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Presse

Verschiedene Wege zur Malariabekämpfung diskutiert

Bildung, Forschung und Technikfolgenabschätzung/Anhörung - 26.04.2022 (hib 188/2022)

Berlin: (hib/HAU) Anlässlich des Welt-Malaria-Tages haben Expertinnen und Experten auf Einladung des Ausschusses für Bildung, Forschung und Technikfolgenabschätzung über Maßnahmen zur Bekämpfung der Infektionskrankheit Malaria diskutiert. Bei der Podiumsdiskussion am Montagabend, die den Auftakt der neuen Veranstaltungsreihe „TA im Dialog“ darstellte, herrschte Einigkeit darüber, dass es eine Bündelung von Maßnahmen braucht, um Malaria erfolgreich bekämpfen zu können. Benötigt würden zudem mehr Forschungsgelder und eine Zusammenarbeit zwischen dem globalen Norden und dem globalen Süden bei der Forschung.

Trotz allen Engagements sei es noch immer nicht gelungen, Malaria in den Ländern Subsahara-Afrikas substanziell und dauerhaft zurückzudrängen, sagte Katrin Gerlinger, Leiterin des Projekts „Medikamente für Afrika“ beim Büro für Technikfolgen-Abschätzung beim Deutschen Bundestag (TAB). „Noch immer stirbt aller zwei Minuten ein Kind an Malaria“, sagte sie. Große Hoffnungen würden seit vielen Jahren mit der Impfstoffentwicklung verbunden. Auch die Idee der Ausrottung plasmodienübertragender Mücken werde derzeit verfolgt, sagte Gerlinger.

Der von der Weltgesundheitsorganisation WHO empfohlene Impfstoff habe eine Wirksamkeit von etwa 30 Prozent, was deutlich unter dem Wert der Covid-Impfstoffe liege, sagte Volker Öppling, Fachgebietsleiter mikrobiologische Impfstoffe beim Paul-Ehrlich-Institut (PEI). Dennoch würde dieser Impfstoff helfen, eine enorme Anzahl an Todesfällen zu vermeiden, so der PEI-Vertreter während der von Marc Bovenschulte, Bereichsleiter Demografie, Cluster und Zukunftsforschung beim TAB-Partner VDI/VDE-IT, moderierten Diskussion.

Die Impfung müsse in weitere Maßnahmen gegen Malaria eingebunden werden, forderte Professor Francine Ntoumi vom Institut für Tropenmedizin der Uni Tübingen, die zugleich Präsidentin der kongolesischen Stiftung für medizinische Forschung und Vizepräsidentin der zentralafrikanischen Akademie der Wissenschaften ist. Den Menschen vor Ort müsse gesagt werden, das die Schutzwirkung nur bei 30 Prozent liegt und etwa Moskitonetze weiterhin genutzt werden müssen, sagte Ntoumi. Sie sprach sich zugleich dafür aus, afrikanische Wissenschaftler stärker in die Forschung einzubinden. Was die Forschungsmittel angeht, so verwies sie darauf, dass Deutschland bereits viele Projekte unterstütze. Ihrer Ansicht nach müssten die endemisch betroffenen Länder mehr Mittel aufwenden.

Ntoumi vertrat des Weiteren die Auffassung, dass der Ausrottung der Malaria übertragenden Moskito-Population mittels der sogenannten Gene Drives-Technologie die Zukunft gehöre. Eines Tages werde es durch diese Genveränderung gelingen, Malaria auszurotten, zeigte sie sich überzeugt.

Für Professor Ernst Wimmer, Leiter der Abteilung Entwicklungsbiologie am Johann-Friedrich-Blumenbach-Institut für Zoologie und Anthropologie der Georg-August-Universität Göttingen, wäre Gene Drive mit Blick auf die geringen Kosten eine vorteilhafte Variante für die Malariabekämpfung. Noch gebe es aber die Frage, ob es überhaupt gelingen kann, plasmodienübertragende Mücken auf diese Art und Weise auszurotten. Des Weiteren gebe es Bedenken mit Blick auf die Rückholbarkeit und eventuelle Resistenzen. Ein Restrisiko sei nicht auszuschließen, sagte Wimmer. Wenn Gene Drives zum Einsatz kommen, brauche es eine Regulation. Er persönlich habe aber eher Bedenken, dass das Verfahren nicht funktioniert als dass es nicht kontrollierbar ist.

Auf die Frage, wann der nächste Durchbruch in Sachen Impfstoff zu erwarten ist, sagte Professor Benjamin Mordmüller, Leiter des Zentrums für medizinische Parasitologie der Radboud Universität in Nijmegen, es sei derzeit einiges in Bewegung. Die Forschung an abgeschwächten Parasiten, die zur Impfung genutzt worden seien, komme voran und führe dazu, dass andere erfolgreiche Technologien eingesetzt würden, wie etwa molekulare Antikörper. Zwei der dabei entwickelten Impfstoffe würden „nahezu in Covid-Manier durchexerziert“, sagte Mordmüller. Erfolgreich sein könne der Kampf gegen Malaria aber nur, wenn verschiedene Methoden kombiniert würden.

Die Politik müsse mehr Forschungsmittel zur Verfügung stellen, die leichter zu bekommen sind, verlangte Mordmüller. Klinische Studien seien schließlich sehr teuer. Aktuell investiere er 70 Prozent seiner Arbeitszeit in das Formulieren von Anträgen auf Forschungsgelder „und nicht in die Entwicklung neuer Impfstoffe“, kritisierte er. PEI-Vertreter Öppling unterstützte die Forderung. Es sei schließlich eine wissenschaftlich-technische Problematik, dass es noch keinen hochwirksamen Malaria-Impfstoff gebe. „Durch die Förderung der Forschung könnte man hier vorankommen, ohne dass es aber eine Garantie dafür gibt“, sagte er.