Direkt zum Hauptinhalt springen Direkt zum Hauptmenü springen

Dokumente

Artikel

Adventszeit im Deutschen Bundestag eingeläutet

Menschen in roter Kleidung stehen vor einem geschmückten Baum in einer Halle und singen zum Dirigat einer Dirigentin.

Seit 15 Jahren wird ein geschmückter Weihnachtsbaum durch die Bundesvereinigung Lebenshilfe an die Abgeordneten des Parlamentes übergeben.

© DBT/photothek /Joerg Carstensen

Eine festlich geschmückte, grüne Tanne auf der einen Seite des Paul-Löbe-Hauses, ein Weihnachtsbaum samt Elch aus recyceltem Karton und Pappe auf der anderen: Im Deutschen Bundestag ist die Adventszeit eingeläutet. Wie in jedem Jahr stellt sich das Parlament mit Weihnachtsschmuck aus ganz Deutschland auf die bevorstehenden Festtage ein. 

Seit 15 Jahren ist es Tradition, dass ein wundervoll geschmückter Weihnachtsbaum durch die Bundesvereinigung Lebenshilfe an die Abgeordneten übergeben wird. In diesem Jahr wurde die Weihnachtszeit mit dem Lied „Ist da jemand“ des Berliner Musikers und Komponisten Adel Tawil eingestimmt – vorgetragen vom Chor „Notenträume“ der Lebenshilfe aus Braunschweig. Anschließend wurde die festlich geschmückte Tanne am Mittwoch, 23. November 2022, mit den besten Wünschen an alle Parlamentarier an die Bundestagspräsidenten Bärbel Bas übergeben

Nachhaltiger Schmuck von der Lebenshilfe Mettmann

Den Baumschmuck fertigten in diesem Jahr Menschen aus verschiedenen Freizeitgruppen, der Frühförderung und aus Außenwohngruppen der Lebenshilfe Mettmann. Unter dem Motto weihnachtliches Upcycling, bei dem der Nachhaltigkeitsaspekt im Vordergrund stand, fertigten Menschen mit Beeinträchtigungen aus Trinkjoghurtgefäßen, Innenteilen von Toilettenpapier-Rollen, aus Klaviernoten, leeren Milch- und Eierkartons sowie Pappe und Orangenscheiben Weihnachtsbaumanhänger. 

Die Sterne, Kugeln, Engel, Tannen und Papierketten schmücken den Weihnachtbaum im Paul-Löbe-Haus und die Abgeordneten sollen sich in der Adventszeit daran erfreuen. 

Ulla Schmidt dankt Abgeordneten 

Die Vorsitzende der Bundesvereinigung Lebenshilfe und langjährige Bundestagsabgeordnete, Ulla Schmidt (SPD), sagte bei der Baumübergabe im Paul-Löbe-Haus: „Ich möchte mich zunächst beim Chor ,Notenträume' für die schöne Einstimmung in die Adventszeit und bei den Menschen der Lebenshilfe Mettmann für die wundervollen Weihnachtbaumanhänger bedanken“. Die vergangenen Jahre seien besonders für Menschen mit einer Beeinträchtigung schwierig gewesen, deshalb gelte ihr Dank den Abgeordneten des Deutschen Bundestages für deren großartige Unterstützung.

Nach langer Zeit der Entbehrungen während der Coronazeit können sich Menschen wieder in den Arm nehmen, Familien können wieder zusammenkommen und das fühle sich großartig an. Viele Bundestagsabgeordneten hätten „fraktionsübergreifend immer ein offenes Ohr für die Sorgen der Menschen mit einer Beeinträchtigung und tragen dazu bei, dass wir in der Gesellschaft Stück für Stück vorankommen“. Das Motto müsse weiter sein: „Es ist normal, verschieden zu sein“. „Die Lebenshilfe bedankt sich deshalb heute sehr herzlich mit dieser wundervollen Tanne, die den Abgeordneten des Bundestages Freude bereiten soll“.

Bas wünschte allen optimistische Gedanken 

Bundestagspräsidentin Bas nahm den geschmückten Weihnachtsbaum stellvertretend für alle Bundestagsabgeordneten entgegen und bedankte sich herzlich für die Idee, auch den diesjährigen Baumschmuck nachhaltig zu gestalten, was wunderbar gelungen sei. „Der Weihnachtsbaum der Lebenshilfe wird seit 15 Jahren an den Deutschen Bundestag übergeben und ist etwas ganz Besonderes. Er ist Erinnerung, Mahnung und Aufforderung an die Parlamentarier, sich für die Teilhabe der Menschen mit einer Beeinträchtigung einzusetzen und in unseren Bemühungen nicht nachzulassen“, sagte die Bundestagspräsidentin.

Die Tanne und der Baumschmuck seien perfekt geeignet, die Weihnachtszeit im Deutschen Bundestag einzuleiten. „Erinnern wir uns daran, dass die Weihnachtszeit auch eine Zeit des Innehaltens ist“, sagte Bas. Besonders wichtig sei ihr, dass im Bundestag an alle gedacht wird, die Hilfe brauchen und besonders Menschen mit einer Beeinträchtigung dürften nicht vergessen werden. „In diesem Sinne wünsche ich allen ein besinnliches und friedliches Fest und einen hoffnungsvollen Start in ein gutes neues Jahr“, sagte die Bundestagspräsidentin.

Am Ende der feierlichen Übergabe des geschmückten Weihnachtsbaumes sang der Chor „Notenträume“ eines der bekanntesten deutschen Weihnachtslieder „Leise rieselt der Schnee“, dessen Text und Melodie der evangelischen Pfarrer Eduard Ebel im Jahr 1895 verfasste.

Weihnachtsbaum aus recyceltem Karton und Pappe

Ein fester Bestandteil der Adventszeit im Bundestag ist auch der Christbaum aus einem der mehr als 100 Naturparke in Deutschland, den Vizepräsidentin Petra Pau (Die Linke) am Dienstag, 29. November 2022, überreicht bekam. Anders als sonst schmückt in diesem Jahr jedoch keine grüne Tanne die Fensterfront an der Westseite des Paul-Löbe-Hauses, sondern ein rund fünf Meter hoher Weihnachtsbaum aus recyceltem Karton und Pappe. Verziert mit selbstgebasteltem Schmuck von Schülerinnen und Schüler der Naturparkschule Blankensee.  

„Damit habt ihr uns eine ganz große Freude gemacht“, sagte Pau in Richtung der Kinder und auch Sylvia Lehmann (SPD), die ihren Wahlkreis im Naturpark Nuthe-Nieplitz hat, freute sich sehr, dass sie ihren Weg in den Bundestag gefunden hatte. Gemeinsam stimmte sie schließlich alle in das Lied „Schneeglöckchen, Weißröckchen“ ein. 

Botschaft von Nachhaltigkeit und Klimaschutz

Der Baum stammt aus dem Naturpark Nuthe-Nieplitz in Brandenburg und steht stellvertretend für das Bündnis der Nationalen Naturlandschaften, zu dem sich 104 Naturparke, 16 Nationalparke, drei Wildnisgebiete und 17 Biosphärenreservate in Deutschland zusammengeschlossen haben. Er soll, so die Idee, neben einer vorweihnachtlichen Stimmung auch die Botschaft von Nachhaltigkeit und Klimaschutz in den Deutschen Bundestag tragen. Das sei für die Nationalen Naturlandschaften besonders wichtig, sagte Friedel Heuwinkel, Präsident des Verbandes Deutscher Naturparke. 

Dass der Baum zudem ganz ohne Beleuchtung auskomme, sei auch als Zeichen in Zeiten der Energieknappheit zu verstehen, ergänzte Kordula Isermann. Die Leiterin des etwa 70 Kilometer südwestlich von Berlin gelegenen Naturparks Nuthe-Nieplitz verriet zudem, was es mit dem aus Karton und Pappe gefertigten, annähernd lebensgroßen Elch auf sich hat. Seit 2018 nämlich lebe ein solches Tier in dem Wildnisgebiet am Rande der Hauptstadt. Jan Wildefeld, Geschäftsführer vom Verein Nationale Naturlandschaften, betonte dass der besondere Schmuck nicht nur deshalb nachhaltig sei, weil er zu 99 Prozent aus recyceltem Material bestehe, sondern auch weil er jedes Jahr von neuem genutzt werden könne. 

Ein Licht der Hoffnung

Tradition im Hohen Haus hat auch das Weihnachtsgeschenk der Diakonie Deutschland: Bereits zum fünfzehnten Mal bekamen die Abgeordneten am Mittwoch, 30. November 2022, einen sogenannten Wichernkranz für ihre Lobby. Und während der Jugendchor des Evangelischen Johannesstifts die Veranstaltung im Reichstagsgebäude mit Weihnachtsliedern wie „Macht hoch die Tür“ und „Tochter Zion, freue dich“ begleitete, blieben gleich mehrere Besuchergruppen gebannt stehen und lauschten den jungen Sängerinnen und Sängern.

Der Kranz erinnere die Parlamentarier daran, „alles dafür zu tun, die Welt besser zu machen“, sagte Bundestagsvizepräsidentin Katrin Göring-Eckardt (Bündnis 90/Die Grünen), die den Adventsschmuck mit seinen roten und weißen Kerzen stellvertretend für den Bundestag entgegennahm. Der Kranz, so Göring-Eckardt, stehe für die Unterbrechung und das Warten. Dabei bedeute warten immer auch, „sich vorzustellen, wie es sein könnte“, sagte die Grünenabgeordnete und fügte hinzu, „sich vorzustellen, dass es gut werden könnte“.

Die Geschichte des Adventskranzes

Die Ursprünge dieses Adventsgestecks reichen bis ins Jahr 1839 zurück, erklärte Ulrich Lilie, Pfarrer und Präsident der Diakonie Deutschland. Der Hamburger Theologe, Sozialreformer und Wegbereiter des heutigen Diakonischen Werks Johann Hinrich Wichern wollte damit ehemaligen Straßenkindern die Wartezeit auf das Weihnachtsfest erträglicher machen. Im Rauhen Haus, einem Heim für Kinder in Not, befestigte er so viele Kerzen auf einem Wagenrad wie es Tage vom ersten Advent bis Heiligabend waren. Rote für die Wochentage, weiße für die Sonntage.

„Jeden Tag sollte es ein wenig heller werden für diese Kinder“, so Lilie, der gemeinsam mit Vizepräsidentin Göring-Eckardt symbolisch die erste Kerze des Wichernkranzes anzündete. Und während die kleine Flamme für ein paar Minuten im Reichstagsgebäude leuchtete, bevor sie – wegen des Brandschutzes – gelöscht werden musste, gab der Chor noch eine Zugabe. (irs/bsl/30.11.2022)

Marginalspalte