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Ralph Brinkhaus: In den Be­ziehungen zu Indien muss mehr passieren

Ralph Brinkhaus (CDU/CSU) auf der Kuppel des Reichstagsgebäudes.

Ralph Brinkhaus (CDU/CSU) ist der Vorsitzende der deutsch-indischen Parlamentariergruppe des Bundestages.

© Tobias Koch

„Da geht mehr und da muss auch mehr passieren“, fordert der Vorsitzende der deutsch-indischen Parlamentariergruppe im Bundestag, Ralph Brinkhaus (CDU/CSU), im Blick auf die Beziehungen zwischen den beiden Ländern. Gerade im Vergleich zu China werde Indien zu wenig wahrgenommen. „Da gibt es zahlreiche Anknüpfungspunkte für eine Zusammenarbeit.“ Im Interview wirbt Brinkhaus für eine Intensivierung der deutsch-indischen Beziehungen und gibt Einblick in die Arbeit der Parlamentariergruppe. Das Interview im Wortlaut:

Herr Brinkhaus, Indien ist  neben China  die zweite aufsteigende Großmacht in Asien. Hierzulande wird der Subkontinent allerdings vielfach immer noch vor allem als exotische Reisedestination betrachtet, überkommene Klischees werden transportiert. Das wird der Bedeutung Indiens, dessen Bevölkerungszahl in diesem Jahr diejenige Chinas überholen soll, und dessen politischen, wirtschaftlichen und technologischen Ambitionen kaum gerecht. Wird Indien zu wenig als wirtschaftlicher und sicherheitspolitischer Partner wahrgenommen?

Gerade im Vergleich zu China wird Indien zu wenig wahrgenommen. Das gilt nicht nur für die Wirtschaftspolitik, sondern ganz besonders für die Sicherheits- und Klimapolitik. Da gibt es zahlreiche Anknüpfungspunkte für eine Zusammenarbeit.

Das Potenzial der Beziehungen zwischen Indien und Deutschland wird noch nicht ausgeschöpft? Sollten die Beziehungen intensiviert werden?

Es gibt und gab gute Kontakte zwischen dem Bundeskanzler und seiner Vorgängerin und dem indischen Premierminister Modi. Es gibt regelmäßig Regierungskonsultationen. Aber da geht mehr und da muss auch mehr passieren. Indien ist ein sehr selbstbewusstes Land und will zu Recht mehr gesehen und einbezogen werden. Wir waren in den vergangenen Jahrzehnten in unserer Asienpolitik aus sicherlich nachvollziehbaren Gründen stark auf China fixiert. Das sollten wir gerade vor dem Hintergrund der besorgniserregenden Entwicklungen in China auch aus eigenem Interesse schnell ändern.

Was tun Sie konkret als Bundestagsabgeordnete? Geben Sie einen Einblick in die Arbeit der deutsch-indischen Parlamentariergruppe!

Die Arbeit der Gruppe ist sehr vielfältig. Da ist zum einen der regelmäßige Kontakt auf der offiziellen Schiene mit der indischen Botschaft hier in Berlin aber auch mit unserer Vertretung in Indien. Darüber hinaus haben wir einen guten Draht zum Auswärtigen Amt und unseren in Indien vertretenen politischen Stiftungen. Das ist ganz wichtig, um gut informiert zu bleiben. Denn die deutschen Medien berichten nur begrenzt über Indien. Das Besondere an der deutsch-indischen Parlamentariergruppe ist, dass wir sehr viel Besuch bekommen. Das reicht von Politikern über Wissenschaftler und Wirtschaftsvertreter bis zu Menschenrechtsaktivisten. Und das sehen wir auch als unsere Hauptaufgabe an: Kontakte, Kontakte, Kontakte. Wir werden voraussichtlich im nächsten Jahr als Delegation nach Indien reisen und werden uns dort vor Ort mit indischen Kollegen treffen und natürlich auch zu einem Gegenbesuch einladen.

Mit Indien scheint es weniger Konflikte zu geben als mit China, vor allem was die Achtung der Menschenrechte und die Wertschätzung der Demokratie als Staatsform angeht. Kann Indien wegen dieser gemeinsamen Grundlage künftig für Deutschland eine wichtigere Rolle als internationaler Partner spielen?

Indien ist ohne Zweifel die größte Demokratie der Welt, wir haben gute, freundschaftliche  Beziehungen mit Indien und natürlich gibt es viele gemeinsame Werte. Das spricht dafür, dass wir unsere Zusammenarbeit intensivieren. Unter Freunden muss man aber auch ehrlich sein: Und zur Ehrlichkeit gehört dazu, dass wir immer mehr Rückmeldungen bekommen, dass die Toleranz im Umgang mit den verschiedenen Religionen und Ethnien, die die DNA des modernen Indiens ist, abnimmt. Und auch darüber wollen wir sprechen. Auf der anderen Seite wird von Indien aber zum Beispiel beklagt wie schwierig es ist, für Inder Visa in Deutschland zu bekommen. Das ist ein Thema, wo wir uns hinterfragen müssen.

Welches Interesse wird Ihnen als deutsche Parlamentarier von indischer Seite entgegengebracht?

Wir müssen immer im Hinterkopf behalten, dass Deutschland aus indischer Sicht zwar ein bedeutendes aber auch ein kleines Land ist. Dafür ist das Interesse wirklich groß. Das liegt auch an der guten Tradition der Zusammenarbeit in der Wirtschaft und, was oft vergessen wird, in der Wissenschaft.

Was liegt Ihnen in den deutsch-indischen Beziehungen besonders am Herzen?

Menschen und ganz besonders Politikerinnen und Politiker zusammenzubringen. Es kann nur etwas Gemeinsames entstehen wenn man sich kennenlernt und dafür ist es wichtig, dass man sich ständig auch persönlich begegnet.

Worauf werden Sie persönlich Ihre Energie in der deutsch-indischen Parlamentariergruppe richten?

Indien in Deutschland immer wieder auf die mediale Landkarte zu bringen. Deswegen: Ganz herzlichen Dank für die Möglichkeit zu diesem Interview. (ll/23.08.2022)

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