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Edelstein und Schäuble legen am Holocaust-Mahnmal Kranz nieder

Knesset-Präsident Yuli-Yoel Edelstein (links) und Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble haben am 12. Februar am Holocaust-Mahnmal in Berlin-Mitte einen Kranz niedergelegt.

Knesset-Präsident Yuli-Yoel Edelstein (links) und Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble haben am 12. Februar am Holocaust-Mahnmal in Berlin-Mitte einen Kranz niedergelegt.

© DBT/Melde

Israels Parlamentspräsident Yuli Yoel Edelstein hat in Berlin dazu aufgerufen, gegen jene Kräfte anzukämpfen, die den Holocaust leugnen oder relativieren. Dies sei eine gemeinsame Verantwortung von Israelis und Deutschen, betonte Edelstein am Mittwoch, 12. Februar 2020, in einer Zeremonie am Mahnmal für die ermordeten Juden Europas in Berlin-Mitte, wo er zusammen mit Bundestagspräsident Dr. Wolfgang Schäuble einen Kranz niederlegte.

Edelstein: Symbol für Freundschaft und Zusammenarbeit

„Niemand hat uns das Recht gegeben, zu vergessen und zu vergeben. Wir müssen uns erinnern und gegen die kämpfen, die bestreiten und relativieren“, sagte der israelische Politiker, dessen Eltern selber zu den Überlebenden des nationalsozialistischen Völkermordes an den europäischen Juden zählten. 

„Ich glaube, wir haben beide schon Hunderte Male Kränze niedergelegt, aber heute ist es das erste Mal einer, der unsere beiden Fahnen trägt.“ Das mit Schleifen in den deutschen und israelischen Farben gezierte Blumengebinde, das er gemeinsam mit Schäuble am Mahnmal niederlege, sei ein Symbol für die Freundschaft und Zusammenarbeit beider Länder „mit Blick auf die Zukunft“.

„Mahnmal erinnert an die moderne Finsternis des Volkes Israel“

Edelstein nannte das Stelenfeld einen Ort, wo man „mit zerrissenem Herzen“ stehe. Dies sage er nicht nur als Israeli und Sohn von Überlebenden. Jeder normale Mensch müsse sich an einem solchen Ort Fragen stellen: „Welche Gedanken haben wir hier? Sind es Gedanken an Gaskammern und Tod? Oder an unsere Freundschaft und die Zukunft? Die Antwort lautet: Sowohl als auch.“ 

Das Mahnmal im Herzen Berlins erinnere an die „moderne Finsternis des Volkes Israel“. Indes: „Unsere Präsenz hier ist ein Zeugnis dafür, dass wir uns selbst aus dieser Zeit auf Adlerschwingen erhoben haben und ins Land Israel gezogen sind“, so wie es im Alten Testament vom Auszug der Kinder Israels aus der ägyptischen Gefangenschaft berichtet werde.

Schäuble: Die Relativierer und Leugner sind noch unter uns

Auch Schäuble erinnerte daran, dass die „Relativierer und Leugner noch immer unter uns“ seien und neuerdings sogar lauter würden. Sie seien aber in der Minderheit, und dies werde auch so bleiben, wenn die Demokraten ihre Verantwortung wahrnähmen. Es sei nicht die Stärke ihrer Gegner, vielmehr die Schwäche und Verantwortungslosigkeit der Demokraten selber, die eine demokratische Ordnung in Gefahr brächten. Auch daran erinnere das Mahnmal.

An den israelischen Gast gewandt, sagte Schäuble: „Es bewegt mich sehr, mit Ihnen als Sohn von Überlebenden des Holocausts gemeinsam zu gedenken.“ Dies sei eine Beweis des großen Vertrauens in Israel in den deutschen Staat. Zwischen Deutschland und Israel bestehe heute eine Beziehung, die über die Abgründe der Vergangenheit hinweg freilich nur habe wachsen können, weil die Deutschen sich zu ihrer Schuld bekannt hätten. Deutschland trage eine besondere Verantwortung für die Juden wie für den Staat Israel.

„Nie wieder solche Taten zulassen“

„Nie wieder Opfer“ sei nach dem Holocaust zur israelischen Staatsräson geworden, sagte Schäuble: „Nie wieder solche Taten zuzulassen – diese Verpflichtung ist Teil unseres Selbstverständnisses.“ Schäuble erinnerte an die mittlerweile zahllosen Stolpersteine in den Bürgersteigen deutscher Städte. Sie erzählten „eindringlich“ von den Menschen, die durch die Nationalsozialisten „aus unserer Mitte gerissen“ worden seien. Das Mahnmal sei in gewissem Sinne ein großer Stolperstein, der inmitten der deutschen Hauptstadt in Sichtweite des Bundestages die „bleibende Verantwortung“ sichtbar mache, die Opfer nicht zu vergessen.

Schäuble betonte: „Die besonderen Beziehungen zwischen unseren Ländern konnten über den Abgründen unserer Geschichte überhaupt nur wachsen, weil wir Deutsche uns zur Schuld, die unser Land trägt, bekannt haben.“ Beide Parlamente und ihre Präsidenten messen den engen und mittlerweile sehr vertrauten bilateralen Beziehungen große Bedeutung bei.

US-Friedensplan und Sicherheit in der Region

Im Mittelpunkt des vorangegangenen Gesprächs beider Parlamentspräsidenten standen neben den Beziehungen beider Parlamente die Themen Bekämpfung des Antisemitismus, die kurz bevorstehende dritte Parlamentswahl in Israel in diesem Jahr, der US-Friedensplan in Nahost und die Sicherheitslage in der Region.

Der israelische Parlamentspräsident hält sich auf Einladung Schäubles in Berlin auf, wo er unter anderen mit Bundespräsident Dr. Frank-Walter Steinmeier, Außenminister Heiko Maas und Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer zusammenkam. Am Mittwoch führte er im Bundestag Gespräche mit Mitgliedern des Auswärtigen Ausschusses und der Deutsch-Israelischen Parlamentariergruppe und wohnte der Regierungsbefragung im Plenum bei. (wid/12.02.2020)

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