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Presse

WFP-Direktor: 285 Millionen Menschen weltweit hungern

Menschenrechte/Ausschuss - 26.01.2022 (hib 32/2022)

Berlin: (hib/SAS) Der Direktor des UN-Welternährungsprogramms (World Food Programme - WFP), David Beasley, hat am Mittwoch im Ausschuss für Menschenrechte und humanitäre Hilfe vor einer Hungersnot in mehreren Ländern gewarnt. Die Corona-Pandemie und ihre wirtschaftlichen Folgen hätten die Hungersituation drastisch verschärft. Die Zahl der Menschen, die akut von Hunger betroffen seien, sei in den letzten zwei Jahren massiv gestiegen. Hätten vor Ausbruch der Pandemie weltweit noch 135 Millionen Menschen Hunger gelitten, seien es nun 285 Millionen Menschen, berichtete Beasly in der von Renata Alt (FDP) geleiteten Sitzung des Ausschusses. 45 Millionen davon litten sogar unter extremen Hunger. In 43 Staaten der Erde, darunter Afghanistan, Äthiopien, Jemen und Staaten in der Sahelzone wie Niger und Burkina Faso, drohten Hungersnöte und damit auch eine neue Massenmigration, warnte Beasly.

Grund für die gegenwärtige Situation seien aber nicht allein das Corona-Virus und die ökonomischen Folgen der Pandemie wie etwa zusammengebrochene Lieferketten, so der WFP-Direktor, sondern auch die weltweit zunehmenden Konflikte, Krisen und Klimakatastrophen. Doch die Pandemie habe die Vereinten Nationen ohne Frage bei der Erreichung der Entwicklungshilfe-Ziele zurückgeworfen und Erfolge im Kampf gegen den Hunger zunichte gemacht.

Es sei aber dennoch möglich, die Regionen zu stabilisieren, wenn genügend Finanzmittel zur Verfügung stünden, erklärte Beasly. Aktuell fehlten dem WFP aber bis zu sechs Milliarden US-Dollar, umgerechnet rund 5,3 Milliarden Euro, um Nothilfe zu leisten. Beasley verlieh seiner Hoffnung Ausdruck, dass Deutschland als nach den USA zweitgrößter Geber des WFP, weitere Unterstützung leiste. In der Vergangenheit habe sich Deutschland als verlässlicher Partner erwiesen und zuletzt seine Zahlungen an das Welternährungsprogramm deutlich erhöht.

Um den Hunger zu überwinden und größere Migrationsbewegungen zu verhindern, brauche es insbesondere Hilfe bei der Anpassung an Klimaveränderungen. Dazu sei aber ein anderer Ansatz gefragt, so Beasly. Humanitäre Hilfe und Entwicklungsprojekte wie bisher getrennt zu betrachten, sei nicht mehr zielführend. Partner wie Deutschland und die USA hätten verstanden, dass es einer effektiveren, strategisch angelegten Hilfe bedürfe, sagte der WFP-Direktor. Mit ihrer Unterstützung habe das WFP so etwa begonnen, Ernteprogramme und Programme zur Landverbesserung zu entwickeln. Diese zeigten messbaren Erfolg: In der Sahel-Region etwa hätten durch Landverbesserungsmaßnahmen und Schulspeisungen Migrationsbewegungen abgenommen.

Die Abgeordneten zeigten sich alarmiert über die gegenwärtige Hungersituation. Ein Mitglied der SPD-Fraktion verwies insbesondere auf Afghanistan, wo sich nach der Machtübernahme der radikalislamischen Taliban die humanitäre Lage drastisch verschlechtert habe. Es sei ein Balanceakt, den Menschen zu helfen, ohne mit dem Regime in Konflikt zu geraten, so der Abgeordnete.

Ein Mitglied der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen thematisierte ebenfalls das Dilemma des Westens, Hilfe leisten zu wollen, ohne sich erpressen zu lassen. Er bat zudem um Informationen, wie sich die Zusammenarbeit mit den Taliban vor Ort gestalte. Die Linksfraktion machte darauf aufmerksam, dass ausländische Sanktionen die Not in Afghanistan verschärft hätten.

Nach Möglichkeiten, die Zusammenarbeit mit dem WFP weiter zu verbessern, und Beasleys Erwartungen an die neue Bundesregierung erkundigte sich ein Vertreter der Unionsfraktion. Die AfD bat um die Einschätzung des WFP-Direktors, welche der gegenwärtigen Probleme auf den Ausbruch der Corona-Pandemie zurückzuführen seien, und welche auf die weltweit ergriffenen Maßnahmen zur Eindämmung des Virus. Die FDP betonte die Notwendigkeit, humanitäre Hilfe stärker zu einer „Hilfe zur Selbsthilfe“ umzugestalten, um Hunger und Nahrungsmittelknappheit langfristig zu bekämpfen.