Vereinbarte Debatte

Nachhaltigkeit und Zukunftsfragen

Eine Männerhand greift von rechts nach einer transparenten Glaskugel, die auf gelben Blüten sitzt. In der Kugel spiegelt sich ein See mit Bäumen und ein wolkiger Himmel, das Bild ist leicht invertiert durch die Kugel. Symbolbild zum Thema: Nachhaltigkeit und Zukunftsfragen

Nachhaltigkeit und Zukunftsfragen sind Gegenstand der zweistündigen Aussprache. (© picture alliance/vizualeasy | Janny)

Liveübertragung: Donnerstag, 8. Oktober, 11.20 Uhr

Der Bundestag befasst sich am Donnerstag, 8. Oktober 2026, in einer zweistündigen Vereinbarten Debatte mit dem Thema „Nachhaltigkeit und Zukunftsfragen“. 

Bei einer Vereinbarten Debatte handelt es sich um Aussprachen über ein bestimmtes Thema ohne eine Vorlage oder eine Regierungserklärung als Beratungsgegenstand. (hau/28.09.2026)

Vereinbarte Debatte

Debatte zum Schutz jüdischen Lebens in Deutschland

Der Bundestag hat an die Opfer des Massakers der islamistischen Terrororganisation Hamas in Israel vom 7. Oktober 2023 erinnert. In einer Vereinbarten Debatte am Mittwochabend, 7. Oktober 2026, die unter dem Titel „Drei Jahre nach dem terroristischen Überfall der Hamas auf Israel – Antisemitismus entschlossen bekämpfen, jüdisches Leben in Deutschland schützen“ stand, unterstrichen viele Abgeordnete die dringliche Aufgabe, Radikalisierung und wachsenden Antisemitismus in Deutschland zu bekämpfen.

CDU/CSU: „Nie Wieder“ ist Botschaft des Tages

Jürgen Hardt (CDU/CSU) sprach vom 7. Oktober als „größtem Massaker an jüdischen Menschen seit dem Holocaust“. Annähernd 1.200 Menschen hätten damals ihr Leben verloren, Hunderte seien nach Gaza verschleppt worden. Die Botschaft dieses Tages sei „Nie wieder“.

Dazu gehöre auch, dass Jüdinnen und Juden nie wieder Angst haben müssen, ihr Leben in Frieden und Freiheit zu führen, weder in Israel noch anderswo, „auch nicht in Berlin-Kreuzberg, in Köln oder München“. Hardt kritisierte insbesondere die Linken-Abgeordnete Cansin Köktürk, die Israel einen „genozidalen Apartheidstaat“ nenne. Köktürk betreibe damit das Geschäft der radikalen Extremisten auf allen Seiten. 

AfD: Linke setzt bewusst auf Judenfeindlichkeit

Beatrix von Storch (AfD) warf der Linkspartei vor, bewusst auf die „judenfeindliche Welle“ zu setzen, um sich „in Rathäuser und Regierungen tragen zu lassen“. 

Die Partei mobilisiere mit „Gaza-Protest gezielt den islamischen Mob auf unseren Straßen, Seite an Seite mit Hisbollah, Hamas und PFLP“. Dort, wo diese Partei gewinne, müssten Juden Angst haben. Die meisten antisemitischen Übergriffe und Anschläge gebe es in Berlin in den Hochburgen der Linken. 

SPD: Zwei-Staaten-Lösung ist der einzige Weg

Für Siemtje Möller (SPD) teilt das Massaker vom 7. Oktober die „Zeitrechnung in ein Davor und ein Danach“. Die israelische Bevölkerung habe nicht nur in weiten Teilen den Glauben daran verloren, dass ein Leben in Sicherheit mit den Palästinensern möglich sei. „Sie verlor auch insgesamt das Gefühl, nach dem Holocaust einen wehrhaften und unverletzlichen Ort des Schutzes und der Sicherheit gefunden zu haben.“ 

Möller stellte sich mit Nachdruck hinter die Zwei-Staaten-Lösung: „Sie ist der einzige Weg, um Israels Sicherheit dauerhaft zu gewährleisten und zugleich den Palästinenserinnen und Palästinensern ein Leben in Freiheit, Würde und Selbstbestimmung zu ermöglichen.“

Linke: Kriegsverbrechen der Hamas und Völkermord in Gaza

Ines Schwerdtner (Die Linke) nannte das Massaker der Hamas vom 7. Oktober eine „Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit“. Das kollektive Trauma wirke bis heute nach. 

„Gleichzeitig rechtfertigt nichts Netanjahus Kriegsverbrechen. Und was in Gaza passiert, ist ein Völkermord.“

Grüne: Sicherheit gibt es, wenn, nur für beide Seiten

Agnieszka Brugger (Bündnis 90/Die Grünen) sagte, dass es das „eiskalte Kalkül“ der Hamas gewesen sei, unter Inkaufnahme des massiven Leids der eigenen Landsleute an der Gewaltspirale zu drehen und Israel zu einer Gegenreaktion zu bringen, die das Land international isoliert und andere Gesellschaften spaltet. 

„Und es ist doch schwer erträglich, dass dieser böse Plan droht, aufzugehen.“ Brugger betonte, dass es Sicherheit für die eine Seite nicht ohne Sicherheit für die andere Seite geben könne. „Leid - das wird nicht weniger, wenn andere auch leiden.“ (aw/07.10.2026)

Aktuelle Stunde

Fraktionen streiten über finanzielle Unterstützung der Ukraine

Die AfD kritisiert die andauernde Unterstützung der Ukraine bei der Abwehr des russischen Angriffskriegs – und steht dafür ihrerseits in der Kritik aller anderen Fraktionen im Deutschen Bundestag. In einer Aktuellen Stunde auf Verlangen der AfD-Fraktion unter dem Titel „Reise von Bundeskanzler Merz nach Kiew – Milliarden für die Ukraine bei Sparmaßnahmen in Deutschland“ warfen ihr am Mittwochnachmittag, 7. Oktober 2026, Vertreter von Union, SPD und Grünen vor von „Frieden“ zu sprechen, während sie eigentlich auf die Kapitulation der Ukraine setze.  

AfD: Rotstift im eigenen Land

Markus Frohnmaier (AfD) kritisierte, dass Deutschland die Ukraine mit inzwischen 100 Milliarden Euro bilateral und weiteren 30 Milliarden Euro EU-Mitteln unterstützt habe. Beim jüngsten Besuch des Bundeskanzlers Friedrich Merz (CDU) in Kiew seien eine weitere Milliarde Euro für Militärhilfen und 350 Millionen Euro für Energieinfrastruktur hinzugekommen. 

Merz setze bei den Sozialleistungen im eigenen Land den Rotstift an und werfe den Deutschen im Übrigen vor, zu wenig arbeiten zu wollen. Die 130 Milliarden Euro Steuergeld des „ach so faulen deutschen Volkes“, die verschenke „Merz an sein wahres Vaterland, die Ukraine“, sagte Frohnmaier. 

CDU/CSU: Wir verschenken das Geld nicht

Knut Abraham (CDU/CSU) warf seinem Vorredner vor, „fleißige Steuerzahler auf die Opfer eines Angriffskriegs“ zu hetzen. Die AfD verschweige den Kern der Sache: „Der Grund liegt im Krieg Putins gegen die Ukraine und gegen Europa.“ 

Die größte Fluchtursache sei der russische Präsident, den ausgerechnet die AfD unterstütze. Und die größte Einsparung wäre es, wenn dieser den Krieg beenden würde. „Wo Putin ist, ist Gewalt und Terror“, sagte Abraham. „Wir verschenken das Geld nicht. Eine Ukraine, die sich verteidigt, macht Deutschland und ganz Europa sicherer.“

Grüne: Russland ist nicht verhandlungsbereit

Auch Deborah Dürings (Bündnis 90/Die Grünen) Kritik wies in diese Richtung: Was AfD und auch das BSW forderten, führe nicht zum Frieden. Das Einstellen der Unterstützung der Ukraine „führt letztendlich zur Kapitulation, und vor allem führt es am Schluss zu mehr Gewalt und mehr Kriegen in Europa und weniger Sicherheit“. 

Russland zeige seit Jahren, dass es nicht verhandlungsbereit sei. „Der Tisch ist da, aber Russland setzt sich nicht.“ Der Bundesregierung warf Düring vor, die Unterstützung der Ukraine nur scheibchenweise zukommen zu lassen. Auch bei der Bekämpfung der russischen Schattenflotte, die Milliarden in Putins Kriegskassen spüle, sei sie zu nachlässig. 

SPD: Friedenspolitik nicht den Populisten überlassen

Ralf Stegner (SPD) warf der AfD vor, äußere und innere Sicherheit gegeneinander auszuspielen, und obendrein durch Spaltung Putins Geschäft in Deutschland zu betreiben. 

Die demokratischen Parteien würden mit der Frage der Balance von Diplomatie und militärischer Unterstützung ringen. Sie müssten sich angesichts der AfD-Erfolge Fragen stellen: „Wir dürfen Friedenpolitik nicht kampflos den Populisten überlassen.“

Linke: Regierung hat keinen Friedensplan

Lea Reißner (Die Linke) hielt der AfD vor, mehr Geld fürs Militär zu fordern und für die Wehrpflicht zu sein. Sie sei keine „Friedenspartei, und keine Partei der kleinen Leute“. 

Der Bundesregierung warf Reißner vor, die Ukraine vor allem als einen Markt zu sehen, auf dem deutsche Rüstungsfirmen Gewinne einstreichen. „Sie haben einen Plan für Waffen und Investoren, aber keinen Plan für den Frieden.“ (aw/07.10.2026)

Fragestunde

Fragestunde am 7. Oktober

Im Anschluss an die Regierungsbefragung folgte am Mittwoch, 7. Oktober 2026, die Fragestunde. Getrennt nach Ressorts beantworteten Vertreter der Bundesregierung 45 Minuten lang Fragen (21/8313(Dokument, öffnet ein neues Fenster)), die von den Abgeordneten vorab schriftlich eingereicht worden waren.

AfD-Abgeordnete mit den meisten Fragen

24 der insgesamt 52 Fragen wurden von Abgeordneten der AfD-Fraktion gestellt, gefolgt von Abgeordneten der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen mit 16 Fragen und Abgeordneten der Fraktion Die Linke mit zwölf Fragen. Von Abgeordneten der CDU/CSU- und der SPD-Fraktion sowie von fraktionslosen Abgeordneten wurden keine Fragen gestellt. 

Jeweils zwölf Fragen richteten sich an das Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat und an das Bundesministerium des Innern. Sechs Fragen gingen an das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, je vier Fragen an das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie und das Bundesministerium für Verkehr. Mit je zwei Fragen mussten sich das Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen, das Bundesministerium der Finanzen, das Auswärtige Amt, das Bundesministerium für Forschung, Technologie, Raumfahrt und Technikfolgenabschätzung und das Bundesministerium der Justiz auseinandersetzen. Je eine Frage mussten das Bundeskanzleramt, das Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend, das Bundesministerium für Digitales und Staatsmodernisierung und das Bundesministerium für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit beantworten.

Was die Abgeordneten wissen wollen

Beispielsweise erkundigte sich der nordrhein-westfälische Abgeordnete Sascha Lensing (AfD) beim Bundesinnenministerium, über welche bundesweit einheitliche Datengrundlage die Bundesregierung zur Erfassung von Verdachtsfällen hybrider Einflussnahme verfügt, insbesondere von Sabotage, Spionage und Angriffen auf Kritische Infrastrukturen. Welche Bundesbehörde die Erkenntnisse von Bund, Ländern und betroffenen Infrastrukturbetreibern zu einem ressortübergreifenden Lagebild zusammenfügt, interessierte den Abgeordneten ebenso.

Die bayerische Abgeordnete Karl Bär (Bündnis 90/Die Grünen) fragte das Bundeslandwirtschaftsministerium, wie die Bundesregierung mit den immer stärkeren Folgen der Klimakrise für den Ackerbau umzugehen plant.

Der brandenburgische Abgeordnete Christian Görke (Die Linke) wollte vom Bundeswirtschaftsministerium wissen, welche zukünftig aus Kasachstan importierte Ölmenge die Bundesregierung anzielt und welche möglichen Transportwege sie dafür prüft, vor allem angesichts des aktuellen Durchleitungsstopps für kasachisches Öl über die Druschba-Leitung. Görke erwartete eine Auflistung der Möglichkeiten und eine Bewertung mit Blick auf Vor- und Nachteile.

Zusatzfragen sind möglich

Jeder Abgeordnete kann vorab bis zu zwei Fragen an die Bundesregierung einreichen. Nach der regelmäßig durch einen Parlamentarischen Staatssekretär oder einen Bundesminister erfolgenden Beantwortung können der Fragesteller, aber auch andere Abgeordnete des Deutschen Bundestages Zusatzfragen stellen und so die Bundesregierung zu weiteren Stellungnahmen zwingen.

Reicht die Zeit nicht aus, werden noch nicht aufgerufene Fragen von der Regierung schriftlich beantwortet. Ebenso kann vorab bereits um schriftliche Beantwortung gebeten werden. (vom/07.10.2026)

Tourismus

E-Umstieg große Herausforderung für Bustouristik-Branche

Zeit: Mittwoch, 7. Oktober 2026, 15.45 bis 16.45 Uhr
Ort: Berlin, Paul-Löbe-Haus, Sitzungssaal 4.600

Der Umstieg von Dieselfahrzeugen auf E-Reisebusse gehört zu den zentralen Themen der Bustouristik-Branche in den nächsten Jahren. Die Bandbreite reicht dabei von staatlicher Förderung bis zum Ausbau der Ladenetze. Das hat sich am Mittwoch, 7. Oktober 2026, bei einer Experten-Anhörung im Ausschuss für Tourismus gezeigt. Die E-Mobilität zählte dabei ebenso zu den Schwerpunkten der Sitzung wie die Lage der Bustouristik generell, die Herausforderungen, vor denen sie sich insgesamt sieht, sowie die stadtverträgliche Abwicklung des Reisebusverkehrs.

„Der E-Reisebus erhöht die Mobilitätskosten einer Busreise“

Benedikt Esser, Präsident des RDA Internationaler Bustouristik Verbandes, verwies darauf, dass es im Jahr 2025 22 Prozent weniger Busurlaubsreisen als 2019 gegeben habe. Eine Reise habe rund 35 Prozent mehr gekostet, die Dauer sei zurückgegangen. Busreisen bewegten jährlich rund 5,9 Milliarden Euro im In- und Ausland. Mehr als die Hälfte der Busurlauber seien 70 Jahre und älter. 

Er machte darauf aufmerksam, dass neue Reisebusse ab 2030 43 Prozent weniger CO2 ausstoßen müssten. Ein E-Reisebus koste fast doppelt so viel wie ein Dieselfahrzeug. Die Förderung des Bundes passe für Reiseveranstalter mit vielen Auslandsreisen nicht. Der E-Reisebus erhöhe die Mobilitätskosten einer Busreise. Er machte sich stark für mehr Entsorgungsstationen und schlug vor, diese Stationen, in denen Bustoiletten entsorgt werden können, beim Bau des Lkw-Ladenetzes an den Raststätten gleich mit einzuplanen.

„Der Markt bietet Wachstumsperspektiven“

Philipp Kürschner, Director Business DACH der Flix SE, beschrieb die wirtschaftliche Lage in der Busindustrie als grundsätzlich solide. Der Markt biete Wachstumsperspektiven. Die Einbrüche der Pandemie-Jahre seien fast aufgeholt. Eine Belastung seien die Kraftstoffkosten. Sie machten in normalen Zeiten rund 20 Prozent der Gesamtkosten aus. Jeder zusätzliche Cent pro Liter schlage damit unmittelbar auf die Betriebskosten durch. Die aktuelle Spritpreisdynamik verteuere die Tickets. 

Auch er lenkte den Blick auf die hohen Anschaffungskosten von E-Bussen. Er kritisierte die nach seiner Darstellung von der Bundesregierung beschlossene Kürzung der staatlichen Förderung. Die Busunternehmer brauchten Planungssicherheit über mehrere Jahre. Zudem müsse die Lade-Infrastruktur insbesondere an den zentralen Omnibusbahnhöfen ausgebaut werden. Er setzte sich für zentrumsnahe, gut ausgestattete und barrierefreie Fernbushaltestellen mit guter ÖPNV-Anbindung ein. Das Reisen in E-Bussen beschrieb er vor allem wegen der Laufruhe als sehr angenehm.

Mehrbelastung durch gestiegene Dieselpreise

Christiane Leonard, Hauptgeschäftsführerin des bdo Bundesverband Deutscher Omnibusunternehmen, forderte, den Bustourismus als Bestandteil der Verkehrswende anzuerkennen. Diese dürfe sich nicht auf Schiene, ÖPNV und Individualverkehr verengen. Auch der Reisebus ermögliche klimafreundliche gemeinschaftliche Mobilität und müsse in Tourismus-, Verkehrs- und Klimapolitik entsprechend berücksichtigt werden. Die Anschaffung emissionsfreier Reisebusse müsse wirtschaftlich darstellbar sein. Die Dieselkosten seien ein Riesenthema für die Branche. Die Bundesregierung solle in Brüssel die Einführung von Gewerbediesel beantragen, was dem Reisebustourismus und der gesamten Logistikbranche helfen würde. 

Ein Betrieb mit zehn Bussen habe durch die gestiegenen Dieselpreise eine Mehrbelastung von 144.000 Euro, bei Berücksichtigung des Tankrabatts noch 110.000 Euro. Das Weitergeben der Preise sei schwierig. Es müsse eine für die Anforderungen des Reisebusverkehrs tatsächlich nutzbare Ladeinfrastruktur an touristischen Zielen, zentralen Omnibusbahnhöfen, wichtigen Verkehrsknotenpunkten und entlang des Fernstraßennetzes entstehen. Reisebusse müssten in Städten intelligent integriert werden, statt sie zu verdrängen. Dazu gehörten Halte-, Ein- und Ausstiegs- sowie Parkmöglichkeiten.

„Kommunale Reisebuskonzepte fördern“

Prof. Dr. Kai Nagel, Professor für Verkehrsplanung und Verkehrstelematik der Technischen Universität Berlin, legte dar, dass Bustouristik mehrere Funktionen gleichzeitig erfülle: Sie ermögliche bezahlbare Gruppenreisen, erschließe Ziele abseits des Schienennetzes und biete eine durchgehende Reisekette ohne häufige Umstiege. Das sei insbesondere für ältere Menschen, Schulklassen und Fahrgäste mit Mobilitätseinschränkungen relevant. Er empfahl dem Bund unter anderem, kommunale Reisebuskonzepte zu fördern. 

Modellprojekte sollten nach seiner Ansicht die Bestandsaufnahme, ein Netz aus Haltepunkten, Kurzzeit- und Dauerparkplätzen, barrierearme Wege sowie eine belastbare Kapazitätsplanung verbinden. Zu den Empfehlungen zählte auch, die Antriebswende planbar zu finanzieren. Förderung sollte nach seiner Ansicht neben Fahrzeugen auch Depotladen, öffentlich zugängliche Ladepunkte an touristischen Zielen, Netzanschlüsse sowie intelligentes Lastmanagement umfassen. Kleine und mittlere Busunternehmen benötigten verlässliche mehrjährige Rahmenbedingungen.

Große Skepsis beim Einsatz von Elektrobussen

Thomas-Christian Seitz, Geschäftsführer der Eurabus GmbH, meinte, es komme nicht nur auf größere Reichweiten an. Es gebe auch in Deutschland Strecken wie Berlin – Hamburg, die ein hohes Verkehrsaufkommen hätten und wo es durchaus sinnvoll wäre, Elektrobusse einzusetzen. Sie seien schon heute auch in Deutschland eigentlich wirtschaftlich. Er verwies auf deutlich geringere Verbrauchskosten. Ab drei bis vier Jahren könne sich die Anschaffung rechnen. Es gebe natürlich eine große Skepsis, was den Einsatz von Elektrobussen angehe. 

Doch Fakt sei, dass sie in vielen Ländern seit vielen Jahren jeden Tag zuverlässig ihren Dienst versähen. Dies zeige, dass sie konkurrenzfähig seien. Die durch den derzeitigen hohen Dieselpreis günstigeren Verbrauchskosten – 30 bis 60 Prozent unter denen eines Dieselbusses, dazu geringere Wartungskosten, machten sie attraktiv. Die Hürden, die er in Deutschland sehe, beträfen die Schnellladung und oft das Problem, einen großen Bus an die Schnellladestellen zu bekommen, die bisher meist für Pkw gemacht seien. (fla/07.10.2026)

Digitales

Gespräch mit dem Datenschutzbeauftragten Moritz Hennemann

Zeit: Mittwoch, 7. Oktober 2026, 14.45 bis 15.25 Uhr
Ort: Berlin, Paul-Löbe-Haus, Sitzungssaal E. 600

Der Ausschuss für Digitales und Staatsmodernisierung ist am Mittwoch, 7. Oktober 2026, zu einem einstündigen öffentlichen Gespräch mit dem neuen Bundesbeauftragten für den Datenschutz und die Informationsfreiheit Prof. Dr. Moritz Hennemann zusammengetroffen. 

Der Ausschuss für Digitales und Staatsmodernisierung widmet sich den aktuellen netzpolitischen Themen einschließlich des Ausbaus der digitalen Infrastruktur. In dem 30-köpfigen Gremium sollen die verschiedenen Aspekte der Digitalisierung und Vernetzung fachübergreifend diskutiert und entscheidende Weichen für den digitalen Wandel, die Verwaltungsdigitalisierung und den Bürokratieabbau gestellt werden. (07.10.2026)

Befragung der Bundesregierung

Reiche: Für Wettbewerbs­fähigkeit und nachhaltiges Wachstum sorgen

Die Wirtschaft wieder auf die Beine zu stellen und stärker zu machen hat Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) als Ziel der Bundesregierung ausgegeben. In der Befragung der Bundesregierung am Mittwoch, 7, Oktober 2026, sagte die Ministerin, dies sei gelungen. Die Wirtschaftsforschungsinstitute hätten die Wachstumsprognose von 0,6 auf 1,3 Prozent mehr als verdoppelt. Der Ifo-Geschäftsklimaindex steige zum fünften Mal in Folge. Dennoch stehe dieses Wachstum noch auf „wackligen Beinen“, die Lage bleibe fragil, Deutschland werde von externen Krisen belastet. „Wir müssen unsere Wettbewerbsfähigkeit selbst stärken und für nachhaltiges Wachstum sorgen“, unterstrich die Ministerin. Der Anspruch sei, Deutschland an die Spitze zu bringen, um „Wohlstand für alle“ zu schaffen.

In der Energiepolitik seien die Verbraucher mit über acht Milliarden Euro durch die bisherigen Maßnahmen entlastet worden. „Wir synchronisieren Erneuerbare und den Netzausbau. Die Netze werden digitaler, um erneuerbaren Strom und die gesicherte Leistung und die Abnahme besser zu steuern“, sagte Reiche. Netze, Geothermie und Wasserstoff-Infrastruktur und würden beschleunigt ausgebaut. Zusammen mit dem Bundesfinanzminister sei der Deutschlandfonds aufgelegt worden. 30 Milliarden Euro öffentliche Mittel würden zu 130 Milliarden Euro, die im privaten Bereich gehoben werden. „Wir öffnen dem privaten Kapital die Tür“, betonte die Ministerin. „Die Start-ups kommen zurück, wir haben 3.000 Neugründungen in diesem Jahr“, zeigte sie sich erfreut: „Wir entfesseln, wir erneuern, wir setzen unseren Wachstumskurs fort.“

Bilger: Verlässlichkeit und Planbarkeit im Verkehr

Steffen Bilger in dunklem Anzug und blauer Krawatte, der an einem Mikrofon spricht; unscharfe Personen im Hintegrund

Der Bundesminister für Verkehr, Steffen Bilger (CDU), spricht bei der Regierungsbefragung. (© picture alliance/dpa | Michael Brandt)

Neben der Wirtschaftsministerin stellte sich auch der neue Bundesverkehrsminister Steffen Bilger (CDU) den Fragen der Abgeordneten. Verlässlichkeit und Planbarkeit gab es als Motto aus, damit die Menschen „zuverlässig von A nach B kommen“. Dazu werde eine leistungsfähige Infrastruktur benötigt. Bilger verwies auf die Zustimmung des Bundeskabinetts am selben Tag zum Gesetzentwurf zur Kreditfähigkeit der Autobahngesellschaft des Bundes – aus seiner Sicht ein Paradigmenwechsel bei der Finanzierung von Verkehrsprojekten des Bundes. Die Einnahmen aus der Lkw-Maut sollen künftig direkt an die Autobahn GmbH fließen, die die Möglichkeit habe, Kredite aufzunehmen und so privates Kapital zu nutzen. Damit könne die Finanzierung bereits geplanter Baumaßnahmen langfristig abgesichert werden, sagte der Minister.

Auch bei der Schiene arbeite man daran, die Finanzierung durch einen Eisebahninfrastrukturfonds verlässlich zu gestalten. Noch in dieser Wahlperiode werde es dazu einen Vorschlag geben. Das Konzept der „Korridorsanierung“ müsse angepasst werden, man sei dazu in den finalen Abstimmungen mit der Deutschen Bahn AG. Mit dem neuen Infraplan habe man nun ein verbindliches, transparentes Steuerungsinstrument der Verkehrsplanung, das zeige, welche Projekte im Schienennetz Priorität haben. Dieser Infraplan werde künftig jährlich erscheinen. Infrastrukturmaßnahmen würden damit als Teil eines Systems aufeinander abgestimmt und regelmäßig überprüft. Bahnfahren werde so „spürbar verlässlicher“.

Handelspolitik der EU

Der SPD-Abgeordnete Sebastian Roloff sprach die Handelspolitik der EU gegenüber China an. Deutschland brauche als exportorientierte Nation offene Märkte, wozu auch Regeln gehörten, entgegnete Ministerin Reiche. Es sei richtig, dass die EU gegen unfaire Handelspraktiken vorgehe. Die Bundesregierung beteilige sich an Verschärfungen, die EU könne auch Drittstaaten Beschränkungen auferlegen. Beim Stahl habe sie schon Beschränkungen durchgesetzt, weitere Verfahren liefen, die allerdings schneller durchgeführt werden sollten.  

Dr. Sandra Detzer (Bündnis 90/Die Grünen) sprach die deutsch-französische Initiative für einen effektiven Handelsschutz in der EU an. Die Ministerin sagte, es sei gut, dass sie sich auf eine gemeinsame Position geeinigt hätten. Ihr Ministerium und das Bundesfinanzministerium hätten einen Rohstofffonds aufgelegt, um zu diversifizieren. Der “Industrial Accelerator Act” der EU schütze die eigenen Unternehmen und gebe die Chance für neue Partner, gemeinsam zu investieren und niemanden auszuschließen.

Wirtschaftswachstum und Tourismus

Der CSU-Abgeordnete Dr. Andreas Lenz fragte Reiche nach den wirtschaftspolitischen Schwerpunkten der Koalition. Reiche verwies auf die Notwendigkeit von Wirtschaftswachstum. Dieses komme vom Export, denn deutsche Produkte seien nach wie vor gefragt. Darüber hinaus komme das Wachstum vom Klima- und Infrastruktur-Investitionspaket, aber auch von der Verteidigungsindustrie. Gestärkt werden müsse das Potenzialwachstum. Die Ministerin hob zudem den Reichtum Deutschlands an industriellen Daten, etwa in der Biotechnologie oder beim autonomen Fahren, hervor. 

Der AfD-Abgeordnete Dario Seifert thematisierte den Tourismus und sagte, 21 Prozent der Bevölkerung könnten sich keine einwöchige Urlaubsreise leisten. Reiche betonte, dass das Wirtschaftswachstum in Gang gesetzt werden müsse. Dazu gehörten eine Reform der sozialen Sicherungssysteme, die Flexibilisierung des Arbeitsmarktes, der Bürokratieabbau und die Änderung der Energiepreise. Die Senkung der Energiesteuer und der Übertragungsnetzentgelte sowie die Absenkung der Mehrwertsteuer auf Speisen in der Gastronomie gingen in die richtige Richtung. Für gute Arbeit und gute Löhne brauche man Wachstum.

Gas- und Stromimporte

Janine Wissler (Die Linke) konnte sich nicht erklären, warum die Ministerin Gas importieren wolle. Reiche bekräftigte das Ziel von 80 Prozent erneuerbarer Energien am Stromverbrauch. Gebraucht werde beides. Man dürfe nicht beim heutigen Stand stehenbleiben, weil auch Rechenzentren Strom benötigten. „Das Land muss jederzeit in der Lage sein, Strom zu beziehen“, sagte sie. 

Auch werde die Förderung von Wärmepumpen von zwölf auf 13 Milliarden Euro angehoben. Ein Großteil der Haushalte seien noch gasbetrieben, ein Umstieg müsse schrittweise erfolgen. 

Tankrabatt und Streckensanierungen der Bahn

Victoria Broßart (Bündnis 90/Die Grünen) sprach den Verkehrsminister auf darauf an, dass die Regierung vier Milliarden Euro für den Tankrabatt ausgebe, aber im Nahverkehr nicht das Fahrplanangebot halten könne. Bilger verwies darauf, dass Bund und Länder drei Milliarden Euro für das Deutschlandticket bereitstellen, dass wie noch nie in das Schienennetz investiert werde, damit es ein besseres, zuverlässigeres Angebot auf der Schiene gibt. Im Übrigen gelte der Tankrabatte auch für die Busse im öffentlichen Personennahverkehr. 

Wolfgang Wiehle (AfD) ging auf lange Streckensperrungen für Sanierungen im Schienennetz der Bahn ein. So werde die Strecke Berlin – Hannover für 14 Monate gesperrt. Korridorsanierungen seien sinnvoll, sagte der Minister. Das seien längere Sanierungen, damit es danach besser und zuverlässiger funktioniert. Das Konzept der Korridorsanierung werde aber überarbeitet. Die Investitionen ins Schienennetz seien richtig „für mehr Pünktlichkeit“.  

Reform der Fahrschulausbildung

Truels Reichardt (SPD) wollte von Bilger wissen, wie er sicherstellen will, dass die Flexibilisierungen bei der Fahrschulausbildung nicht zulasten der Sicherheit gehen. Die Verkehrssicherheit habe für ihn einen hohen Stellenwert, versicherte der Minister. Die Kosten für den Führerschein seien für die Fahrschüler zu hoch gewesen. Deshalb solle mit der Fahrschulreform mehr Digitalisierung genutzt werden. Dabei sei gewährleistet, dass sie den hohen Sicherheitsansprüchen gerecht wird. Eine Evaluierung gehöre aber auch dazu.

Swantje Henrike Michaelsen (Bündnis 90/Die Grünen) befürchtete brenzlige Situationen, wenn die Fahrschüler im Auto und in Begleitung der Eltern fahren dürfen. Diese Diskussion habe man schon bei der Einführung des „begleiteten Fahrens“ gehabt, erwiderte der Minister. Aus seiner Sicht lernen die Menschen beim Fahren mit den Eltern besser, mit schwierigen Situationen zurechtzukommen.

Ladeinfrastruktur für E-Fahrzeuge

Die Ladeinfrastruktur für E-Autos interessierte den CDU-Abgeordneten Alexander Jordan. „Wir sind in der Phase des Hochlaufs der Elektromobilität“, sagte Bilger. Bei der Ladeinfrastruktur für Pkw komme man gut voran. Jeder könne mit dem E-Auto überall zuverlässig laden. Entlang der Autobahnen werde ein Schnellladenetz aufgebaut. (vom/07.10.2026)

Gedenken im Plenum

Klöckner erinnert an die Opfer des Terrorangriffs der Hamas vom 7. Oktober 2023

Am dritten Jahrestag des Terrorangriffs der Hamas auf Israel erinnerte Bundestagspräsidentin Julia Klöckner vor dem versammelten Bundestagsplenum an die mehr als 1.200 ermordeten und über 250 entführten Opfer vom 7. Oktober 2023. „Den Tätern ging es um eins, sie wollten Juden zu töten, weil sie Juden waren. Und es ging darum, aus ihnen Objekte ihrer Propaganda zu machen“, so Klöckner in ihrer Rede vor Eintritt in die Tagesordnung am Mittwoch, 7. Oktober 2026.

Zugleich rief die Parlamentspräsidentin dazu auf, Antisemiten hierzulande entschiedener in die Schranken zu weisen – „im eigenen Alltag, vor der Haustür, am Arbeitsplatz, in der Freizeit“.

Klöckner: Sind nicht immer laut und klar genug

Die Offenheit, mit der sich Antisemitismus teilweise auf deutschen Straßen zeige, sei erschreckend, so Klöckner. „Ob rechtsextrem, linksextrem oder islamistisch begründet: Extremisten wollen, dass wir uns an die Stigmatisierung von Juden gewöhnen“. Zwar tue dies die Mehrheit der Menschen hierzulande nicht, sie sei jedoch „nicht immer laut und klar genug“.

„Jüdinnen und Juden müssen in unserem Land frei und sicher leben können“, betonte die Bundestagspräsidentin. Wer „Nie wieder“ sage und damit die Vergangenheit meint, sei nur glaubwürdig, wenn er das „Nie wieder“ auch auf heute und morgen bezieht, schloss sie. (ste/07.10.2026)