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Auswärtiges

Letzte Verlängerung des Mali-Einsatzes der Bundeswehr beraten

Die Bundeswehr soll sich letztmalig an der „Multidimensionalen Stabilisierungsmission der Vereinten Nationen in Mali“ (Minusma) beteiligen und den Rückzug aus der Mission vorbereiten. Das geht aus einem Antrag der Bundesregierung (20/6655(Dokument, öffnet ein neues Fenster)) hervor, über den der Bundestag am Mittwoch, 10. Mai 2023, erstmals im Plenum beraten hat. Nach der Debatte überwiesen die Abgeordneten die Vorlage zur weiteren Beratung in den federführenden Auswärtigen Ausschuss.

Antrag der Bundesregierung

Das Sicherheitsumfeld in Mali habe sich in den vergangenen Monaten durch die Ausbreitung terroristischer Gruppierungen signifikant weiter verschlechtert, auch in Folge eines verminderten Verfolgungsdrucks, schreibt die Bundesregierung in ihrem Antrag und verweist dazu auf den Rückzug der französisch geführten Missionen Barkhane und Takuba bis August 2022. „Zudem stellen fortdauernde administrative Behinderungen und Einschränkungen der Mission durch malische Stellen sowie die großflächige Kooperation malischer und russischer Sicherheitskräfte im Einsatz Minusma vor Herausforderungen.“ In diesem Kontext sei die Entscheidung der Bundesregierung einzuordnen, dass der Bundeswehreinsatz bei Minusma letztmalig durch den Deutschen Bundestag verlängert werden soll.

Eingesetzt werden sollen wie bisher bis zu 1.400 Soldatinnen und Soldaten, die, „solange und soweit dies im Rahmen der Rückverlegung möglich“ sei, die Wiederherstellung der staatlichen Autorität in Zentralmali und die Schaffung eines sicheren Umfeldes für humanitäre Hilfe unterstützen sollen. Außerdem sollen sie zur Umsetzung des Abkommens von Algier für Frieden und Aussöhnung in Mali beitragen. Hierzu zählt laut Bundesregierung auch eine mögliche Unterstützung des Transitionsprozesses einschließlich der am 4. Februar 2024 geplanten Präsidentschaftswahlen in Mali, sofern dies von der Gastregierung und den Vereinten Nationen erbeten werde.

Befristet bis Ende Mai 2024

Weitere Aufgaben der Bundeswehr zielen auf die Wahrnehmung von Schutz- und Unterstützungsaufgaben im Rahmen der VN-Mission, auf die Unterstützung von Personal in den EU-Missionen in Mali sowie der Gemeinsamen Einsatztruppe der G5-Sahel-Staaten (G5 Sahel Force Conjointe), auf Lagebilderstellung und Lufttransport. „Die Teilnahme an Operationen zur Terrorismusbekämpfung ist nicht vom Auftrag erfasst.“

Rechtliche Grundlage bleibt laut Antrag eine Reihe von Beschlüsse des VN-Sicherheitsrates, zuletzt 2640 (2022). Das letztmalige Mandat ist befristet bis Ende Mai 2024. Die Kosten für die einsatzbedingten Zusatzaufgaben beziffert die Bundesregierung auf rund 550,7 Millionen Euro. (ahe/hau/10.05.2023)

Reden zu diesem Tagesordnungspunkt

Kubicki, Wolfgang

Bundestagsvizepräsident

Wolfgang Kubicki

Wolfgang Kubicki

© Wolfgang Kubicki/ Tobias Koch

Pistorius, Boris

Bundesminister der Verteidigung

Boris Pistorius

Boris Pistorius

© Niedersächsisches Ministerium für Inneres und Sport

Wadephul, Dr. Johann David

CDU/CSU

Johann David Wadephul

Johann David Wadephul

© Johann Wadephul/ Tobias Koch

Baerbock, Annalena

Bundesministerin des Auswärtigen

Annalena Baerbock

Annalena Baerbock

© Bündnis 90/Die Grünen/ gruene.de

Wundrak, Joachim

AfD

Joachim Wundrak

Joachim Wundrak

© Joachim Wundrak/privat

Lechte, Ulrich

FDP

Ulrich Lechte

Ulrich Lechte

© Ulrich Lechte/Petra Homeier

Hunko, Andrej

Die Linke

Andrej Hunko

Andrej Hunko

© Christoph Giebeler

Schulze, Svenja

Bundesministerin für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung

Svenja Schulze

Svenja Schulze

© Maximilian König

Erndl, Thomas

CDU/CSU

Thomas Erndl

Thomas Erndl

© Thomas Erndl/ Tobias Koch

Kubicki, Wolfgang

Bundestagsvizepräsident

Wolfgang Kubicki

Wolfgang Kubicki

© Wolfgang Kubicki/ Tobias Koch

Dokumente

  • 20/6655 - Antrag: Letztmalige Fortsetzung der Beteiligung bewaffneter deutscher Streitkräfte an der Multidimensionalen Integrierten Stabilisierungsmission der Vereinten Nationen in Mali (MINUSMA)
    PDF | 188 KB — Status: 03.05.2023
    (Dokument, Link öffnet ein neues Fenster)
  • Fundstelle im Plenarprotokoll (Dokument, Link öffnet ein neues Fenster)

Beschluss

  • Überw 20/6655(Dokument, öffnet ein neues Fenster) beschlossen

Tagesordnung

Sitzungsverlauf

Herausgeber

  • Deutscher Bundestag, Internetredaktion
Auswärtiges

Mali-Einsatz der Bundeswehr letztmalig verlängert

Der Bundestag hat am Freitag, 26. Mai 2023, zum letzten Mal für eine Verlängerung des Einsatzes der Bundeswehr in Mali zugestimmt. Namentlich haben 374 Abgeordnete für den Antrag der Bundesregierung mit dem Titel „Letztmalige Fortsetzung der Beteiligung bewaffneter deutscher Streitkräfte an der Multidimensionalen Integrierten Stabilisierungsmission der Vereinten Nationen in Mali (Minusma)“ (20/6655(Dokument, öffnet ein neues Fenster)) gestimmt. Insgesamt 265 Abgeordnete stimmten gegen die Vorlage und ein Parlamentarier hat sich der Stimme enthalten. Keine Mehrheit fand hingen ein Antrag der CDU/CSU-Fraktion mit dem Titel „Den Minusma-Einsatz der Bundeswehr rasch aber geordnet in diesem Jahr beenden – Unser zukünftiges Engagement im Sahel mit einer Gesamtstrategie auf eine solide und tragfähige Grundlage stellen“ (20/5547(Dokument, öffnet ein neues Fenster)). Die Vorlage wurde mit der Mehrheit von SPD, Bündnis 90/die Grünen, FDP, AfD und Die Linke gegen das Votum der Union abgelehnt. Zum Regierungsantrag hat der Auswärtige Ausschuss eine Beschlussempfehlung (20/6978(Dokument, öffnet ein neues Fenster)) und der Haushaltsausschuss einen Bericht gemäß Paragraf 96 der Geschäftsordnung des Bundestages zur Finanzierbarkeit (20/6979(Dokument, öffnet ein neues Fenster)) eingebracht. Der Entscheidung über den Antrag der Unionsfraktion lag eine Beschlussempfehlung des Auswärtigen Ausschusses (20/5901(Dokument, öffnet ein neues Fenster)) zugrunde.

Antrag der Bundesregierung

Wie die Bundesregierung in ihrem Antrag (20/6655(Dokument, öffnet ein neues Fenster)) erläutert, hat sich das Sicherheitsumfeld in Mali in den vergangenen Monaten durch die Ausbreitung terroristischer Gruppierungen weiter verschlechtert, auch in Folge eines verminderten Verfolgungsdrucks. Die Regierung verweist auf den Rückzug der französisch geführten Missionen Barkhane und Takuba bis August 2022.

„Zudem stellen fortdauernde administrative Behinderungen und Einschränkungen der Mission durch malische Stellen sowie die großflächige Kooperation malischer und russischer Sicherheitskräfte im Einsatz Minusma vor Herausforderungen“, heißt es weiter. In diesem Kontext sei die Entscheidung der Bundesregierung einzuordnen, dass der Bundeswehreinsatz bei Minusma letztmalig durch den Deutschen Bundestag verlängert werden soll.

Bis zu 1.400 Soldatinnen und Soldaten im Einsatz

Eingesetzt werden sollen wie bisher bis zu 1.400 Soldatinnen und Soldaten, die, „solange und soweit dies im Rahmen der Rückverlegung möglich“ sei, die Wiederherstellung der staatlichen Autorität in Zentralmali und die Schaffung eines sicheren Umfeldes für humanitäre Hilfe unterstützen sollen. Außerdem sollen sie zur Umsetzung des Abkommens von Algier für Frieden und Aussöhnung in Mali beitragen.

Weitere Aufgaben der Bundeswehr zielen auf die Wahrnehmung von Schutz- und Unterstützungsaufgaben, auf die Unterstützung von Personal in den EU-Missionen in Mali sowie der Gemeinsamen Einsatztruppe der G5-Sahel-Staaten (G5 Sahel Force Conjointe), auf Lagebilderstellung und Lufttransport. „Die Teilnahme an Operationen zur Terrorismusbekämpfung ist nicht vom Auftrag erfasst“, heißt es.

Rechtliche Grundlage bleibt laut Antrag eine Reihe von Beschlüsse des Sicherheitsrates der Vereinten Nationen.. Das letztmalige Mandat ist befristet bis Ende Mai 2024. Die Kosten für die einsatzbedingten Zusatzaufgaben beziffert die Bundesregierung auf rund 550,7 Millionen Euro.

Antrag der CDU/CSU

Die CDU/CSU-Fraktion dringt in ihrem Antrag (20/5547(Dokument, öffnet ein neues Fenster)) darauf, den Minusma-Einsatz „rasch aber geordnet“ noch in diesem Jahr zu beenden. Der Auftrag der Bundeswehr in Mali sei seit Monaten „nicht mehr sachgerecht, teilweise gänzlich nicht ausführbar und damit im Lichte der Auftragszielsetzung weitgehend wirkungslos“, schreiben die Abgeordneten.

Durch den schrittweisen Rückzug französischer und weiterer internationaler Streitkräfte aus der Region schwinde der Einfluss des Westens, zur Verbesserung der Sicherheitslage, der politischen Stabilisierung Malis und zu wirtschaftlichen und sozialen Verbesserungen für die Menschen beizutragen. „Dies ist in Teilen direkte Folge der oftmals fehlenden Kooperationsbereitschaft der amtierenden Militärregierung in Mali, die dem Engagement der internationalen Staatengemeinschaft immer wieder interessengeleitete, bürokratische oder politische Hürden in den Weg legt.“ Stattdessen arbeite die malische Militärregierung vor allem mit Russland immer enger zusammen, das mittels „Wagner-Truppen“ im Land militärisch immer aktiver werde.

„Unnötige Verlängerung des Einsatzes“

Das von der Bundesregierung im Dezember 2022 angekündigte sogenannte strukturierte Auslaufmandat bis zum Mai 2024 stellt aus Sicht der Antragssteller eine „unnötige Verlängerung des Einsatzes der Soldatinnen und Soldaten dar, vergrößert ihre Gefährdungslage unnötig, verkommt zum bloßen ,Dableiben' und entbehrt damit jeder Rechtfertigungsgrundlage“.

Die Abgeordneten fordern die Bundesregierung auf, schnellstmöglich eine ressortübergreifende, umfassende und europäisch abgestimmte Strategie für die deutsche Politik gegenüber den Sahel-Staaten und Westafrika zu erarbeiten. Dazu gehört aus Sicht der Union eine Fortentwicklung des Berliner Prozesses zu einer Friedenslösung in Libyen und dessen Ausweitung auf die Sahel-Region und die Einberufung einer „Sahel-Konferenz“ durch Deutschland und Frankreich.

Der deutschen Beitrag zur Mission EUTM Mali/Sahel solle hingegen fortgesetzt und gegebenenfalls ausgeweitet werden, schreiben die Abgeordneten, „beispielsweise durch eine zu prüfende Ausweitung des Engagements in Niger auch mit einem robusten Mandat oder anderer verlässlicher Partner in der Region“. (vom/ahe/26.05.2023)

Reden zu diesem Tagesordnungspunkt

Özoguz, Aydan

Bundestagsvizepräsidentin

Aydan Özoğuz

Aydan Özoğuz

© Deutscher Bundestag / Stella von Saldern

Brugger, Agnieszka

Bündnis 90/Die Grünen

Agnieszka Brugger

Agnieszka Brugger

© Agnieszka Brugger/Anne Hufnagl

Hardt, Jürgen

CDU/CSU

Jürgen Hardt

Jürgen Hardt

© Jürgen Hardt/Tobias Koch

Diaby, Dr. Karamba

SPD

Karamba Diaby

Karamba Diaby

© Deutscher Bundestag / Stella von Saldern

Lucassen, Rüdiger

AfD

Rüdiger Lucassen

Rüdiger Lucassen

© Deutscher Bundestag

Faber, Dr. Marcus

FDP

Marcus Faber

Marcus Faber

© Marcus Faber/Dominik Konrad

Al-Dailami, Ali

Die Linke

Ali Al-Dailami

Ali Al-Dailami

© Ali Al-Dailami/ Rico Prauss

Koob, Markus

CDU/CSU

Markus Koob

Markus Koob

© Markus Koob/Meik Merkelbach

Arlt, Johannes

SPD

Johannes Arlt

Johannes Arlt

© Johannes Arlt/Hans Ziertmann

Hahn, Florian

CDU/CSU

Florian Hahn

Florian Hahn

© Cosima Höllt

Lechte, Ulrich

FDP

Ulrich Lechte

Ulrich Lechte

© Ulrich Lechte/Petra Homeier

Hahn, Florian

CDU/CSU

Florian Hahn

Florian Hahn

© Cosima Höllt

Özoguz, Aydan

Bundestagsvizepräsidentin

Aydan Özoğuz

Aydan Özoğuz

© Deutscher Bundestag / Stella von Saldern

Dokumente

  • 20/5547 - Antrag: Den MINUSMA-Einsatz der Bundeswehr rasch aber geordnet in diesem Jahr beenden - Unser zukünftiges Engagement im Sahel mit einer Gesamtstrategie auf eine solide und tragfähige Grundlage stellen
    PDF | 180 KB — Status: 07.02.2023
    (Dokument, Link öffnet ein neues Fenster)
  • 20/5901 - Beschlussempfehlung und Bericht: zu dem Antrag der Fraktion der CDU/CSU - Drucksache 20/5547 - Den MINUSMA-Einsatz der Bundeswehr rasch aber geordnet in diesem Jahr beenden - Unser zukünftiges Engagement im Sahel mit einer Gesamtstrategie auf eine solide und tragfähige Grundlage stellen
    PDF | 169 KB — Status: 06.03.2023
    (Dokument, Link öffnet ein neues Fenster)
  • 20/6655 - Antrag: Letztmalige Fortsetzung der Beteiligung bewaffneter deutscher Streitkräfte an der Multidimensionalen Integrierten Stabilisierungsmission der Vereinten Nationen in Mali (MINUSMA)
    PDF | 188 KB — Status: 03.05.2023
    (Dokument, Link öffnet ein neues Fenster)
  • 20/6978 - Beschlussempfehlung und Bericht: zu dem Antrag der Bundesregierung - Drucksache 20/6655 - Letztmalige Fortsetzung der Beteiligung bewaffneter deutscher Streitkräfte an der Multidimensionalen Integrierten Stabilisierungsmission der Vereinten Nationen in Mali (MINUSMA)
    PDF | 230 KB — Status: 24.05.2023
    (Dokument, Link öffnet ein neues Fenster)
  • 20/6979 - Bericht: gemäß § 96 der Geschäftsordnung zu dem Antrag der Bundesregierung - Drucksachen 20/6655, 20/6978 - Letztmalige Fortsetzung der Beteiligung bewaffneter deutscher Streitkräfte an der Multidimensionalen Integrierten Stabilisierungsmission der Vereinten Nationen in Mali (MINUSMA)
    PDF | 168 KB — Status: 24.05.2023
    (Dokument, Link öffnet ein neues Fenster)
  • Fundstelle im Plenarprotokoll (Dokument, Link öffnet ein neues Fenster)

Beschluss

  • namentliche Abstimmung zu Beschlussempfehlung 20/6978(Dokument, öffnet ein neues Fenster) (Antrag 20/6655(Dokument, öffnet ein neues Fenster) annehmen)
  • 13:00:44: Beginn der namentlichen Abstimmung
  • 13:26:08: Ende der namentlichen Abstimmung
  • Gesamt: 640 Ja: 374 Nein: 265 Enthaltungen 1


Beschlussempfehlung 20/6978(Dokument, öffnet ein neues Fenster) angenommen
Beschlussempfehlung 20/5901(Dokument, öffnet ein neues Fenster) (Antrag 20/5547(Dokument, öffnet ein neues Fenster) ablehnen) angenommen

Tagesordnung

Sitzungsverlauf

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https://www.bundestag.de/dokumente/textarchiv/2023/kw21-de-bundeswehr-minusma-947962

Stand: 15.08.2026