Sport

Anhörung zu Strategien gegen Diskriminierung und für Gleichstellung im Sport

Handschlag von Händen mit schwarzer und weißer Haut.

Anti-Diskriminierungskonzepte im Sport waren ein Thema im Sportausschuss. (picture alliance / imageBROKER | Heiner Heine)

Der Sportausschuss hat sich am Mittwoch, 21. September 2022, mit Strategien gegen Rassismus und Konzepten für Gleichstellung im Sport befasst - und dabei sehr viel Handlungsbedarf ausgemacht. „Was wissen wir“, fragte die Leipziger Sportsoziologin Dr. Petra Tzschoppe - und gab sich selbst die Antwort: „Zu wenig.“ Es fehle an übergreifenden systematischen Erhebungen, die einen Überblick über die Dimension des Problems böten. Vereinzelte Daten aus vereinzelten Bereichen gäben Hinweise, ergäben aber kein ganzes Bild.

„Wir brauchen mehr Wissen, mehr Daten“, sagte Tzschoppe. Klar sei aber, Rassismus, Vorurteile, Abwertungen gebe es im Sport genauso wie in der Gesellschaft - und das trotz des Wertekanons im Sport, wie zum Beispiel Fairness, Gleichbehandlung, Gemeinschaft. Unterschiede gebe es weniger zwischen verschiedenen Sportarten, eher hänge Diskriminierungserfahrungen- und Haltungen vom Bildungsgrad, sozialer Herkunft und Geschlecht ab. Auffällig große Unterschiede gebe es zwischen Ost- und Westdeutschland. Bemerkenswert sei zudem die sehr unterschiedliche Repräsentation in Führungs- und Funktionärskreisen der Vereine, Verbände, Organisationen.

Initiative für mehr Beteiligung beim DFB

Die Nationalmannschafts-Fußballspielerin Célia Sasić brachte sich selbst und ihre Funktion als Vizepräsidentin des DFB zuständig für Gleichstellung und Diversität als Zeichen dafür ins Gespräch, dass der Deutsche Fußball-Bund die Bedeutung des Themas verstanden habe und das Problem ernst nehme. Der sei nicht frei von Rassismus und Diskriminierung, das gelte für den Profisport genauso wie für den Amateursport. Verantwortlich machte Sasić dafür vor allem den starken Rückgang ehrenamtlichen Engagements. Deshalb habe der DFB eine Initiative für mehr Beteiligung gestartet, suche die Verbindung von Zivilgesellschaft und Sport. Werte müssten gelebt und vertreten werden, betonte sie.

Rolle des Publikums

Der Triathlet Martin Schulz vom Deutsche Behindertensportverband, Europameister, Weltmeister und Goldmedaillengewinner bei den Paralympics, gab zu Protokoll, er selbst sei nie Zeuge von Fehlverhalten geworden - und führte das zurück auf den Umstand, dass in seinem Fall das Publikum meist ein Fachpublikum sei und der Sport kein Ventil für anderes.

Von diesem anderen wusste hingegen Michael Gabriel, Leiter der Koordinationsstelle Fanprojekte, zu berichten. Nach seiner Beobachtung hat sich in den vergangenen Jahren rund um den Fußball eine Jugendkultur etabliert, die Verantwortung übernehme und im Stadion bei rassistischen Vorfällen dagegenhalte. Was er aber auch beobachte, seien Bemühungen interessierter Kreise, teils aus Mischszenen von Nazis, Rockern, Hooligans, Abwertung in Fanprojekte zu tragen. Da wünsche er sich neben einer stärkeren finanziellen Unterstützung der Fan-Projekte auch häufiger den Schulterschluss mit den großen Organisationen.

Strukturen militanter Neonazis im Kampfsport

Die Prävention von Gewalt und gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit, mit besonderem Fokus auf die in Deutschland zunehmenden Verbindungen zwischen extremen Rechten mit den Sektoren Kampfsport und Selbstverteidigung steht auch im Mittelpunkt des im Jahr 2020 gestarteten Modellprojekts „Vollkontakt - Demokratie und Kampfsport“.

Robert Claus berichtete von Strukturen militanter Neonazis im Kampfsport. Es gebe da einen großen Bereich, der durch traditionelle Vereine nicht mehr erreicht werde. Dann zeige sich die Doppelnatur des Kampfsports, der integrierend wirken könne - aber in menschenfeindlichen Gruppen auch Kampf- und Gewaltkompetenzen vermittle, in Gruppen, in denen zum Teil sportliche und weltanschauliche Kämpfe Hand in Hand gingen. Hier brauche es eine Sportpolitik, die die gesamte Landschaft des Kampfsports adressiere und auch versuche, den kommerziellen Markt zu erreichen.

Diskriminierung beim Thema „Sportprodukte für Damen“

Einen ganz anderen Blick warf Prof. Dr. Franz Konstantin Fuss, Biomechaniker an der Universität Bayreuth, der, von der technologischen Seite kommend, eine folgenreiche Diskriminierung von Frauen bei dem Thema „Sportprodukte für Damen“ ausmachte.

So gebe es keine speziellen Laufschuhe für Frauen, keine Studien zu Laufstilen von Frauen, und es fehle am entsprechenden Lehrpersonal an Universitäten.  (mis/21.09.2022)

Zeit: Mittwoch, 21. September 2022, 14 Uhr bis 16 Uhr
Ort: Berlin, Paul-Löbe-Haus, Sitzungssaal 4.300

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