28.04.2021 Inneres und Heimat — Antwort — hib 566/2021

Weltbild des mutmaßlichen Attentäters von Hanau

Berlin: (hib/STO) Um den Anschlag von Hanau vom 19. Februar 2020 geht es in der Antwort der Bundesregierung (19/28808) auf eine Kleine Anfrage der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen (19/28278). Unter anderem berichtet die Bundesregierung darin über den Ablauf des Anschlags, bei dem der Tatverdächtige zehn Menschen und anschließend sich selbst tötete, und über das Weltbild des mutmaßlichen Täters.

Dieses war danach von einer kollektivistisch-biologistischen Denkweise geprägt, „die wiederum typisch für klassisches rechtsextremistisches Denken ist“. Er habe das deutsche Volk als ein homogenes Ganzes verstanden und es dabei gegenüber anderen Völkern überhöht.

Ein zentraler Fixpunkt seines Denkens war der Antwort zufolge eine Hierarchisierung menschlichen Lebens in höher- und minderwertig. Diese habe ihren Ausdruck in einer ausgeprägten Fremden- und Ausländerfeindlichkeit gefunden. „Dabei offenbarte der mutmaßliche Täter eine besonders tief verwurzelte Abneigung gegen Menschen sogenannter ,südländischer' Abstammung, die er vor allem als Türken und Nordafrikaner identifizierte - diese sah er als grundsätzlich kriminell und minderwertig an“, heißt es in der Vorlage weiter.

Zudem sei in seinem Denken eine feindliche Haltung gegenüber Personen muslimischen Glaubens beziehungsweise jenen, denen er eine Zugehörigkeit zum Islam unterstellte, fest verankert gewesen.

Im Gegensatz zu anderen Erklärungen und Manifesten versuchte der mutmaßlichen Täter laut Bundesregierung, die Funktionsweisen und Hintergründe von politischen und gesellschaftlichen Prozessen nicht mittels einer Ideologie zu erklären oder zu begründen. Ideologisch fundierte Begründungszusammenhänge seien beim Tatverdächtigen nur rudimentär vorhanden gewesen. Einschlägige Themen wie „der große Austausch“, „white genocide“, „Massenmigration“, „Ethnopluralismus“ und ihre vermeintlichen „Ursachen“ fänden sich nur in Ansätzen.

Ideologie spiele im Bekennerschreiben des Tatverdächtigen nur eine untergeordnete Rolle und nehme auch nur einen vergleichsweise kleinen Teil seiner Ausführungen ein. Sie diene in erster Linie der Feindbildkonstruktion und der Legitimation seiner tiefen Abneigung gegenüber allem „Nicht-Deutschen“.

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