02.09.2023 | Parlament

Die SED-Opferbeauftragte beim Treffen ehemaliger DDR-Heimkinder in Torgau

Das Bild zeigt viel Menschen die auf Stühlen sitzen und zuhören.

Die SED-Opferbeauftragte und ehemalige Heimkinder und Insassen des Geschlossenen Jugendwerkhofs Torgau, sowie Vertreter des Bundes, des Landes und der Stadt, beim 19. Treffen ehemaliger DDR-Heimkinder in der Gedenkstätte Geschlossener Jugendwerkhof Torgau. (René Meinel)

Für den 2. September 2023 lud die Gedenkstätte Geschlossener Jugendwerkhof Torgau zum 19. Treffen ehemaliger DDR-Heimkinder ein. Neben der SED-Opferbeauftragten folgten auch über 100 Gäste der Einladung.

Die Vorsitzende des Vereins Initiativgruppe Geschlossener Jugendwerkhof Torgau Gabriele Beyler, begrüßte neben den vielen anwesenden ehemaligen Heimkinder und Insassen des Geschlossenen Jugendwerkhofs Torgau auch Vertreter des Bundes, des Landes und der Stadt, darunter Henrik Simon Oberbürgermeister von Torgau,  und die Bundestagsabgeordnete Dr. Christiane Schenderlein. Staatsminister Carsten Schneider, der Beauftragte der Bundesregierung für Ostdeutschland, richtete eine Videobotschaft an die Betroffenen.

Das Schicksal der ehemaligen Heimkinder liegt der SED-Opferbeauftragten besonders am Herzen, da diese Betroffenengruppe über lange Zeiträume keine Wahrnehmung in der breiteren Öffentlichkeit fand. Zudem erleben die Betroffenen immer wieder auch heute noch Stigmatisierung und der politisch-motivierte Hintergrund ihrer Heimunterbringung wird in Frage gestellt.

Die SED-Opferbeauftragte betonte in ihrer Rede, dass die soziale Lage der Betroffenen und die Anerkennung der gesundheitlichen Folgeschäden sich verbessern müssten. Dabei machte die SED-Opferbeauftragte deutlich: „Wer als Kind oder Jugendlicher der repressiven Heimerziehung ausgesetzt war und heute unter einem Gesundheitsschaden leidet, darf nicht länger einem Marathon aus Begutachtungen und Ablehnungsbescheiden ausgesetzt sein. Diesen Handlungsbedarf habe auch der Bundestag nunmehr erkannt. An die Opfer der SED-Diktatur, wie die ehemaligen Heimkinder, erinnern – und die Betroffenen heute unterstützen. Dies ist unser gemeinsamer Auftrag.“

Die Gedenkstätte Geschlossener Jugendwerkhof Torgau ist bundesweit die einzige Gedenkstätte, die eine Auseinandersetzung mit den repressiven Machtstrukturen innerhalb des Bildungs- und Erziehungsapparats der DDR am historischen Ort ermöglicht. Sie steht heute als Symbol für das gesamte unmenschliche Strafsystem der DDR-Spezialheime, welches in der Zeit zwischen 1949 und 1989 etwa 135.000 Kinder und Jugendliche durchlaufen mussten.

Im November 2009 eröffnete die Dauerausstellung „Ich bin als Mensch geboren und will als Mensch hier raus“, welche als einziger deutscher Preisträger von der Europäischen Union mit dem Golden Star Award in der Kategorie „Aktive europäische Erinnerung“ ausgezeichnet wurde. Frau Beyler verkündete, dass diese über die letzten 14 Jahre so erfolgreiche Dauerausstellung nunmehr eine Neukonzeptierung erfahren werde, welche im Herbst nächsten Jahres eröffnet werden soll.

Die Gedenkstätte leistet aber auch außerhalb von Torgau eine wichtige Aufarbeitungs- und Bildungsarbeit. So etwa mit der BLACKBOX HEIMERZIEHUNG, einem umgebauten Seecontainer mit einer Ausstellung im Innen und Außenbereich, mit welcher die Gedenkstätte seit 2022 an historischen Orten der DDR-Heimerziehung unterwegs ist. Bestandteil der BLACKBOX ist zudem die multimediale Scrollstory „IM TAKT: Wege in den Geschlossenen Jugendwerkhof Torgau“, welche am 15. Juni 2023 mit dem GRIMME Online Award 2023 ausgezeichnet wurde. Schon über 13.000 Besucher haben die eindrückliche BLACKBOX HEIMERZIEHUNG an seinen elf verschiedenen Standorten erlebt.

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