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Weihnachtszeit im Deutschen Bundestag

Ein Weihnachtsbaum leuchtet vor der Fassade des Reichstagsgebäudes.

Es weihnachtet vor dem Westportal des Reichstagsgebäudes.

© DBT/Janine Schmitz/photothek

Die Weihnachtszeit ist eingeläutet, auch im Hohen Haus in Berlin. Während sich draußen nasskaltes Dezemberwetter ausgebreitet hat, hat sich der Deutsche Bundestag innerlich auf die bevorstehenden Weihnachtstage eingestellt – mit Adventsschmuck aus ganz Deutschland und dem Friedenslicht aus Bethlehem.

Letzteres hatte Bundestagsvizepräsidentin Yvonne Magwas (CDU/CSU) am Dienstag, 14. Dezember 2021, stellvertretend für das Parlament in Empfang genommen. Digital übergeben wurde das Licht von einer Delegation der Ringe deutscher Pfadfinderinnen- und Pfadfinderverbände. Bereits Montag, 6. Dezember 2021, nahm Bundestagspräsidentin Bärbel Bas einen festlich geschmückten Christbaum von der Bundesvereinigung Lebenshilfe entgegen. Vizepräsidentin Petra Pau (Die Linke) bekam am Mittwoch, 1. Dezember 2021, einen sogenannten Wichernkranz vom Evangelischen Werk für Diakonie und Entwicklung überreicht. Und einen Tag später nahm Claudia Roth (Bündnis 90/Die Grünen), zu diesem Zeitpunkt Vizepräsidentin, im Paul-Löbe-Haus eine Weihnachtstanne als Geschenk des Verbands Deutscher Naturparke in Empfang.

Friedenslicht aus Bethlehem

Die Übergabe des Friedenslichts aus Bethlehem durch eine Gruppe junger Pfadfinderinnen und Pfadfinder fand wegen der Pandemie auch in diesem Jahr wieder auf digitalem Wege statt.

Als „Botschafter des Friedens“ solle das Licht durch die Welt reisen und Hoffnung bringen, sagte Ylva Storm vom Verband christlicher Pfadfinderinnen und Pfadfinder während der Videokonferenz mit Bundestagsvizepräsidentin Magwas. Gleichzeitig erinnere es auch daran, „dass Frieden nichts ist, das auf magische Weise von alleine geschieht. Sondern etwas, das man beschützen und aktiv verbreiten muss“.

„Wir brauchen Befriedung in der Gesellschaft“

Das Friedenslicht tue uns allen gut, fügte Magwas (CDU/CSU) hinzu, die die Kerze stellvertretend für das Parlament symbolisch angezündet hatte. Die Adventszeit werde von vielen mit dem Frieden in Verbindung gebracht. Doch im Moment gebe es auch „viel Unfrieden in unserer Gesellschaft“. Proteste gegen Corona-Maßnahmen etwa und Fackelaufmärsche vor den Häusern von Politikern. Die Abgeordnete ist überzeugt: „Wir brauchen Befriedung in der Gesellschaft, und dazu kann das Friedenslicht vielleicht etwas beitragen.“

Nach Magwas' Worten sei das Licht auch ein Appell zur „friedlichen Debatte“ im Parlament. Ihren Kolleginnen und Kollegen wolle sie von der Übergabe berichten. „Sie können und sollen den Gedanken des Friedenslichts in ihre Wahlkreise und damit ins ganze Land tragen.“

„Ein Licht, das alle verbindet“

Die diesjährige Friedenslichtaktion stand unter dem Motto „Friedensnetz – ein Licht, das alle verbindet“. Das sei in der aktuellen Zeit besonders passend, sagte Tim Schweizerhof vom Bund der Pfadfinderinnen und Pfadfinder. Es verdeutliche, „dass wir allen Widrigkeiten zum Trotz miteinander verbunden sind“.

Die Aktion hat seit 28 Jahren Tradition in Deutschland. Das Licht wird in der Geburtsgrotte Jesu Christi in Bethlehem entzündet und mit dem Flugzeug zu einer zentralen Aussendefeier nach Wien gebracht. Von dort erreicht die Flamme jedes Jahr zur Weihnachtszeit Abertausende Wohnzimmer, Kirchen, Synagogen, Moscheen, Schulen, Krankenhäuser und andere Institutionen.

Nachhaltiger Baumschmuck

Traditionell fand außerdem auch in diesem Jahr im Paul-Löbe-Haus die Übergabe eines prachtvoll geschmückten Weihnachtbaumes durch die Bundesvereinigung Lebenshilfe statt. Zwar wurde die Weihnachtszeit wieder mit weihnachtlicher Musik willkommen geheißen, aber bedingt durch Corona nur in einem kleinen Rahmen. Begleitet von alten Weihnachtsliedern, die das Duo DramulettO aus Bielefeld mit Akkordeon und Cello spielte, wurde eine festlich geschmückte Tanne mit den besten Wünschen an alle Parlamentarier an die Bundestagspräsidentin übergeben.

Den Baumschmuck fertigten in diesem Jahr die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Werkhaus GmbH, einer Werkstatt für Menschen mit Behinderung der Lebenshilfe Bielefeld, an. Die Baumanhänger erinnern an die seit fast zwei Jahren andauernde Corona-Pandemie und wurden aus nicht mehr verwendbaren Corona-Schutz-Materialien verarbeitet und sind deshalb besonders nachhaltig. So fertigten die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus Mund-Nase-Bedeckungen kleine Weihnachtsengel, aus leeren Desinfektionsflaschen entstanden Nikolaushäuschen und Visiere verwandelten sich in Weihnachtssterne.  

Ulla Schmidt dankte den Abgeordneten

Ulla Schmidt (SPD), Bundesvorsitzende der Bundesvereinigung Lebenshilfe und langjährige Bundestagsabgeordnete, sagte bei der Baumübergabe: „Ich möchte mich in diesen, besonders für Menschen mit einer Behinderung schweren Zeiten, sehr herzlich für die Unterstützung der Abgeordneten des Deutschen Bundestages bedanken.“ Menschen mit Behinderungen hätten es auch in diesem zweiten Corona-Jahr immer noch sehr schwer gehabt. Familien duften nicht zusammenkommen und viele Werkstätten und Inklusionsbetriebe hätten nur eingeschränkt arbeiten können oder waren geschlossen.

„Viele Bundestagsabgeordneten haben aber fraktionsübergreifend immer ein offenes Ohr für die Sorgen der Menschen mit einer Behinderung gehabt und dafür bedanke ich mich sehr herzlich mit dieser wundervollen Tanne. Der Baumschmuck, der nachhaltig und mit Liebe gefertigt wurde, erinnert an die Corona-Pandemie – besonders auch daran, dass Teilhabe am gesellschaftlichen Leben für Menschen mit einer Behinderung enorm wichtig ist. Ich danke auch der neuen Ampel-Koalition, dass sie die Menschen mit einer Behinderung nicht vergessen hat, auch wenn es beim Thema Anspruch auf Pflegegeld noch Nachbesserungsbedarf gibt“, sagte Schmidt.

Bärbel Bas wünschte „optimistische Gedanken“

Bundestagspräsidentin Bas, die den geschmückten Weihnachtbaum stellvertretend für alle Abgeordneten entgegennahm, bedankte sich für die Idee, den diesjährigen Baumschmuck nachhaltig zu gestalten und das Thema Corona kreativ umzusetzen, was hervorragend gelungen sei. „Dieser Baumschmuck ist etwas ganz Besonderes und bekommt ein ganz besonders großes Dankeschön von den Parlamentariern, auch wenn wegen der Corona-Pandemie nur wenige Abgeordnete des Bundestages an der Baumübergabe der Bundesvereinigung Lebenshilfe teilnehmen können“, sagte Bas.

Das Thema Corona, das alle Menschen in diesem Land betrifft, ist als Baumschmuck perfekt umgesetzt und ist deshalb besonders gut geeignet, die Weihnachtszeit im Deutschen Bundestag einzuleiten. „Wir sollten uns alle daran erinnern, dass die Weihnachtszeit auch eine Zeit des Besinnens und des Innehaltens ist. Wichtig ist mir, dass wir im Bundestag an alle denken, die unsere Hilfe brauchen. Vor allem Menschen mit einer Behinderung dürfen nicht ins Hintertreffen geraten. In diesem Sinne wünsche ich allen optimistische Gedanken für das Fest der Freude und den Start in ein gutes neues Jahr“, fügte die Bundestagspräsidentin hinzu.

Am Ende der feierlichen Baumübergabe erklangen zwei alte Weihnachtslieder durch das Untergeschoss des Paul-Löbe-Hauses – gespielt vom Duo DramulettO aus Bielefeld. „O Tannenbaum, o Tannenbaum, wie treu sind deine Blätter!“ Ein Lied von Ernst Anschütz um 1800 und „Morgen Kinder wird’s was geben“ von Philipp von Bartsch (1770 bis 1833).

„Ein Baum der Hoffnung“

Ein fester Bestandteil der Adventszeit im Bundestag ist auch der Christbaum aus einem der mehr als 100 Naturparke in Deutschland, den Claudia Roth überreicht bekam. Die diesjährige Tanne auf der Galerie an der Westseite des Parlamentsgebäudes, der „Herzkammer der Demokratie“, wie die Grünen-Abgeordnete sagte, sei „ein Baum der Hoffnung für bessere Zeiten.“ Gewidmet all denjenigen, die wegen Corona seit vielen Monaten Übermenschliches leisteten, um Leben zu retten oder Kindern trotz Pandemie eine Kindheit zu ermöglichen. 

Mit seinem von Grundschülern gebastelten Weihnachtsschmuck erinnere der Baum die Abgeordneten daran, „dass wir hier da sind, um für die Zukunft dieser Kinder eine gute Politik zu gestalten“. Und, er verdeutliche die Verantwortung für das, „was uns reich macht“, so Roth. Die Schönheit und Einzigartigkeit der Naturparke etwa. Sie zu erhalten und zu beschützen sei Aufgabe des Bundestages.

Selbstgebastelte Adventssterne und Wünsche

Die rund vier Meter hohe Tanne stammt aus dem brandenburgischen Naturpark Dahme-Heideseen, dem Wahlkreis der Bundestagsabgeordneten Sylvia Lehmann. Die Sozialdemokratin zeigte sich beeindruckt von der Kreativität der Kinder, die den Baum außer mit Adventssternen und Kugeln im Stile der brandenburgischen Naturpark-Logos auch mit aufgeschriebenen Wünschen geschmückt hatten.

Nicht nur der Schmuck wurde liebevoll vorbereitet. Auch bei der Auswahl der Tanne habe man sich bemüht, einen stattlichen Baum zu finden, sagte der Leiter des Naturparks Dahme-Heideseen Carsten Preuß. Einen, „der etwas hermache“, schließlich solle er von den Mitarbeitern des Bundestages wahrgenommen werden und sie an die besinnliche Vorweihnachtszeit erinnern. Nach den Worten des Präsidenten des Verbandes Deutscher Naturparke, Friedel Heuwinkel, möge der Baum zudem „ein stückweit sinnbildlich sein für die enge Zusammenarbeit“.

Eine Zeit des Neuanfangs

Tradition im Bundestag hat auch das Weihnachtsgeschenk der Diakonie Deutschland: Bereits zum 14. Mal wurde im Reichstagsgebäude, genauer gesagt zwischen Abgeordnetenlobby und Plenarsaal, ein sogenannter Wichernkranz aufgestellt. Und doch bleibe auch dieses Jahr vieles anders als gewohnt, sagte Ulrich Lilie, Pfarrer und Präsident der Diakonie Deutschland. Kein Kinderchor wegen der Corona-Pandemie, kein gemeinsames Singen und Feiern in großer Runde. „Unsere Zeit ist von Abschieden von Gewohntem geprägt. Von Trauer um nun über 100.000 Tote allein in Deutschland und sehr viel Leid.“

Dabei sei die Adventszeit in der christlichen Tradition „die Zeit des Neuanfangs, des Umdenken-Lernens“, so Lilie. An Kirche, Diakonie und Politik appellierte er, mit Blick auf die Herausforderungen unserer Zeit vor allem jenen zuzuhören, die „nicht im Licht der Öffentlichkeit und auch nicht im Zentrum unserer Aufmerksamkeit stehen“. Mehr Aufmerksamkeit für „die Ungehörten“ forderte auch Vizepräsidentin Pau. Für die Einsamen, die wegen der Pandemie noch einsamer würden. Aber auch für Pflegekräfte und Ärzte ebenso wie für jene, die sich im Alltag um Kinder, Ältere und Hilfsbedürftige kümmerten. Die kommenden vier Wochen seien eine Zeit der Hoffnung und Vorfreude, so Pau. Aber auch der Sorgen und Erwartungen.

Die Geschichte des Adventskranzes

Die Ursprünge des Adventskranzes gehen zurück ins 19. Jahrhundert – wenn auch zunächst ohne Grün, dafür mit deutlich mehr Kerzen. Im Jahr 1839 soll der Hamburger Theologe, Sozialreformer und Wegbereiter des heutigen Diakonischen Werks Johann Hinrich Wichern damit ehemaligen Straßenkindern die Wartezeit auf das Weihnachtsfest erträglicher gemacht haben. Im Rauhen Haus, einem Heim für Kinder in Not, befestigte er so viele Kerzen auf einem Wagenrad wie es Tage vom ersten Advent bis Heiligabend waren. Rote für die Wochentage, weiße für die Sonntage. 

Ganz in der Tradition Wicherns zählt das Adventsgesteck im Bundestag in diesem Jahr 23 rote und vier weiße Kerzen. Musikalisch untermalt wurde die Übergabe des Kranzes, der in der Gärtnerei des Evangelischen Johannesstifts gebunden worden ist, mit Querflöte und Klavier. Im Anschluss zündeten Bundestagsvizepräsidentin Pau und der Diakonie-Präsident gemeinsam die erste Kerze an. Für ein paar Minuten leuchtete die kleine Flamme, bevor sie aus Brandschutzgründen wieder gelöscht wurde. (bsl/irs/14.12.2021)

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