Geschichte

Zum Hören: Audio-Archiv mit Bundestagsreden von 1961 bis 1965

Schwarzweißaufnahme: Bundeskanzler Ludwig Erhard während einer Rede im Deutschen Bundestag am Rednerpult im Bonner Plenarsaal

In seiner Regierungserklärung am 18. Oktober 1963 kündigte Erhard eine „Politik der Mitte und der Verständigung“ und einen „neuen politischen Stil“ an. (Presse- und Informationsamt der Bundesregierung / Gerhard Heisler)

Mit den historischen Debatten der 4. Wahlperiode wird das Audio-Archiv der Original-Tonaufnahmen über die seit September 2018 bereits eingestellte 1. Wahlperiode von 1949 bis 1953, die seit Januar 2019 veröffentlichte 2. Wahlperiode von 1953 bis 1957 und die seit Mai 2020 online gestellte 3. Wahlperiode von 1957 bis 1961 um die Aufnahmen von 1961 bis 1965 zum Nachhören erweitert. Das Audio-Archiv wird schrittweise ergänzt und nach und nach alle im Parlament gehaltenen Reden umfassen. Die Beiträge kann man hören, herunterladen und in eigene Seiten einbetten. Zum Nachlesen der Wortgefechte führt ein Link ins jeweilige Plenarprotokoll.

Der 4. Deutsche Bundestag

Der 4. Deutsche Bundestag wurde am 17. September 1961 gewählt und trat am 17. Oktober 1961 zur konstituierenden Sitzung zusammen, die von dem CDU-Abgeordneten Dr. h. c. Robert Pferdmenges eröffnet wurde. Als Bundestagspräsident wurde Dr. Eugen Gerstenmaier (CDU/CSU) gewählt. Damit zogen nach der Bundestagswahl erstmals nur drei Parteien in das Parlament ein: Die Union blieb mit 45,3 Prozent stärkste Fraktion, verlor jedoch ihre absolute Mehrheit. Die Sozialdemokraten erreichten 36,2 und die Liberalen 12,8 Prozent. Alle anderen Parteien scheiterten an der Fünf-Prozent-Hürde.

Union und FDP vereinbarten eine Koalition, nachdem Konrad Adenauer (CDU) seinen Rücktritt im Laufe der Legislaturperiode zugesichert hatte. Das tat er im Oktober 1963 und der Bundestag wählte den Wirtschaftsminister und Vizekanzler Ludwig Erhard (CDU) am 16. Oktober 1963 zu seinem Nachfolger. Der Kanzlerwechsel wurde als Einschnitt empfunden und als solcher auch von Erhard verstanden und praktiziert. In seiner Regierungserklärung am 18. Oktober 1963 kündigte Erhard eine „Politik der Mitte und der Verständigung“ und einen „neuen politischen Stil“ an. Nach Jahren des strengen Regiments Adenauers verstand sich Erhard als „Volkskanzler“, bei dem es liberaler und kooperativer zugehen sollte.

Zu Beginn der Wahlperiode zählte der Bundestag 521 Abgeordnete, darunter 251 von der CDU/CSU, 203 von der SPD und 67 von der FDP. In der 4. Wahlperiode tagte der Bundestag 198 Mal, letztmals am 23. Juli 1965.

Eigene Aufzeichnungen des Bundestages seit 1957

Die Tonaufzeichnungen der Plenarsitzungen der ersten Wahlperiode waren vom damaligen Nordwestdeutschen Rundfunk (NWDR) vorgenommen worden. Der NWDR war als erste Rundfunkanstalt des öffentlichen Rechts am 1. Januar 1948 in der britischen Besatzungszone entstanden. Als sich der NWDR in den Westdeutschen Rundfunk (WDR) und den Norddeutschen Rundfunk (NDR) aufspaltete, übernahm der WDR ab 1956 die Tonaufzeichnungen aus dem Bundestag. Bedenken des Leiters der Wissenschaftlichen Abteilung der Bundestagsverwaltung hinsichtlich der Sicherung und Archivierung der Aufnahmen führten zu einer Vereinbarung mit dem WDR über die Kopierung der Bänder durch das Deutsche Rundfunkarchiv (DRA).

Bestandslücken, unbrauchbare Bänder und fehlender schneller Zugriff führten schließlich dazu, dass der Bundestag seit Beginn der dritten Wahlperiode im Jahr 1957 die Sitzungen selbst mitschnitt. Die Audio-Dateien beinhalten jeweils nur einzelne Reden, nicht komplette Tagesordnungspunkte oder Sitzungen, sodass im Hinblick auf Vollständigkeit das Stenografische Protokoll maßgeblich bleibt. Um die Suche nach einzelnen Reden zu erleichtern, ist das Archiv in der Reihenfolge der Plenarsitzungen, beginnend mit der ersten, und in der Reihenfolge der Tagesordnungspunkte innerhalb einer Sitzung aufgebaut. (eis/vom/05.04.2023)

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