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Jumana – eine po­si­ti­ve Botschafterin für Syrien im Bundestag

Jumana Alasaad vor dem leeren Plenum des Bundestages

© DBT/Melde

Jumana Alasaad kommt aus Syrien. Die 29-Jährige hat Archäologie in Aleppo und in Heidelberg studiert und ist derzeit Mitarbeiterin der Max-Planck-Stiftung für Internationalen Frieden und Rechtsstaatlichkeit. Ihr Kurzpraktikum in der letzten Septemberwoche absolviert sie im Abgeordnetenbüro von Monika Grütters (CDU/CSU).

Welche Beziehung haben Sie zu Deutschland? Wie kam es dazu, dass Sie die deutsche Sprache erlernt haben?

Als Kind hatte ich ein großes Interesse an der Geschichte und den Mythen der alten Völker, die in Syrien und dem Irak vor Christus gelebt haben. Aufgrund dieses Interesses traf ich die Entscheidung, Archäologie zu studieren. Im Rahmen meines Studiums nahm ich im Jahr 2008 an Ausgrabungen in Syrien mit einem deutschen Team teil, wobei ich mit der deutschen Sprache und der deutschen Kultur in Kontakt kam. Von Anfang an war mir klar: Wer ein guter Archäologe werden will, muss die deutsche Sprache lernen. Die deutschen Archäologen spielten eine große Rolle dabei, die Kultur und die Geschichte Syriens zu entdecken und zu erforschen. Das war auch der Hauptgrund für meine Entscheidung, nach Deutschland zu kommen. Ausgrabungen unter deutscher Leitung wurden immer in Syrien durchgeführt. Syrien war ein interessantes Reiseziel für die Deutschen, die ich im Aleppo-Museum sah und deren charmante Sprache ich hörte. Da ich diese Sprache mochte, wollte ich meine Deutschkenntnisse perfektionieren. Darüber hinaus hat Deutschland immer einen guten Ruf in Syrien.

Inwiefern engagieren Sie sich in Ihrer Heimat sozial oder zivilgesellschaftlich?

Aufgrund der andauernden Kriegssituation ist es sehr schwierig, mich in Syrien vor Ort zu engagieren. Derzeit beschränkt sich mein soziales Engagement vor allem auf die Unterstützung von Geflüchteten. In Deutschland versuche ich immer, sozial und zivilgesellschaftlich aktiv zu sein. Ich habe diesbezüglich mit der Universität Mannheim zusammengearbeitet, um Flüchtlinge in den Arbeitsmarkt zu integrieren. Politisch engagiere ich mich als Mitarbeiterin der Max-Planck-Stiftung für Internationalen Frieden und Rechtsstaatlichkeit. Hier spielt natürlich auch mein Hintergrund eine Rolle. Ich bringe mein Wissen über die gesellschaftliche und politische Situation in Syrien in meine Arbeit ein.  

Warum haben Sie sich für das IPS-Programm beworben?

Ich habe mich beworben, um das politische System Deutschlands genau kennenzulernen. Ich bin überzeugt vom demokratischen Grundgedanken und möchte diesbezügliche Werte auch in meinem Land etablieren, sobald der Bürgerkrieg endet. Außerdem schätze ich den Austausch mit anderen arabischen Nationen und bin stets auf der Suche nach Gleichgesinnten, auch um Netzwerke zu schaffen. Darüber hinaus wollte ich eine positive Botschafterin für Syrien im Bundestag sein und Informationen über meine Heimat vor und nach der Krise liefern. Und das nicht nur für die Politikerinnen und Politiker, sondern auch für meine Kolleginnen und Kollegen aus den arabischen Ländern.

Was hat Sie hier im Deutschen Bundestag bislang am meisten überrascht oder beeindruckt?

Ich bin zutiefst beeindruckt, dass der Bundestag seine Türen für uns öffnet und uns an parlamentarischen Sitzungen teilnehmen lässt. Das wäre in meinem Heimatland nicht möglich gewesen. Die Generalaussprache im Rahmen der Haushaltsberatungen hat mich sehr beeindruckt. Vor allem die Tatsache, dass alles gemeinsam und gleichberechtigt diskutiert wird. Das ist für mich eine ganz besondere Erfahrung und reflektiert demokratische Werte. Mich persönlich sehr berührt hat vor allem, dass die Flüchtlinge in Deutschland willkommen sind, auch wenn es ablehnende Positionen – wie in der AfD – gab, die aber nicht die allgemeine Meinung wiederspiegeln. Sehr beeindruckt hat mich auch, dass der Reichstag nach dem Zweiten Weltkrieg massiv zerstört war, aber heute der Sitz eines der am besten organisierten und demokratischsten Parlamente der Welt ist. Ich bin überzeugt davon, dass jedes vom Krieg zerstörte Land wiederaufgebaut werden kann. Das hat mir eine große Hoffnung für die Zukunft meines Landes gegeben!

Welche Vorstellungen haben Sie von Ihrer beruflichen Zukunft?

Ich möchte eine kulturelle, sprachliche, politische und gesellschaftliche Brücke zwischen Syrien und Deutschland bauen und für eine Kooperation zwischen den beiden Ländern arbeiten. In dem Wiederaufbauprozess in Syrien nach dem Krieg wird es meine Aufgabe sein, von den deutschen Erfahrungen und der Expertise in allen Bereichen zu profitieren. Mir ist es wichtig, dass Syrien nach Beendigung des Konflikts zu einem weltoffenen und demokratischen Land wird, in dem auch die Rechte der Frauen anerkannt und selbstverständlich sind. Ich träume davon, die syrische Botschafterin in Deutschland zu werden!

(hau/17.09.2018)

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