08.12.2022 | Parlament

Besuch des Lern- und Gedenkorts Kaßberg-Gefängnis

Das Bild zeigt drei Frauen und zwei Männer die im Freien stehen, hinter ihnen steht eine Ausstellungwand aus Glas mit Texten und Bildern.

Die SED-Opferbeauftragte mit dem Vorsitzenden des Vereins Lern- und Gedenkort Kaßberg e.V. Jürgen Renz, Projektleiter Peter Wellach und MdL Hanka Kliese, sowie der Kulturbürgermeisterin der Stadt Chemnitz Dagmar Ruscheinsky auf dem Gelände der Gedenkstätte Kaßberg. (DBT / Team Zupke)

Am 8. Dezember 2022 besuchte die SED-Opferbeauftragte das ehemalige Kaßberg-Gefängnis in Chemnitz, in welchem gegenwärtig ein Lern- und Gedenkort entsteht.
Begleitet vom Vorsitzenden des Vereins Lern- und Gedenkort Kaßberg e.V. Jürgen Renz sowie weiteren Mitgliedern des Vorstands wie u.a. den sächsischen Landtagsabgeordneten Hanka Kliese und Volkmar Zschocke sowie der Kulturbürgermeisterin der Stadt Chemnitz Dagmar Ruscheinsky, informierte sie sich über die Geschichte des Orts und das Konzept des geplanten Projekts.

Der Kaßberg hat eine lange Geschichte als Ort der Unterdrückung. Schon im Nationalsozialismus wurden hier Juden, Homosexuelle und politisch Andersdenkende inhaftiert. Nachdem das Gefängnis auch durch den Sowjetischen Geheimdienst NKWD, neben der Inhaftierung von NS-Verbrechern, zur Verfolgung systemkritischer Menschen diente, wurde es 1952 an die DDR übergeben.
Von insgesamt 17 Untersuchungshaftanstalten des Ministeriums für Staatssicherheit stellte das Kaßberg-Gefängnis das größte dar. Dabei erlangte es besondere Bedeutung in Bezug auf den deutsch-deutschen Häftlingsfreikauf. Rund 33.000 politische Häftlinge wurden im Austausch gegen Devisen von der Bundesrepublik freigekauft. Für rund 90 % der Gefangenen begann dieser Weg in die Freiheit in Kaßberg.

So auch für Falk Mrázek, der auf dem Rundgang über sein Haftschicksal berichtete. Der damals Jugendliche, der wegen versuchter Republikflucht und gewaltsamer Grenzverletzung inhaftiert wurde, schilderte eindrücklich seine Erlebnisse in unterschiedlichen Haftanstalten und schließlich seinen Freikauf 1979.

Der zukünftige Lern- und Gedenkort soll die gesamte Geschichte des ehemaligen Gefängnisses abbilden, vom Schicksal der politischen Häftlingen erzählen sowie den deutsch-deutschen Häftlingsfreikauf beleuchten.

Dies ist aus Sicht der SED-Opferbeauftragten von besonderer Bedeutung:
„Für viele politische Häftlinge in der DDR war der Kaßberg das Tor zur Freiheit und gleichzeitig die letzte Station ihres Leidens. Mich beeindruckt, was hier durch ehrenamtliches Engagement, die Stadt Chemnitz, den Freistaat Sachsen und den Bund in den letzten Jahren gemeinsam geschaffen wurde. Der Häftlingsfreikauf ist ein wichtiges Kapitel deutsch-deutscher Geschichte. Der Lernort Kaßberg-Gefängnis ist ein Ort, der weit über Chemnitz hinausstrahlt. Ein Ort von nationaler Bedeutung.“

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