall, dass es ein Rechtsextremer war, der am vergangenen Yom Kippur einen Anschlag auf die jüdische Synagoge in Halle zu verüben suchte. Und als er keinen Erfolg hatte, griff er ein muslimisch geführtes Geschäft an. Herr Bundespräsident Steinmeier, wir wissen es sehr zu schätzen, dass Sie am Tag danach den Anschlagsort besuchten. Es stimmt, dass Juden das erste Angriffsziel von nationalistisch-rassistischen Bewegungen über Grenzen und Kontinente hinweg sind. Doch manchmal verbergen politische Parteien mit antisemitischen Wurzeln ihren Judenhass und bekunden öffentlich ihren Hass auf Muslime. - Antisemitismus.

Ich und das israelische Volk, wir wissen die Anstrengungen zutiefst zu schätzen, die die Bundesregierungen seit Adenauer unternommen haben, um Antisemitismus und Rassismus zu beseitigen. Über Generationen hinweg haben deutsche Regierungen und auch die Regierungen unter Ihrer Führung, sehr geehrter Herr Bundespräsident und sehr geehrte Frau Bundeskanzlerin, sich beispiellos für das Erinnern und Gedenken, die Bekämpfung von Holocaustleugnung und für die Bildung kommender Generationen engagiert.

An dieser Stelle möchte ich auch Ihnen, Herr Bundestagspräsident, und der Bundesregierung für die Unterstützung der seit fünf Jahren betriebenen Sanierung der jüdischen Friedhöfe in Osteuropa danken. Wir begrüßen dieses fortlaufende Engagement. Gleichzeitig teilen wir Ihre Sorge, dass es eine Kluft gibt. Es existiert eine Kluft zwischen diesem Engagement und der Hartnäckigkeit eines tiefsitzenden, eines unvorstellbar chronischen Antisemitismus.

In den ersten Jahrzehnten nach dem Zweiten Weltkrieg hatte ich geglaubt, dass, nach dem was geschehen war, das menschliche Verständnis für den Tod und die Zerstörung, zu denen der Hass geführt hatte, ausreichen würde, um den Antisemitismus für immer aus der Welt zu verbannen. Heute begreife ich leider, dass dies nicht der Fall ist. Auch ich als Angehöriger des jüdischen Volkes besitze kein Patentrezept zur Beseitigung des Antisemitismus.

Und dennoch stehe ich hier, um Ihnen zu sagen, dass der Staat Israel und Deutschland wahre Partner sind in diesem unverzichtbaren, moralischen und, ja, vielleicht ewig dauernden Kampf gegen Antisemitismus und Fremdenhass, die hier vor 75 Jahren zur Vernichtung der Menschlichkeit geführt haben.

Das jüdische Volk ist ein Volk, das sich erinnert. Wir erinnern uns nicht aus einem Gefühl der Erhabenheit heraus. Wir erinnern uns nicht, um uns in der Erinnerung an die Gräueltaten zu wälzen oder aus einem Gefühl der Selbstgerechtigkeit heraus. Wir erinnern uns, weil wir verstanden haben, dass sich die Geschichte ohne Erinnern wiederholt.

Nicht nur Juden, und mit ihnen Roma, Sinti, Polen und Zigtausende andere Menschen, gingen in den Krematorien in Auschwitz in Flammen auf. Menschenwürde, Freiheit, menschliche Solidarität - all dies hat sich in den Krematorien in Auschwitz in Rauch aufgelöst. Und das ist die zentrale, die erschütterndste Lektion der Shoa - dass so etwas wie die Shoa geschehen kann.

Wir haben Hochachtung vor den Anstrengungen Deutschlands und vor der Rolle, die Deutschland international im Kampf gegen Antisemitismus und Rassismus einnimmt. Aber gleichzeitig wissen wir heute alle, dass dies kein Kampf ist, der ein für alle Mal gewonnen werden kann. Dies ist ein Kampf, den wir von Generation zu Generation weiterführen müssen, um Tag für Tag die Umtriebe zu entwurzeln, wo immer sie wachsen. Wir dürfen nicht nachgeben. Deutschland darf hier nicht versagen.

Deutschland, das Land, in dem die „Endlösung“ geplant worden ist, hat die Verantwortung dafür übernommen, nationalliberale Werte zu verteidigen, wenn sie von Wellen des Populismus ausgehöhlt werden. Wenn in Deutschland der Versuch scheitert, die Katastrophe zu verhindern, wird der Versuch wahrscheinlich überall scheitern. Wenn dort, wo die Shoa der Juden geboren wurde, Juden nicht frei leben können, werden Juden nirgendwo in Europa angstfrei leben können.

Ich wende mich an Sie, verehrte Abgeordnete, unsere Freunde: Europa und die ganze Welt richten den Blick auf Deutschland. Die Verantwortung obliegt Ihnen. Ich sage das nicht, weil ich Moral predigen möchte, sondern aus einem Gefühl der Partnerschaft heraus, einem Gefühl der Sorge, einem Gefühl des Respekts und der Hochachtung vor den Anstrengungen, die Sie unternehmen.

Ich weiß, dass Sie viele Herausforderungen zu meistern haben. Zusammen mit seinen Bündnispartnern kommt Deutschland in der Europäischen Union eine führende Rolle zu. International hat es eine führende Rolle in der Bekämpfung des Klimawandels und der Verpflichtung, sich mit der internationalen Flüchtlings- und Migrationskrise auseinanderzusetzen. Ich glaube und wünsche mir, dass die Bürger Deutschlands und ihre Regierung auch in den kommenden Jahrzehnten Hass und Hetze bekämpfen werden und weiterhin ein Beispiel für eine Führungsrolle geben werden, für die das Engagement für die Geschichte, für Verantwortung, Mäßigung und Toleranz ihr Leitmotiv ist.

Ich möchte meine Unterstützung für die Bundesregierung zum Ausdruck bringen, für ihren Mut und ihre Entschlossenheit, für ihre laute und klare Stimme. Auch wenn wir Antisemitismus und Rassismus nicht für immer verschwinden lassen können, werden wir es niemals zulassen, dass sie wieder die Oberhand gewinnen.

Sehr geehrte Damen und Herren,

zwischen uns gibt es auch Differenzen. Tiefgehende Meinungsverschiedenheiten unter wahren Freunden, wenn es um den Versuch geht, eine Einigung mit dem Regime im Iran zu erzielen. Ich weiß, dass einige der Meinung sind, dass wir zwischen der Rhetorik des iranischen Regimes und dessen tatsächlicher Politik unterscheiden müssen. Doch besonders am heutigen Tag möchte ich Ihnen sagen: Wir haben nicht das Privileg, die Politik des Regimes oder seine Rhetorik zu ignorieren. Wir wissen alle nur zu gut, wie gefährlich eine zu Hass aufrufende Rhetorik, eine zur Vernichtung Israels aufrufende Rhetorik, ist. Wir alle wissen, wie mächtig sie sein kann.

Wir führen keinen Krieg gegen das iranische Volk, im Gegenteil. Zwischen den Völkern bestehen warme, bedeu­tungsvolle Beziehungen. In Israel lebt eine große Gemeinschaft iranischstämmiger Juden, eine Gemeinschaft, die stolz auf ihr Erbe und ihre Kultur ist. Doch zu unserem Bedauern ist die Bedrohung, die das Regime im Iran heute darstellt, keine theoretische Frage. Für uns ist dies eine existentielle Frage. Nicht wir haben das so definiert, sondern das iranische Regime, das eindeutig erklärt, dass es darauf abzielt, den Staat Israel zu zerstören und dass unsere Vernichtung sein politisches Ziel ist.

Wir befinden uns nicht im Jahr 1938. Und dennoch werden wir unsere Augen nicht davor verschließen, dass der Iran Terrororganisationen an unseren Grenzen Hunderte Flugzeuge und Lkws voller gefährlicher Waffen zukommen lässt, darunter Präzisions-Raketen, die ein Ziel haben: Sie sollen Tel Aviv, Jerusalem, Haifa, Beer Sheva und andere israelische Städte treffen.

Ich begrüße den Aufruf dieses Hauses, nicht zwischen dem politischen und dem militä­rischen Arm der Hizbollah zu unterscheiden und auch den politischen Arm als Terrororganisation einzustufen und die Hizbollah außerhalb des Gesetzes zu stellen. Ich rufe die Bundesregierung auf, diesen notwendigen Aufruf zu verabschieden.

Der Staat Israel kann sich gegen das iranische Regime und seine Handlanger verteidigen. Wir werden nicht zögern, dies zu tun. Aber ich bin auch der Meinung, dass ein Regime, das die Vernichtung eines anderen Staates in Worten und Taten anstrebt, dass ein Regime, das seine politische Vision durch Terror, Hass, Tod und Zerstörung, durch die Ermordung unschuldiger Zivilisten überall auf der Welt durchsetzt, dass ein solches Regime den Frieden auf der ganzen Welt gefährdet. Gegenüber einer solchen politischen Vision, gegenüber einem solchen Regime, gibt es nur eine Möglichkeit: Wir müssen es isolieren, es ächten, bis seine mörderischen Bestrebungen bezwungen sind.

Liebe Freunde,

die Konflikte im Nahen Osten scheinen oft besonders komplex zu sein. Der israelisch-palästinensische Konflikt ist längst zu einer langjährigen Tragödie für beide Völker geworden – für das israelische Volk und für das palästinensische Volk. Doch ich bin überzeugt, dass auch er sich wie andere Konflikte auf der Welt beenden lässt. Gestern Abend sahen wir in Washington Momente, die große Hoffnung wecken können. Nach langjährigem Stillstand im Friedensprozess hat Präsident Trump einen Plan vorgestellt, der es beiden Völkern ermöglichen könnte, die Gesprächskanäle wieder zu nutzen, um Fortschritte in Richtung einer gemeinsamen Zukunft zu machen. Das wird nicht einfach sein. Beide Seiten müssen den Plan eingehend studieren. Es ist ein Plan, der tiefe, schwierige und komplexe Zugeständnisse von beiden Seiten verlangt. Aber wir dürfen nicht aufgeben. Denn wer aufgibt, vergibt eine Chance, und ich weigere mich, dies zu tun.

Die Grundlage jeder Lösung muss ein tiefer Respekt für Menschenleben sein und die Überzeugung, dass „auf der anderen Seite“ Menschen leben, die leben wollen, so wie wir. Jede Seite hat ihre Wahrheit, ihre Ängste und ihre Hoffnungen. Trotzdem, trotz der Schwierigkeiten, müssen wir nach kreativen Lösungen suchen, die Sicherheit und Stabilität bringen, um Wohlstand und Wachstum für beide Seite zu ermöglichen. Ich hoffe, dass dieser Plan unter Berücksichtigung dieser Grundprinzipien umgesetzt wird und zu einer besseren Realität für uns alle führen wird.

Die Stärke des Staates Israel macht uns in den Augen vieler Menschen auf der Welt zu Goliath und die Palästinenser zu David. Wir sind nicht David und sie sind nicht Goliath. Wir sind nicht Goliath und sie sind nicht David. Im Lauf der Jahre waren und sind Israels Kraft und Stärke der Schlüssel und nicht das Hindernis zum Frieden. So verhielt es sich mit Ägypten und auch mit Jordanien.

Es stimmt, dass die Beziehungen zwischen Israel und den Palästinensern nicht symmetrisch sind, aber unsere Fähigkeit, eine politische und diplomatische Lösung zu finden, hängt vom Vermögen beider Seiten ab, einander zu vertrauen. Wir müssen gegenseitiges Vertrauen aufbauen. Die Zukunft des Nahen Ostens und die Integration Israels in diese Region hängen von der Schaffung eines solchen Vertrauens ab. Ich danke der Bundesregierung für ihre tiefe Verpflichtung für Israels Sicherheit und ihre Hilfe beim Aufbau von gegenseitigem Vertrauen zwischen uns und den Palästinensern.

Sehr geehrte Damen und Herren,

zusammen mit mir befinden sich hier heute die Familien Goldin und Sha‘ul. Vor fünfeinhalb Jahren wurden im Verlauf der militärischen Operation Protective Edge die israelischen Soldaten Oberleutnant Hadar Goldin und Unteroffizier Oron Sha‘ul getötet. Ihre sterblichen Überreste werden noch immer von der Hamas zurückgehalten. Wir bitten Deutschland und die gesamte internationale Gemeinschaft abermals um Hilfe bei der Rückführung unserer Söhne nach Hause, und mit ihnen unserer Zivilisten, die von der Hamas völkerrechtswidrig und gegen jede Moral festgehalten werden.

Hadar ist der Enkel von Holocaust-Überlebenden, Angehöriger der Dritten Generation. Während seines Besuchs mit seinen Mitschülern im Vernichtungslager Auschwitz schrieb Hadar einen Brief an seine Familie. Darin sagte er: „Ich werde jetzt den Waggon verlassen. So wie viele andere Juden wie ich. Sie sind ihre letzten Schritte gegangen. Ich gehe von hier auf dem Weg, den man mir gewiesen hat, um aus der Asche emporzuwachsen.“ Das waren seine Worte. Das jüdische Volk hat sich aus der Asche erhoben und einen jüdischen und demokratischen Staat gegründet. Demokratisch und jüdisch, beides im selben Atemzug.

Im Namen des israelischen Volkes danke ich Bundespräsident Steinmeier und den Abgeordneten und Präsidenten des Bundestages über die Jahre. Ich danke Ihnen für die echte Freundschaft und Partnerschaft und ich bete, dass wir weiterhin mutig in die Vergangenheit schauen, uns erinnern und aus ihr lernen können, und dass wir gemeinsam einen Weg in eine Zukunft der Toleranz, Freiheit und des Wachstums ebnen werden.

Möge die Erinnerung an unsere Brüder und Schwestern, der Opfer der Shoa, und derjenigen, die gegen die Nazis gekämpft haben, unter ihnen die Gerechten unter den Völkern, für immer in unsere Herzen eingeschrieben sein.

Seien Sie gesegnet.

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