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Presse

Krieg in der Ukraine: Folgen für die Reisebranche

Tourismus/Ausschuss - 16.03.2022 (hib 120/2022)

Berlin: (hib/EMU) In einem Fachgespräch im Tourismusausschuss haben Vertreterinnen und Vertreter der Reisebranche von den Folgen des Ukraine-Krieges für die deutsche Tourismuswirtschaft berichtet. Noch vor drei Wochen sei man von einem unter Pandemiebedingungen guten Saisonstart ausgegangen, sagte Ralf Teckentrup, Präsident des Bundesverbandes Deutscher Fluggesellschaften. Bei den Unternehmen der Luftverkehrswirtschaft seien aufgrund der Corona-Krise bereits riesige zweistellige Milliardenverluste aufgelaufen, berichtete Teckentrup. Der Anstieg der Energiekosten habe mit den größten Einfluss auf seine Branchen, so der Verbandschef. Die Kerosinkosten seien in den ersten paar Tagen nach Beginn der kriegerischen Auseinandersetzungen um 50 bis 60 Prozent gestiegen, momentan liege die Teuerung bei rund 35 Prozent. Das schlage sich natürlich am Ende in den Preise für die Flugtickets nieder.

Petra Hedorfer von der Deutschen Zentrale für Tourismus geht davon aus, dass insbesondre im transatlantischen Bereich die Reiseabsichten vom Krieg tangiert würden. Eine repräsentative Umfrage eines US-Marktforschungsinstituts ergab laut Hedorfer, dass 13 Prozent der Amerikaner ihre Reisebuchungen stornieren wollen, 47 Prozent wollen mit einer Entscheidung die weitere Lage abwarten und 20 Prozent wollen ihre Reise verschieben. Sorge bereite die Frage nach der wirtschaftliche Situation der westlichen Anrainerstaaten der Ukraine, sagte Hedorfer. Eine Urlaubsreise sei in vielen dieser Länder für die Menschen in der jetzigen Situation keine Priorität mehr. Es sei bereits ein Rückgang von 30 bis 50 Prozent bei den Flugbuchungen aus dem Baltikum, Bulgarien, Kroatien, Polen, der Slowakei und Slowenien zu verzeichnen.

Davon, dass ein bislang vielversprechender Start in die Saison nun beendet sei, berichtete auch Dirk Inger vom Deutschen Reiseverband: Seit Anfang März sei ein deutlicher Rückgang bei den Buchungen zu beobachten. Man liege aber immer noch höher als im Referenzjahr 2019. Auch Inger berichtete von Buchungsrückgängen in allen osteuropäischen Staaten. Dazu zählten neben Russland und der Ukraine die baltischen Staaten, Bulgarien und Ungarn. Diese machten etwa sieben Prozent des Sommerurlaubsvolumen aus. Bei den Ostsee-Kreuzfahrten falle besonders ins Gewicht, dass der Stopp in Sankt Petersburg, oft einer der Höhepunkte der Tour, wegfalle, berichtete Inger. Dies habe ein kostenloses Stornierungsrecht für die Kunden zur Folge, was wiederum bei den Kreuzfahrtunternehmen und Reisebüros zu Verlusten führe.

Michael Rabe weist für den Bundesverband der Deutschen Tourismuswirtschaft darauf hin, dass die steigenden Energiepreise nicht nur auf den Flugverkehr, sondern auf alle Verkehrsträger der touristischen Leistungskette einen Einfluss hätten. Das gelte insbesondere für das Gastgewerbe, das in Teilbereichen äußerst energieintensiv sei, so Rabe. Eine erste vorsichtige Prognose für das Jahr sei gewesen, dass man 60 bis 70 Prozent des Vor-Pandemie-Geschäftsvolumens erreichen könnte. Nun könne aber nicht mehr prognostizieren, wie es weitergehe, sagte Raabe. Abschließend wies er darauf hin, dass die Hilfsbereitschaft in seiner Branche groß sei: Das Gastgewerbe stehe bereit, den aus der Ukraine geflüchteten Menschen mit Beschäftigungsmöglichkeiten zu helfen.